Zusammen! Mit Kita-Kindern Stadt erleben und gestalten
Im BROADWAY #12 – 2020/21 wurde das Thema „Zusammen“ zum Leitgedanken gewählt. Die Corona-Pandemie fordert das Zusammen heraus, ganz besonders auch in Neukölln. Zusammenhalt ist nötiger denn je. Das Magazin betrachtet das „Zusammen“ aus unterschiedlichen Perspektiven, stellt gemeinsam gefundene Strategien vor, schaut auf gemeinschaftliche Projektentwicklungen im Zentrum Karl-Marx-Straße oder auf den Zusammenhalt über religiöse Grenzen hinweg.
Stand November 2020
Zusammen! Mit Kita-Kindern Stadt erleben und gestalten
„Berlin ist ganz schön groß! So viele Häuser und Straßen und S-Bahnen – und Ameisenmenschen. Und ganz da hinten, da bei den zwei Hochhäusern – da ist unsere Kita! Berlin ist so groß, dass man gar nicht sieht, wo das Ende ist.“*
* Vorschulkinder des INA.KINDER.GARTEN Prenzlauer Berg beim Betrachten der Stadt aus dem Fernsehturm in: Berlin – die Geschichte einer Stadt, 2019

Neuköllner Kita-Kinder bauen ihre Stadt der Zukunft, KinderKunstWerkstatt 2020, gefördert vom Bezirksamt Neukölln-Fachbereich Kultur, © Enia Wegmann, KinderKünsteZentrum
Bereits im Rahmen des stadtweit durchgeführten Projektes „Raumerfinder“ des KinderKünsteZentrums erforschten Kita-Kinder mit Künstlerinnen und Künstlern unterschiedlichste Räume: Die Kita-Räume, Höhlen und sogar der Weltraum standen im Zentrum ihrer Untersuchungen. Im Ausstellungsprojekt „Unsere Stadt: Berlin!“ stand die Erkundung des Stadtraums im Fokus. Hier erlebten Berliner Vorschulkinder anhand verschiedener Orte und Bauwerke die Geschichte ihrer Stadt. Was liegt da also näher, als genau sie nun nach ihren Ideen für das künftige Berlin zu fragen?!
Die KinderKunstWerkstatt im Herbst 2020 fordert deshalb auf: „Stell dir vor… die Stadt der Zukunft!“ Was ist eigentlich eine Stadt? Wer lebt dort? Wie sehen die Häuser von morgen aus? Wie bewegen wir uns fort? Und was brauchen Kinder, um sich in ihrem Lebensumfeld wohl zu fühlen? In den mehrwöchigen Workshops fließen die Beobachtungen und Erfahrungen der Kinder mit denen der Künstlerinnen und Künstler zusammen: Was wünschen sich Kinder für ihre Stadt? Bewegt man sich in einer Stadt in den Bergen genau so fort, wie in einer Stadt unter Wasser? Wie kann man Städte grüner machen und die Natur zurückholen?

Kreative Stadtplanung, © Enia Wegmann, KinderKünsteZentrum
Mit ungewöhnlichen Sichtweisen, Materialien und Techniken werden in den Workshops Impulse gesetzt: Ein „Soundwalk“ sensibilisiert für die Geräusche der Umgebung, Kiez-Spaziergänge und das Gestalten von Stadtplänen helfen den Kindern sich zu orientieren und fördern ihre Selbstsicherheit und Mobilität. Es entsteht ein Arbeitsumfeld, das den Kindern Zeit zum Ausprobieren lässt und sie anregt, eigene Fragen und Ideen zu entwickeln, die dann wiederum in den Prozess einfließen. Das fordert viel Einfühlungsvermögen und Flexibilität von den Künstlerinnen und Künstlern.
Die in der Auseinandersetzung mit den Dingen entstandenen Objekte, Malereien und Installationen der Kinder sind in wechselnden Mitmach-Ausstellungen für Kita-Gruppen und Familien mit Kindern im KinderKünsteZentrum erlebbar. In diesem Jahr werden jedoch alle Arbeiten, die in der KinderKunstWerkstatt entstehen, Teil einer Schaufenster-Ausstellung in der Nachbarschaft rund um das KinderKünsteZentrum sein. Mit den Künstlerinnen Simone Schander und Tine Steen sowie mit dem Künstler Björn Heyn bauen Kita-Kinder futuristische Fahrzeuge, experimentieren mit Baustoffen wie Lehm oder Holz, erproben alte Handwerkstechniken und entwerfen Ideen für ein gutes Zusammenleben in der Stadt. Beteiligt sind die Kita Brüdergemeine, die Kita Mosaikraupen sowie die Kita Rixdorfer Rüpel.

