„Wie funktioniert Stadtplanung?“ – Kiez-Spaziergang in einfacher Sprache
Dies ist ein Artikel ist aus dem KARLSON #12 – 2025, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee.
Stand Dezember 2025
„Wie funktioniert Stadtplanung?“ – Kiez-Spaziergang in einfacher Sprache
Am 30. September 2025 lud das Stadtentwicklungsamt Neukölln zum ersten Kiez-Spaziergang in einfacher Sprache ein. Unter dem Motto „Wie funktioniert Stadtplanung?“ wurden in Kooperation mit dem Projekt „Leicht gemacht“ die Aufgaben der Stadtplanung am Beispiel von fünf Orten erläutert. Die Route konnte vorab online mitbestimmt werden. Es wurden der Karl-Marx-Platz, die Außenanlagen der Kinder- und Jugendeinrichtung Lessinghöhe, der Erweiterungsbau der Regenbogen-Grundschule, das VOLLGUT-Areal, die BUND-Geschäftsstelle, die Kindl-Treppe und die Kinder- und Jugendeinrichtung Blueberry besucht. Bis auf die Kinder- und Jugendeinrichtung Lessinghöhe und die Grundschule liegen all diese Orte im Sanierungsgebiet.
Der Kiez-Spaziergang vermittelte Vorhaben der Stadtplanung niederschwellig
Das Ziel von „Leicht gemacht“ besteht darin, Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten zu ermutigen, an Beteiligungsverfahren in Neukölln teilzunehmen. Beteiligungsverfahren sind in der Regel nämlich komplex und verwenden – meist unabsichtlich – viele Begriffe der Fachsprache. Hinzu kommt, dass die Verfahren von Behörden geführt werden. Entsprechend bestehen rechtliche Bedingungen und Einschränkungen, die in komplexer Sprache wiedergegeben werden. Derart fachlich geprägte Texte sind für Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten schwer bis gar nicht zugänglich. In Folge werden diese Menschen – wenn auch unbewusst – von Beteiligungsmöglichkeiten ausgeschlossen und ihre gesellschaftliche Teilhabe eingeschränkt. Die Bürgerstiftung Neukölln kann das Projekt „Leicht gemacht“ dank der finanziellen Unterstützung aus Mitteln der Europäischen Union (im Rahmen des Europäischen Sozialfonds Plus) und des Landes Berlin umsetzen.
Bei der Verwendung von einfacher Sprache geht es darum, nur Hauptsätze und keine Fachwörter zu verwenden. Das ist bei komplexen Themen gar nicht so leicht.
Karl-Marx-Platz wird grün, offen und klimaangepasst
Dies ist ein Artikel ist aus dem KARLSON #12 – 2025, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee.
Stand Dezember 2025
Karl-Marx-Platz wird grün, offen und klimaangepasst
Der Umbau des Karl-Marx-Platzes ist in vollem Gange. Bereits im April 2025 wurde die neugestaltete nördliche Fahrbahn wieder für den Verkehr freigegeben und damit der erste von zwei Bauabschnitten fertiggestellt. Das gesägte Kopfsteinpflaster orientiert sich am historischen Vorbild und bietet einen verbesserten Fahrkomfort sowie mehr Sicherheit für Radfahrende. Um den Zweirichtungsverkehr für Fahrräder zwischen Tempelhofer Feld und Richardplatz zu gewährleisten, gilt entlang des nördlichen Fahrbahnrands ein absolutes Halteverbot. Leider wird dieses bislang von vielen Autofahrenden missachtet. Der Bezirk ist sich der Problematik bewusst und arbeitet an einer Verbesserung der Verkehrssituation.
Die den Platz aufwertenden Maßnahmen befinden sich in der Umsetzung
Der zweite Bauabschnitt, der im September 2025 begonnen hat und voraussichtlich im Mai 2026 abgeschlossen sein wird, umfasst die Umgestaltung und Aufwertung der Platzfläche einschließlich der bislang unzugänglichen Platzspitze. Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität zu steigern und den Anforderungen des regelmäßig stattfindenden Wochenmarkts gerecht zu werden. Ebenso werden Maßnahmen zur Anpassung an die veränderten klimatischen Bedingungen umgesetzt. So erhält der Platz eine neue Oberfläche aus sogenanntem „Klimastein“ – einem robusten Betonsteinpflaster, das Regenwasser über die Fugen aufnimmt, speichert und zeitversetzt wieder an die Umgebung abgibt. Dieses Schwammstadt-Prinzip sorgt in Verbindung mit dem hellen Farbton des Materials für eine spürbare Kühlung im Sommer und trägt dazu bei, Hitzeinseln im dicht bebauten Stadtraum zu reduzieren. Die Entwässerung erfolgt künftig unter anderem über eine Pflasterrinne, die das Wasser in eine Versickerungsmulde an der Platzspitze leitet, sowie über das ehemalige Brunnenbecken, das als zusätzliche Entwässerungsmulde dient.
Darüber hinaus werden Bänke, Baumscheiben und Abfallbehälter erneuert. Drei neue Beleuchtungsmasten sorgen für mehr Sicherheit und Aufenthaltsqualität auch in den Abendstunden. Zur Öffnung des Bereichs werden die massive Bank am östlichen Platzrand, der Beton-Pflanzkübel und die Einzäunung entfernt. Hier entstehen neue Sitzgelegenheiten, Spielgeräte und eine Tischgruppe. Der Baumbestand bleibt erhalten.
