Ausgangslage

Die zentrale Achse der Karl-Marx-Straße, um die sich das Sanierungsgebiet legt, entwickelte sich innerhalb der polyzentrischen Stadtstruktur Berlins zu einem der bedeutenden Hauptzentren der Stadt, welches sich als Standort für vielfältige zentralörtliche Einrichtungen etablierte. Die stadtbildprägenden Bauten des Amtsgerichts (1901), der Alten Post (1906), des Rathaus Neuköllns (1908-14), der Neukölln Passage (1909) aber auch moderne Bauten wie die Neukölln Arcaden (2000) zeugen von der zentralen Funktion der Straße, die sie bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts einnimmt. Zeitgleich ist das Gebiet um die Karl-Marx-Straße sowie die nachbarschaftlichen Quartiere Wohnort, dessen Bewohner die Entwicklung der ansässigen Einzelhandelsstruktur zu jeder Zeit maßgeblich mitprägten.

Mitte der 1990er Jahre setzte die Abwärtsentwicklung der Karl-Marx-Straße ein. Die Zunahme des Leerstandes wichtiger Immobilien, der Niveauverlust der vorhandenen Einzelhandelsbetriebe („Ein-Euro-Shops“) begleitet durch die Eröffnung großer Einkaufszentren in und um Berlin (z.B. die Gropius-Passagen 1997) führten zu einer Funktionsschwäche des Zentrums. Die kaufkräftigere Mittelschicht kehrte dem Gebiet den Rücken und die hohe verkehrliche Belastung sowie die geringe Aufenthaltsqualität der Straße verstärkten die Abwärtsentwicklung der Karl-Marx-Straße.

Um den Missständen mit geeigneten Maßnahmen entgegenzusteuern, legte der Bezirk zusammen mit der IHK und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt den Schwerpunkt auf die Entwicklung der Straße mit multikulturell geprägter Geschäfts- und Bewohnerstruktur. Seit 2008 wird der Gebietsteil Karl-Marx-Straße bereits durch das Förderprogramm „Aktive Stadtzentren“ unterstützt. Seit dem arbeitet das Netzwerk der „Aktion! Karl-Marx-Straße“ an der Zukunftsfähigkeit des Neuköllner Zentrums.

Im Gegensatz zur geschäftigen Karl-Marx-Straße ist das Gebiet nördlich von ihr in erster Linie ein dicht bebautes Wohnquartier für fast 17.000 Bewohner aus unterschiedlichen Kulturen und Ländern. Ein überdurchschnittlicher Anteil der ansässigen Bevölkerung verfügt dort jedoch über ein geringes Einkommen oder ist auf staatliche Existenzsicherungsleistungen angewiesen. Die Kiezbewohner benötigen eine gut funktionierende soziale Infrastruktur. Viele der öffentlichen Einrichtungen im Gebiet befinden sich jedoch in einem mangelhaften Zustand und werden den Anforderungen nicht gerecht. Vor allem die Schulen und Sportanlagen sind stark sanierungsbedürftig, nehmen jedoch eine wesentliche Rolle ein, um den jungen Bewohnern Bildung und Perspektiven zu ermöglichen.

Die Entwicklung des überregional bekannten „Campus Rütli“ zu einem modernen, integrierten Bildungsstandort wird durch einen Schulerweiterungsbau weiter vorangetrieben.
Neben dem Sanierungsgebiet bestehen mit den Quartiermanagements Donaustraße-Nord, Ganghoferstraße, Flughafenstraße und Rollbergsiedlung weitere Bausteine, die die die baulichen Maßnahmen des Sanierungsgebietes durch soziale Projekte ergänzen.

Große Defizite weisen auch die öffentlichen Straßen, Plätze und Grünflächen auf. Dabei bietet die Erneuerung des öffentlichen Raumes die Möglichkeit, die mangelnde Aufenthaltsqualität für die Bewohner zu verbessern und die Straßenzüge an moderne Anforderungen anzupassen. So kann beispielsweise der verstärkte Radverkehr in der Neugestaltung der Straßen und Plätze Berücksichtigung finden und die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer erhöht werden.