Im KARLSON #6 – 2019, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee informieren wir Sie über die Entwicklungen und Projekte, die das Geschehen der städtebaulichen Sanierung aktuell prägen. Die Bandbreite der Themen reicht von der Darstellung der sanierungsrechtlichen Praxis über die Problematik des Erhalts bezahlbarer Mieten bis zur Beschreibung neuer Einrichtungen für Kinder und Jugendliche im Gebiet. Nachfolgend können Sie sich die einzelnen Artikel ansehen und auch herunterladen.

Wo gute Ideen noch reifen

Die Entwicklung des ehemaligen Gärkellers auf dem Vollgut-Gelände

Das ehemalige Kindl-Gelände erwacht. 2019 starten hier viele neue Bau-Projekte. Währenddessen schlummert direkt unterhalb der Freifläche, zwischen Kart-Bahn und dem KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst, ein rund 600 Quadratmeter großer Raum und wartet auf eine neue Nutzung: Der ehemalige Gärkeller der Kindl-Brauerei.

Derzeit braucht es viel Phantasie, sich diesen dunklen, feuchten und leicht unheimlichen Kellerraum als einen Ort für vielfältige nachbarschaftliche Aktivitäten vorzustellen. Doch genau dies ist der Wunsch der Terra Libra Immobilien GmbH, Eigentümerin und hundertprozentige Tochter der Stiftung Edith Maryon, die die Entwicklung des ehemaligen Kindl-Areals gemeinsam mit ihren Projektpartner*innen in den Händen hält. Der Eigentümerin ist es wichtig, sich durch eine neue Nutzung des ehemaligen Gärkellers im Zusammenspiel mit der Freifläche darüber stärker mit der Umgebung des Geländes zu verzahnen und hiermit ein Modellprojekt für eine initiative Quartiersentwicklung umzusetzen. Erste gute Ideen und Interessenbekundungen gibt es, jedoch steht die künftige Nutzung dieser besonderen Flächen derzeit noch nicht fest.

Derzeit kaum wahrnehmbar: der ehemalige Gärkeller unter der Freifläche (© Bergsee, blau)

Im Herbst 2018 entwarf das Planungsbüro Subsolar im Auftrag der Terra Libra Immobilien GmbH eine Potenzial-Studie für den Raum, die drei unterschiedliche Ausbaustufen beinhaltete. Diese Ausbaustufen wurden Ende letzten Jahres mit interessierten Initiativen und Anwohner*innen bei den so genannten „Gärkeller-Gesprächen“ diskutiert. Die minimale Ausbau-Variante wäre eine Instandsetzung des Raumes, so dass er überhaupt genutzt werden kann. Dazu gehören z. B. der Einbau eines zweiten Fluchtwegs, die Sicherung der Statik, die Abdichtung der Decke, aber keine darüber hinausgehenden größeren Investitionen. Künftige Nutzer*innen müssten mit weitgehender Dunkelheit und Kühle leben, dafür bliebe die Miete sehr günstig. Als Gegenentwurf ließe sich die Situation des Ortes auch völlig neu denken und umbauen. Auch hierzu hat das Planungsbüro interessante Gestaltungsvorschläge unterbreitet. An interessierten Investoren würde es wahrscheinlich nicht mangeln. Doch in diesem Fall müssten hohe Mieten die Umbaukosten wieder einspielen. Damit würde die eigentliche Idee, einen Treffpunkt für möglichst viele kleinere nachbarschaftliche Initiativen und Anwohner*innen zu schaffen, voraussichtlich hinfällig sein.

Wie geht es nun weiter? Das Projekt ist alles andere als versandet, sondern befindet sich in einer Phase der Überprüfung. Bei der Terra Libra Immobilien GmbH wird derzeit weiter über die möglichen Optionen beraten, welche Konzepte offen genug bleiben, um viele Nutzer*innen anzusprechen, wie realistisch es umgesetzt werden und auf mittlere Sicht dauerhaft funktionieren kann. Dabei werden mögliche Organisationsstrukturen und Konzepte intensiv diskutiert und abgewogen. Eine wichtige grundsätzliche Frage ist, ob die Entwicklung des Gärkellers mit der Abstimmung über Nutzungskonzepte beginnen sollte, oder ob man einfach mit dem „Machen“ beginnt? Letzteres scheint zurzeit näher zu liegen. So könnte z. B. ein Kuratorium aus Nachbarschaft, Akteur*innen bzw. Nutzer*innen des Areals und der Eigentümerin eingesetzt werden, um erste temporäre Nutzungen für den Gärkeller auszuwählen und damit als Schnittstelle vieler Interessierter ein Stück weit Verwaltung und Beratung zu übernehmen. Die Erfahrungen mit den ersten Nutzungen würden dann in den weiteren Entwicklungsprozess des Kellers einfließen. So könnte das grundsätzliche Prinzip der Entwicklung des Areals wirken: nämlich den Dingen so viel wie nötig Zeit zu lassen und damit eine bestmögliche und nachhaltige Nutzung des Geländes insgesamt zu erreichen. 

Stephanie Otto

Entwicklung Kindl-Gelände, Meilensteine 2019/2020

„Eine-Welt-Zentrum“ – Umbau ehemaliges Verwaltungsgebäude und Neubau. 2019 Start der Baumaßnahmen und Richtfest. Geplante Eröffnung: Herbst 2020. 

Projekt ALLTAG – Start der Bauarbeiten im Sommer 2019, geplante Fertigstellung Ende 2020

Circular Economy House – Geplanter Baubeginn im Spätsommer 2019

Ertüchtigung Vollgut-Lager (neue Eingänge, Durchwegungen und Treppenhäuser, etc.) – geplant ab Anfang 2020

Rollberg-Hof – Neubau Bundesgeschäftsstelle BUND e. V.: Start voraussichtlich Ende 2020

Weitere Informationen unter www.vollgut.berlin