Milieuschutz und Mietrecht – Was Mieterinnen und Mieter wissen sollten
Dies ist ein Artikel ist aus dem KARLSON #12 – 2025, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee.
Stand Dezember 2025
Milieuschutz und Mietrecht – Was Mieterinnen und Mieter wissen sollten
In Neukölln gibt es zehn Milieuschutzgebiete. Vor allem im Norden des Bezirks, innerhalb des S-Bahn-Rings, gilt der Milieuschutz fast flächendeckend. Doch was bedeutet das für Mieterinnen und Mieter?
Mehr Informationen zum Thema Milieuschutz finden sich unter www.berlin.de/ba-neukoelln/Milieuschutz. Bei Fragen rund um das Thema Mietrecht hilft die bezirkliche Mieterberatung – kostenlos und wohnortnah, an sieben Standorten in Neukölln www.berlin.de/ba-neukoelln/Mieterberatung
In Milieuschutzgebieten müssen Vermieterinnen und Vermieter strenge Vorgaben einhalten. So dürfen Modernisierungen wie Fassadendämmungen, Grundrissänderungen oder Badsanierungen nur mit Genehmigung des Bezirksamts vorgenommen werden. Dafür gelten klare Regeln, die sogenannten Genehmigungskriterien. Luxusmodernisierungen sind ausdrücklich nicht erlaubt. Bevor einer Maßnahme zugestimmt wird, erhalten betroffene Mieterinnen und Mieter ein Anhörungsschreiben vom Bezirksamt Neukölln. Darin sind alle Arbeiten aufgelistet, die vom Bezirksamt genehmigt werden. Ist eine Modernisierung angekündigt worden, aber es ist kein Anhörungsschreiben eingegangen oder die Bauarbeiten haben bereits begonnen, wird Betroffenen geraten, sich umgehend an das Bezirksamt Neukölln zu wenden.
Auch bei Mietverträgen kann der Milieuschutz eine wichtige Rolle spielen. Ist der Mietvertrag aufgrund einer bevorstehenden Sanierung nämlich befristet, kann diese Befristung unwirksam sein. Unter Umständen kann dann von der Vermieterin bzw. dem Vermieter eine Entfristung verlangt werden. Zudem gilt die Mietpreisbremse. Diese besagt, dass die Miete für eine Wohnung höchstens 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete (Mietspiegel) liegen darf. Nur bei einer sogenannten umfassenden Modernisierung ist eine höhere Miete zulässig. Da das Bezirksamt in Milieuschutzgebieten jedoch nur in geringem Umfang Sanierungen genehmigt, kommt diese Ausnahme selten vor. In vielen Fällen kann eine Absenkung der Miete verlangt werden.
Informationstafeln im neuen Glanz
Dies ist ein Artikel ist aus dem KARLSON #12 – 2025, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee.
Stand Dezember 2025
Informationstafeln im neuen Glanz
Im Jahr 2017 wurden im Zuge der Fördermaßnahme zur Neugestaltung des südlichen Lohmühlenplatzes Informationstafeln zur Geschichte des Gebiets aufgestellt. Im Laufe der Jahre wurden diese Tafeln leider sehr mit diversen Graffitis verschmiert. Daher veranlasste das Bezirksamt Neukölln im Herbst 2025 die Reinigung der vier Tafeln und der Stelen, die seitdem wieder in neuem Glanz erstrahlen.
Fast wie neu: die Stelen nach der Graffiti-Entfernung
Die Tafeln bieten Einblicke in die geschichtliche Entwicklung des Gebiets um die Lohmühlenstraße in Neukölln-Treptow. Vor 200 Jahren siedelten sich hier zunächst Lohmühlen zur Lederverarbeitung an, an deren Stelle im 19. Jahrhundert die ersten Fabriken am Landwehrkanal entstanden. Während des Ersten Weltkriegs stellten diese auf Kriegsproduktion um und setzten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ein. Nach der Gründung der DDR wurden die Produktionsanlagen zu Volkseigenen Betrieben (VEB) kollektiviert. Nach der Wende wurden diese privatisiert und abgewickelt. Neben der Darstellung des Aufstiegs und Niedergangs eines Wirtschaftsstandorts bieten die Tafeln auch Einblicke in die topografischen und historischen Besonderheiten des Ortes, die sich aus der vorhandenen Wasser- und der späteren Grenzlage zwischen Ost- und West-Berlin ergeben. Sie erzählen, wie die Errichtung der Mauer den Alltag der Menschen veränderte und wie aus dem geplanten Industriekanal ein Naherholungsort wurde. Ein erneuter Blick auf die Tafeln lohnt sich!
Neues zum Kindl-Areal
Dies ist ein Artikel ist aus dem KARLSON #12 – 2025, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee.
Stand Dezember 2025
Neues zum Kindl-Areal
Entwicklungen zum VOLLGUT schreiten voran
Auf dem Gelände der ehemaligen Berliner Kindl-Brauerei im Rollbergkiez ist weiterhin viel los: Die Planungen der Vollgut eG für den Umbau des VOLLGUT-Komplexes – über das Projekt berichteten wir bereits in der letzten Ausgabe des KARLSON ausführlich – befinden sich in der entscheidenden Phase. Damit rückt die Sanierung und Weiterentwicklung des Bestandsgebäudes, eines der bedeutendsten Kultur- und Stadtentwicklungsprojekte in Neukölln, immer näher.
Schematische Darstellung der zukünftigen Raumaufteilung im VOLLGUT. Das VOLLGUT ist ein rund 35.000 Quadratmeter großer Gebäudekomplex zwischen Neckar- und Rollbergstraße, in dem einst die vollen Flaschen und Fässer der Kindl-Brauerei gelagert wurden. Das Gebäude ist Teil des ehemaligen Kindl-Areals, das sich seit 2015 zu großen Teilen im Eigentum der Terra Libra Immobilien GmbH befindet – einer hundertprozentigen Tochter der gemeinnützigen Stiftung Edith Maryon.
VOLLGUT – Umbau und Nutzungskonzept
Unter dem Titel „VOLLGUT – Zentrum für migrantische, queere und populäre Kultur“ entsteht hier ein Ort mit überregionaler Strahlkraft. Viele der künftigen Nutzenden, die sich unter dem Dach einer Genossenschaft zusammengeschlossen haben, stehen bereits fest. Dazu gehören unter anderem die Kletterhalle Boulderkollektiv, die Markthalle Korea Town Berlin, die Filmschule filmArche, ein Archivzentrum für queere und feministische Kultur, der Makerspace des Cadus e.V., verschiedene kollektiv organisierte Handwerksbetriebe, eine Kita sowie zahlreiche weitere Projekträume für soziale und kulturelle Nutzungen. Das Projekt hat das Potenzial, weit über die unmittelbare Nachbarschaft hinaus positive Impulse zu setzen – für den Bezirk Neukölln und ganz Berlin. Schon jetzt arbeitet die Vollgut eG eng mit Schulen, Vereinen und Initiativen aus dem Umfeld zusammen.
Der Baustart ist nach Abschluss der Bauarbeiten für das benachbarte BUND-Gebäude vorgesehen, voraussichtlich 2026. Aktuell sorgen Flohmärkte, kleinere Veranstaltungsreihen und der „Vollguter Gemeinschaftsgarten” regelmäßig für Belebung vor Ort. Dies soll auch während der Bauzeit so bleiben, da der Umbau schrittweise erfolgt. Sobald die Umbauarbeiten am Gebäude abgeschlossen sind, geht es mit dem Innenausbau weiter. Die rund 25 Mitglieder der Genossenschaft gestalten ihre Räumlichkeiten dabei eigenständig und nach ihren Vorstellungen. Die ersten Nutzungen sollen im Laufe des Jahres 2028 schrittweise eröffnen.
Gut unterwegs auf dem Gelände
Die Barrierefreiheit vor Ort spielt nicht nur für das VOLLGUT, sondern für das gesamte Kindl-Areal eine zentrale Rolle. Die Vollgut eG wird hierzu eine Arbeitsgruppe ins Leben rufen, die sich unter anderem dem seit Langem defekten Aufzug an der Kindl-Treppe annimmt. In enger Zusammenarbeit mit lokalen Akteurinnen und Akteuren sowie der Nachbarschaft sollen Bedarfe – etwa zur Bedienbarkeit und Einsatzbereitschaft – ermittelt, Finanzierungsmöglichkeiten geprüft sowie nachhaltige Lösungen für die Wiederinbetriebnahme und Pflege des Fahrstuhls entwickelt werden. Ziel ist es, den Aufzug möglichst zeitnah wieder nutzbar zu machen. Dies ist auch dem Bezirk ein wichtiges Anliegen, da die Errichtung der Treppe und des Aufzugs zur Hälfte mit Mitteln der Städtebauförderung finanziert wurden.
Nachhaltigkeit im Fokus
Die Vollgut eG ist darüber hinaus bestrebt, besonders ökologisch und ressourcenschonend zu bauen. Möglichst viel der bestehenden Bausubstanz soll erhalten bleiben, alte Baumaterialien sollen wiederverwendet werden. Zudem wird so gebaut, dass eine spätere Demontage (und Wiederverwendung) einzelner Bauteile unkompliziert möglich ist – ein Ansatz, der bei Bauvorhaben künftig noch weiter an Bedeutung gewinnen wird.
Christoph Lentwojt
Neukölln im Licht
Dies ist ein Artikel ist aus dem KARLSON #12 – 2025, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee.
Stand Dezember 2025
Neukölln im Licht
Die Beleuchtung des öffentlichen Raums
Wie kaum eine andere Innovation führte die künstliche Beleuchtung nicht nur zu weitreichenden Veränderungen im Erscheinungsbild von Städten, sondern auch im menschlichen Zusammenleben. Sie eröffnete neue Schauplätze, veränderte Alltagsrhythmen und legte den Grundstein für die moderne Großstadt. Vor allem Geschäftsstraßen entwickelten sich Anfang des 19. Jahrhunderts zu neuen Aufenthaltsräumen des nächtlichen urbanen Lebens. An ihnen ließen sich die neuen sozialen Praktiken der modernen Großstadt besonders gut ablesen. Dazu zählten das Flanieren durch die beleuchtete Stadt, das Betrachten von Schaufenstern und die Entstehung eines neuen Sozialtypus, dem (zumeist männlichen) „Nachtschwärmer“.
Weihnachtsbeleuchtung in der Karl-Marx-Straße, 1962
Die Ursprünge der organisierten Straßenbeleuchtung gehen bereits auf das 17. Jahrhundert zurück. Doch damals leuchteten nur einzelne Laternen, lediglich in den Stadtzentren und auch nur in den Wintermonaten. Zudem waren sie mit Kerzen oder Öl betrieben, leuchteten nicht besonders hell und mussten manuell angezündet werden. Damals überwachte die Außenbeleuchtung noch der Polizeipräsident, weil sie in erster Linie der Sicherheit und Kontrolle diente. Erst im Zuge der Industrialisierung gelang der Durchbruch von neuen Beleuchtungstechniken und -infrastrukturen, die die Großstädte revolutionieren sollten. Sie sorgten Anfang des 19. Jahrhunderts für die schrittweise Einführung einer zentralen Beleuchtung mit Öl und Gas in allen europäischen Städten. In Berlin geht die Einführung der infrastrukturellen Außenbeleuchtung auf die Beauftragung eines englischen Unternehmens im Jahr 1826 zurück, das bereits zwölf Jahre zuvor für die Beleuchtung der Londoner Straßen gesorgt hatte. Nach Ablauf des Vertrags übernahm die Stadt die Gasversorgung und -beleuchtung zunehmend selbst. Mit der Gründung der Städtischen Gasanstalt Berlin im Jahr 1844 hatte erstmals ein Berliner Unternehmen das entsprechende Vorrecht erhalten. Nach und nach setzte sich das Gaslicht durch und verdrängte bis 1850 fast alle Öllaternen aus dem Stadtbild. Ab den 1880er Jahren trat schließlich die Elektrizität in Konkurrenz zum Gaslicht. Im Jahr 1884 wurde mit den Städtischen Elektricitäts-Werken das erste deutsche Elektrizitätsversorgungsunternehmen gegründet, das als Vorreiter des heutigen Stromnetzes Berlins gilt. Mit der Entwicklung elektrischer Schaufenster- und Leuchtreklamen in den 1910er Jahren nahm die Außenbeleuchtung schließlich zunehmend kommerzielle und kulturelle Ausprägungen an. Dieser Prozess kulminierte in den 1920er- und 1930er Jahren schließlich in spektakulären großstädtischen Lichtinszenierungen.
Frühe Gaslaternen in der Karl-Marx-Straße (ehemals Berliner Straße)
Während Berlin Mitte des 19. Jahrhunderts noch als „öde und provinziell“ galt und sich das infrastrukturelle Know-how aus England holte, zählte es ein paar Jahrzehnte später bereits zu den modernsten und schillerndsten Großstädten Europas. Ein Grund dafür war nicht zuletzt die Beleuchtung des öffentlichen Raums: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte Berlin zu den am besten beleuchteten Städten des Kontinents.
Revolutionär waren nicht nur die rasante Entwicklung des Stromnetzausbaus, sondern auch die neuen Lichtqualitäten, die sich aus der neuen Technik ergaben. War das Gaslicht bis zur Erfindung des elektrischen Lichts das bis dato am hellsten leuchtende Licht, besaß es dennoch die lebendige Qualität, die von der offenen Flamme ausgeht. Es erschien damit warm und atmosphärisch. Zudem wurde eine gewisse Nähe zwischen beleuchtetem Objekt und Lichtquelle aufrechterhalten. Mit der Erfindung des weitaus helleren elektrischen Lichts änderte sich dies schlagartig. Plötzlich eröffneten sich viel größere Entfernungen zwischen Lichtquelle und den Objekten. Zudem gab das elektrische Licht kühlere Farbtemperaturen ab und sorgte für eine „Erstarrung“ des Lichts. Das Gaslicht, das bis dahin noch als modern und fortschrittlich galt, wurde daraufhin als „schmutzig“ und veraltet wahrgenommen. Das elektrische Licht veränderte damit auch die Dimensionen der nachts wahrnehmbaren Stadt.
Der beleuchtete Mercedes-Palast in der Hermannstraße während des Lichtfestes 1928
Wurden Einkaufsstraßen Ende des 19. Jahrhunderts noch mit dem Erscheinungsbild eines prunkvollen, aber intimen Saals verglichen, erschlossen sich mit dem elektrischen Licht zu Beginn des 20. Jahrhunderts vollständig neue Kulissen. Dieses zunehmend kommerziell eingesetzte, weit weg scheinende Licht verselbstständigte sich somit zu einer eigenen Sphäre und sprengte die bis dahin gewohnten Distanzen.
Obwohl die Einführung elektrischer Beleuchtung aus diesen Gründen nicht ausschließlich positiv bewertet wurde, avancierte sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum neuen Symbol von Modernität und Fortschritt. In Großstädten wurde sie daher bewusst zur Selbstdarstellung einer zukunftsweisenden Metropole inszeniert. Vor allem Berlin sorgte damit für große Anziehungskraft, denn die Beleuchtung des öffentlichen Raums war eng verbunden mit der Entstehung eines pulsierenden Nachtlebens, welches die Stadt berühmt und berüchtigt machte. Berlin wurde als Ort propagiert, der einen modernen Lebensstil und sogar einen „neuen Menschen“ hervorbringen würde.
Das Kaufhaus Karstadt bei Nacht, 1930er Jahre
Einen besonderen Höhepunkt in Sachen Lichtinszenierung stellten aufwendige Lichtfeste dar, mit denen für Berlins Modernität geworben wurde. Ein Beispiel hierfür war „Berlin im Licht“, ein Lichtfest, das 1928 von der Stadtverwaltung, der Beleuchtungsindustrie sowie den Handelskammern und Verbänden gemeinsam durchgeführt wurde. Während dieser „Licht-Kampagnen“ wurden Schaufenster, Lichtreklamen und Gebäude mit modernsten Beleuchtungstechnologien in Szene gesetzt. Damit sollte die öffentliche Akzeptanz des elektrischen Lichts gefördert und Wissen über dessen weitreichende Möglichkeiten vermittelt werden.
Auch in Neukölln wurden im Rahmen von „Berlin im Licht“ zahlreiche Schauplätze inszeniert. Dazu gehörte beispielsweise der ehemalige Mercedes-Palast, ein Filmtheater mit 2.500 Plätzen in der Hermannstraße 214–216. Neukölln, das seit der Eingemeindung im Jahr 1920 zu Berlin gehörte, galt zu dieser Zeit aus städtebaulicher Sicht als eines der innovativsten Gebiete der Stadt. Der Mercedes-Palast und das 1929 fertiggestellte Kaufhaus Karstadt zählten damals zu den jeweils größten Bauten ihrer Art in Europa. Doch „nirgendwo in Berlin wurde eindrucksvoller als in Neukölln demonstriert, wie nahe in den vermeintlich goldenen Zwanzigern Glamour, Vergnügen, Armut, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit beieinanderlagen“, heißt es in einer Publikation des Museums Neukölln (siehe Quellenangaben). Denn so fortschrittlich Neukölln in städtebaulicher Hinsicht war, so einkommensschwach war seine damalige Bevölkerung. Auch wenn der Kinopalast in der Hermannstraße als erschwingliches Volkstheater seine Eintrittspreise an die gering verdienende Arbeiterschaft anpasste, galt die glamouröse Außenwirkung vor allem einem: der Inszenierung einer fortschrittlichen Weltstadt.
Modernisierte Schaufenster des Eisenwaren- und Haushaltsgeschäfts „Gustav Kiessling“ in der Berliner Straße, um 1905 und in den 1950er Jahren
Eine eindrucksvolle Lichtinszenierung setzte sich bei der Errichtung des Kaufhauses Karstadt am Hermannplatz fort, das vor allem auch mit seinen überwältigenden Dimensionen beeindruckte. Die beiden 56 Meter hohen Türme wurden zusätzlich von 15 Meter hohen Lichtsäulen bekrönt. Stilistisch war es von der US-amerikanischen Hochhausarchitektur beeinflusst. An beiden Gebäuden wurde Licht eingesetzt, um die moderne Geradlinigkeit der Baukörper zu betonen. Es wurde somit als Teil der Fassadengestaltung eingesetzt. Nachts leuchtete das Kaufhaus nicht nur kilometerweit, sondern der Baukörper des Kaufhauses schien sich sogar vollständig aufzulösen.
Licht entwickelte sich somit zunehmend zum architektonischen Gestaltungs-, wenn nicht sogar zum zentralen Bauelement. Die allmähliche Aufwertung des künstlichen Lichts und die damit einhergehende zunehmende Kommerzialisierung des Stadtraums spiegelten sich damit nicht nur in der Verbreitung der Lichtreklame, sondern auch in der Entwicklung und Gestaltung der modernen Architektur wider. In diesem Zusammenhang folgten viele Geschäftsumbauten, die schwerpunktmäßig auf die Nachtwirkung ausgerichtet waren. Im Zentrum stand dabei stets, neue Impulse zu setzen, den Wirtschaftsgeist der Hauptstadt zum Ausdruck zu bringen und die „Weltstadtbildung“ voranzutreiben. Auch wenn auf diese hell leuchtende Zeit dunkle Jahre des Krieges folgten, wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts innovative Impulse für die weitere Entwicklung der künstlichen und kommerziellen Beleuchtung im Stadtraum gesetzt. Die Tendenz, den Handel und Konsum aufwendig zu inszenieren, wurde in der Nachkriegszeit, zumindest in West-Berlin, unter einer ähnlichen Weltanschauung wiederaufgegriffen.
Carolina Crijns
Verwendete Literaturquellen:
Lichtblicke, Wolfang Schivelbusch, 1983.
Berlin im Licht, Franziska Nentwig (Hrsg.), Stiftung Stadtmuseum Berlin, 2008.
Die Stadt im Licht: Städtische Beleuchtung als Infrastruktur, Uwe Hasenöhrl,
in: Informationen zur modernen Stadtgeschichte, Baumeister et al., 2015.
Großstadt Neukölln: 1920–2020, Udo Gößwald (Hrsg.), Museum Neukölln, 2020.
Unterirdische Stadtgeschichten
Dies ist ein Artikel ist aus dem KARLSON #12 – 2025, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee.
Stand Dezember 2025
Unterirdische Stadtgeschichten
Altlasten verteuern den Umbau des Schulhofs der Elbe-Schule
Was für Bodengutachter ein spannendes Stück Stadtgeschichte birgt, dürfte die Schulkinder der Elbe-Schule wohl weniger erfreuen. Untersuchungen haben ergeben, dass der Boden unter dem Schulhof stark mit Schadstoffen verunreinigt ist. Der schadstoffhaltige Boden muss entsorgt und ausgetauscht werden und dies führt zu erheblichen Mehrkosten, die finanziert werden müssen. Geplant ist dennoch, im Jahr 2026 mit der Umgestaltung zu starten.
Altlasten aus Trümmerschutt sind gerade im Norden Neuköllns ein altbekanntes Problem. Bei neuen Bodenuntersuchungen des Schulgeländes stieß man aber auf zusätzliche Herausforderungen. Neben Trümmerschutt wurden in den oberen Lagen der Torfschichten in 2,5 Metern Tiefe auch giftige Schwermetalle nachgewiesen. Die Aufschüttungen stammen aus den 1850er Jahren, als im Zuge der Industrialisierung der Bedarf an Wohnraum und zusätzlicher Siedlungsfläche stieg. Maßgeblich für die Stadterweiterung war der im Jahr 1862 in Kraft getretene Hobrecht-Plan. Dieser legte die Bebauung für die Umgebung Berlins fest und veranlasste die Anfertigung von Bleirohren für die Kanalisation. Die Zwischenprodukte aus der Herstellung dieser Rohre wurden vermutlich in dem an Spree und Kanälen gelegenen Neukölln zwischengelagert, da sie von hier aus per Schiff weiter transportiert werden konnten. Für erhöhte Kupfer- und Zink-Gehalte könnten Ende des 19. Jahrhunderts auch Abfälle aus Bronze-Gießereien und Materialien der AEG-Werke Oberschöneweide gesorgt haben. Dadurch lagerten sich Schwermetalle an der Bodenoberfläche ab. Diese wurde im Zuge von Bebauungen anschließend begradigt, sodass die gefährlichen Schwermetalle Blei, Kupfer und Zink bis heute in den überarbeiteten Torf-Schichten des Bodens gespeichert sind.
Schematische Darstellung einer unterirdischen Versickerungsanlage mit Rigolen
Zu einer weiteren Schadstoffbelastung kam es etwa 70 Jahre später durch den im Zweiten Weltkrieg entstandenen Trümmerschutt. Auch dieser enthält aufgrund der Verbrennungsrückstände Giftstoffe – insbesondere polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).
Die Bodenverunreinigungen bilden heute ein wesentliches Hemmnis, klimafreundliche Versickerungsflächen zu schaffen. Idealerweise sollte Niederschlagswasser vor Ort gespeichert und schadlos versickern können. Damit wird für kühlere Umgebungstemperaturen sowie eine Bewässerung der belebten Oberbodenzone gesorgt. Die ursprünglich geplante großflächige Entsiegelung des Schulhofs ist aufgrund der jüngsten Erkenntnisse nicht mehr möglich, da die Menge des Bodens, der dafür ausgetauscht und entsorgt werden müsste, zu große Kosten verursachen und die Baumaßnahmen den Schulbetrieb zu lange Zeit massiv behindern würden. Die neue Planung sieht deshalb vor, dass das Regenwasser über Punktabläufe und Rinnen abgeleitet, vorgefiltert und anschließend in eine neue zentrale unterirdische Versickerungsanlage eingeleitet wird. Auch führen die Belastungen des Bodens dazu, dass die älteren vorhandenen Sickerschächte auf dem Schulgelände, die noch mit der Abwasserkanalisation verbunden sind, nicht mehr betrieben werden können. Es besteht die Gefahr, dass die Schadstoffe ins Grundwasser ausgewaschen werden. Die neue große Versickerungsanlage soll zukünftig die bestehenden Sickerschächte ersetzen. Zudem muss dort, wo versickert werden soll, der schadstoffbelastete Boden über dem Grundwasser vollständig ausgetauscht werden.
Carolina Crijns
Sichere und grüne Straße
Dies ist ein Artikel ist aus dem KARLSON #12 – 2025, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee.
Stand Dezember 2025
Sichere und grüne Straße
Umgestaltung der Elbestraße nimmt weiter Form an
Die Planungen zum Umbau der Elbestraße schreiten voran. Nachdem im November 2023 im Rahmen der Machbarkeitsstudie eine erste Beteiligung stattfand, wurde im Sommer 2025 eine zweite Beteiligungsphase durchgeführt, bei der die Vorentwurfsplanung im Mittelpunkt stand. Bis zum Baustart Ende 2026 gilt es nun, die Planungen weiter zu konkretisieren.
Lageplan der Elbestraße – Vorplanung
Ende 2024 bewilligte die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt den Antrag des Bezirks Neukölln in Höhe von 4,25 Millionen Euro, der überwiegend mit Mitteln des Förderprogramms BENE 2 finanziert wird. Damit konnte die Finanzierung sowohl für die weitere Planung als auch für die bauliche Umsetzung gesichert werden. Parallel dazu schrieb das Bezirksamt Neukölln die Vergabe der Entwurfsplanung aus. Den Zuschlag erhielt ein Planungsteam aus den drei Büros Gruppe Planwerk, bgmr Landschaftsarchitekten und Ingenieurbüro Sieker. Diese Bürogemeinschaft hatte auch die Machbarkeitsstudie erarbeitet.
Nach Begutachtungen von Leitungen und Baumwurzeln sowie der Entnahme von Bodenproben konnten die Planungen zur Neugestaltung der Elbestraße konkretisiert werden. Am 11. Juli 2025 stellten die Planenden im Mehrzweckgebäude der Elbe-Schule den aktuellen Stand der Entwurfsplanung vor. Rund 85 Interessierte nahmen an der öffentlichen Veranstaltung teil, informierten sich über die Ideen zur Neugestaltung und diskutierten engagiert über die verschiedenen Vorschläge. In persönlichen Gesprächen konnten die Teilnehmenden außerdem Anregungen und Hinweise direkt an die Fachleute weitergeben.
Ergänzend dazu bestand im Anschluss an die Veranstaltung auf dem Beteiligungsportal mein.berlin.de die Möglichkeit, sich online über die Entwürfe zu informieren und diese zu kommentieren. Alle eingegangenen Anregungen und Hinweise wurden daraufhin vom Bezirksamt gemeinsam mit dem Planungsteam ausgewertet und abgewogen. Die Ergebnisse fließen in die weitere Konkretisierung der Entwürfe ein und sind auf der Projektseite zur Elbestraße sowie auf mein.berlin.de abrufbar.
Nach Abschluss der Beteiligungsphase im Sommer dieses Jahres werden nun die Bauplanungsunterlagen fertiggestellt. Der eigentliche Umbau der Elbestraße ist für den Zeitraum Ende 2026 bis 2029 geplant. Ziel ist es, eine lebendige, sichere und grüne Straße zu schaffen, die den Bedürfnissen aller Verkehrsteilnehmenden gerecht wird, den klimatischen Anforderungen entspricht und mehr Aufenthaltsqualität bietet. Zu diesem Zweck werden auf der Westseite eine Zweirichtungsfahrradstraße und Mulden zur Versickerung von Regenwasser angelegt, auf dem Mittelstreifen eine Fußgängerpromenade errichtet und vor der Elbe-Schule eine Schul- und Nachbarschaftsfläche geschaffen. Darüber hinaus werden neue Bäume gepflanzt, mehr Sitzmöglichkeiten geschaffen und zusätzliche Mülleimer aufgestellt.
Christoph Lentwojt
Förderung
Das Vorhaben „Umgestaltung der Elbestraße“ (Projektlaufzeit: 12/2024 bis 12/2029) wird im Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung 2 (BENE 2) gefördert aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und des Landes Berlin (Förderkennzeichen 2391-B6-R).

Neukölln in Bewegung
Dies ist ein Artikel ist aus dem KARLSON #12 – 2025, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee.
Stand Dezember 2025
Neukölln in Bewegung
Bezirkliche Sportentwicklungsplanung und der Sportplatz Maybachufer
Sport leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit sowie zum gesellschaftlichen und sozialen Miteinander. Er ist somit von großer Bedeutung für die Attraktivität und Lebensqualität einer Stadt. Wie, von wem und wo Sport ausgeübt wird, hat sich in den letzten Jahrzehnten jedoch stark verändert. Um diesen gesellschaftlichen Veränderungen gerecht zu werden, ist ein Rahmenwerk erforderlich, das einheitliche Bearbeitungsstandards für die zukunftsfähige Entwicklung sportlicher Infrastruktur vorgibt.
Im November 2024 eröffnete ein Calisthenics-Park neben dem Kinder- und Jugendtreff Blueberry
Was wir heute unter Sport verstehen, wird in der Regel sehr weit gefasst. Das liegt daran, dass sportliche Betätigung vielseitiger geworden ist. Während vor hundert Jahren noch etwa 30 Sportarten ausgeübt wurden, führen aktuelle Studien mehr als 150 Sport- und Bewegungsformen auf. Auch die Gründe, sich sportlich zu betätigen, können heute sehr unterschiedlich sein. Zu den Zielen können beispielsweise Gesundheit, Geselligkeit, Entspannung, Selbstausdruck oder Naturerleben zählen. Zudem gibt es vielfältigere Organisationsformen, sei es vereinsmäßig, gewerblich oder privat. Gleichzeitig spiegelt sich die Diversität der Gesellschaft auch in den Menschen wider, die sich sportlich betätigen (möchten). In diesem Sinne birgt Sport das Potenzial, eine Inklusionsmaßnahme zu sein beziehungsweise eine gesellschaftsstiftende Rolle einzunehmen. Hinzu kommt, dass die Bedeutung von Sport und Bewegung deutlich zugenommen hat. Dies spiegelt sich sowohl in einer immer aktiver werdenden Gesellschaft als auch in der Zunahme von sportlichen Veranstaltungen wider. Die Orte, an denen Sport ausgeübt wird, müssen diesen neuen Anforderungen gerecht werden.
Neukölln strebt eine inklusive Sportentwicklungsplanung an (© zeljkosantrac)
In diesem Zusammenhang erarbeitet der Fachbereich Sport des Bezirksamts Neukölln derzeit mit dem von ihm beauftragten Institut für kommunale Sportentwicklungsplanung (INSPO) eine Sportentwicklungsplanung für den gesamten Bezirk. Diese soll 2026 abgeschlossen werden und optimale künftige Nutzungsmöglichkeiten für Sporthallen und -anlagen wie für Freiflächen bestimmen. Dies geschieht in einem integrativen Ansatz, der angesichts der Vielfältigkeit der zu berücksichtigenden Aspekte ämterübergreifend verschiedene Fachressorts (Stadtentwicklung, Kultur, Gesundheit, Bildung, Natur- und Grünflächenentwicklung, Jugend und Familie sowie Soziales und Integration) einbindet.
Die Promenade am Landwehrkanal wird vielfältig genutzt (© Benjamin Pritzkuleit)
Besonders wichtig ist jedoch auch der Brückenschlag zu den vielfältigen Nutzergruppen. Die Herausforderung besteht darin, auch diejenigen zu erreichen, die bisher im Sport unterrepräsentiert sind. In Sportvereinen, in denen das Geschlechterverhältnis immer noch unausgewogen ist, betrifft das vor allem Mädchen und Frauen. Darüber hinaus sind in diesen auch ältere Menschen sowie Personen mit Migrationsgeschichte weniger aktiv. Um die Teilhabe dieser Gruppen zu verbessern, sind gezielte Maßnahmen erforderlich. Dazu zählen niedrigschwellige Sport- und Bewegungsangebote, die ohne große Hürden zugänglich sind. Ebenso wichtig ist eine kultursensible Kommunikation, die unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigt. Eine barrierefreie Infrastruktur wiederum ermöglicht es Menschen mit körperlichen Einschränkungen, ebenfalls aktiv zu sein. In diesem Jahr hat unter anderem eine Beteiligung zur Sportentwicklungsplanung auf mein.berlin.de stattgefunden.
Der Sportplatz Maybachufer von oben
Sportplatz Maybachufer
Wie für eine Reihe anderer größerer Sportanlagen im Bezirk wird im Zuge der Sportentwicklungsplanung auch für den Sportplatz Maybachufer ein sogenanntes Grobkonzept erstellt, welches Vorgaben zur künftigen Entwicklung des Standorts macht. Die Anlage soll ein vielseitiger Ort für Bewegung für den Schul-, Vereins- und Individualsport werden. Durch die Anbindung an den Campus Rütli wird die schulische Integration gestärkt und es entstehen Synergien zwischen Bildung und Bewegung. Das Ziel besteht darin, einen inklusiven Raum zu schaffen, in dem Menschen unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft, ihrem Alter oder ihrer Lebenssituation gemeinsam aktiv sein können.
Für den Sportplatz Maybachufer wurde bereits 2021 mit der Vorbereitung der Entwicklung der ungenutzten Freiflächen (sogenannte Potenzialflächen) begonnen; zunächst waren umfangreiche Bodenuntersuchungen und -sanierungen erforderlich. Ende 2025 wird nach erfolgtem Vergabeverfahren vom Bezirk ein Planungsbüro mit der Erstellung einer konkreten Entwurfsplanung für diese Flächen beauftragt werden, deren Grundlage das Grobkonzept der Sportentwicklungsplanung bildet. Im Jahr 2026 wird ein Beteiligungsverfahren zu den Entwürfen stattfinden. Der anschließende Baubeginn ist dann noch im selben Jahr geplant.
Carolina Crijns, mit Zuarbeit von Konstantin Pape (INSPO)
Bald wird wieder mehr geschaukelt
Dies ist ein Artikel ist aus dem KARLSON #12 – 2025, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee.
Stand Dezember 2025
Bald wird wieder mehr geschaukelt
Zwei Spielplätze am Richardplatz werden saniert
Spielflächen und -plätze in Nord-Neukölln sind einem hohen Nutzungsdruck ausgesetzt. Daher werden die beiden in die Jahre gekommenen Spielplätze am Richardplatz 9 und am Richardplatz 28 nun erneuert.
Eine Initiative des Quartiersrates im Jahr 2019 legte den Grundstein für die Erneuerung beider bezirklicher Spielplätze. 2023 fanden schließlich zwei Beteiligungen, jeweils eine pro Standort, statt. Vor Ort hatten Kinder und Erwachsene mithilfe von Beteiligungsbögen die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und ihre Wünsche durch Mal- und Bastelaktionen zu äußern. Darüber hinaus konnten Interessierte im Vorfeld Beiträge über Instagram einreichen. Über die Social-Media-Plattform gingen über 100 Ideen ein, während bei den Beteiligungen 44 Kunstwerke abgegeben wurden. Die Beteiligung wurde vom Stadtplanungs- und Beteiligungsbüro AG.URBAN gemeinsam mit dem Quartiersmanagement Rixdorf durchgeführt. Die häufig genannten Wünsche für den Spielplatz am Richardplatz 9, wie beispielsweise eine Schaukel, ein Trampolin, ein Klettergerüst, eine Rutsche und die Reparatur der Seilbahn, konnten so in die Planungen einfließen.
Bestandsfoto des großen Spielplatzes am Richardplatz 9
Als erster und bereits in diesem Jahr wurde der Kleinkinderspielplatz am Richardplatz 28 erneuert. Seine Gestaltung nimmt Bezug auf die direkt benachbarte Alte Schmiede, beispielsweise durch eine „Amboss“-Wippe. Die Kinder können sich hier also bereits über neue Spielgeräte wie einen Buddeltisch (eine Vorrichtung für Sandspiele auf Kindertischhöhe) ebenso wie über frischen Sand freuen.
Eine Übersicht der bunten Beteiligungsbögen
Die Erneuerung des großen Spielplatzes am Richardplatz 9 soll 2026 folgen. Dabei wird die gesamte Anlage inklusive der Wege- und Vegetationsflächen in die Maßnahmen einbezogen. Geplant ist zudem, den Bolzplatz mit einem Kunststoffbelag zu befestigen sowie im Sandspielbereich neue Spielgeräte zum Klettern, Wippen, Schaukeln, Hüpfen und Hangeln zu errichten.
Finanziert wird das Projekt mit Mitteln aus dem Baufonds des Städtebauförderprogrammes „Sozialer Zusammenhalt“.
Carolina Crijns
Was macht ein Quartiersrat?
Der Quartiersrat ist ein Gremium, das sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Anwohnerschaft sowie aus öffentlichen Einrichtungen und Vereinen zusammensetzt. Gemeinsam mit dem jeweiligen Quartiersmanagement werden im Quartiersrat regelmäßig aktuelle Entwicklungen im Kiez sowie Strategien der Gebietsentwicklung diskutiert. In Neukölln gibt es derzeit neun Quartiersmanagement-Gebiete, die eine Förderung des Programms „Sozialer Zusammenhalt“ erhalten.
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