Unterwegs im Kiez, © Enia Wegmann, KinderKünsteZentrum
Projekte wie diese zeigen, (Stadt-) Raum ist Erfahrungsraum und bietet auch jungen Kindern zahlreiche Anknüpfungsmöglichkeiten für die sinnlich-ästhetische Auseinandersetzung mit sich selbst und ihrer Umwelt. Wenn wir uns einlassen auf einen Perspektivwechsel und versuchen, die Stadt mit den Augen der Kinder zu sehen, bieten wir ihnen Möglichkeiten zur Identifikation: mit Geschichten, Personen, Orten – mit (Bau-) Kultur.
Melanie Rothe, KinderKünsteZentrum
KinderKünsteZentrum
Mitten im Zentrum Karl-Marx-Straße widmet sich das KinderKünsteZentrum in der Ganghoferstraße 3 der frühkindlichen kulturellen Bildung und ist dafür berlinweit als Kompetenzzentrum anerkannt. Gemeinsam mit Kita-Leitungen, Wissenschaft, Fachleuten der kulturellen Bildung und Kulturpolitik werden hier spannende Konzepte entwickelt, mit Kindern und Künstlerinnen und Künstlern fortgeführt und umgesetzt sowie dann in bunten Mitmach-Ausstellungen präsentiert.
Umbau inklusive – auf dem Weg zu einer barrierearmen Karl-Marx-Straße
Im BROADWAY #12 – 2020/21 wurde das Thema „Zusammen“ zum Leitgedanken gewählt. Die Corona-Pandemie fordert das Zusammen heraus, ganz besonders auch in Neukölln. Zusammenhalt ist nötiger denn je. Das Magazin betrachtet das „Zusammen“ aus unterschiedlichen Perspektiven, stellt gemeinsam gefundene Strategien vor, schaut auf gemeinschaftliche Projektentwicklungen im Zentrum Karl-Marx-Straße oder auf den Zusammenhalt über religiöse Grenzen hinweg.
Stand November 2020
Umbau inklusive – auf dem Weg zu einer barrierearmen Karl-Marx-Straße
Täglich bleiben Millionen Menschen von Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen. Sie können eine Straße nicht nutzen, ein Geschäft nicht erreichen, an einem U-Bahnhof nicht aussteigen, müssen Umwege gehen, viel Zeit einplanen. Sie stoßen auf Barrieren und werden dadurch oft massiv eingeschränkt, ihren Alltag „ganz normal“ zu leben.

Farbige Fahrbahnmarkierungen erhöhen die Verkehrssicherheit
„Inklusion“ bedeutet hingegen, dass kein Mensch ausgeschlossen, ausgegrenzt oder an den Rand gedrängt wid. In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, dass es Unterschiede zwischen den Menschen gibt. Diese werden respektiert. „Demokratie braucht Inklusion“ ist deshalb auch der Leitsatz des Bundesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, Jürgen Dusel. Auftrag ist es seiner Auffassung nach, auch die Stadt und Architektur lebenswert für alle zu machen. Das schließt Barrierefreiheit ein. Letztere beschreibt das „Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ (BGG) als „Zustand, in dem bauliche und sonstige Anlagen ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind.“ Vor allem der öffentliche Raum muss für alle da und entsprechend gestaltet sein. „Design for all“ ist der Leitgedanke, mit dem die barrierefreie Gestaltung der Stadt auch in Berlin gefördert wird.

Barrierefreie Karl-Marx-Straße? Das war ein wichtiges Thema im Film „Ein blinder Fleck“ der Schulworkshops der [Aktion! Karl-Marx-Straße] 2019. © Leska Ruppert, Ralph Etter
Auch das Zentrum Karl-Marx-Straße soll für alle da sein. Mit dem aktuellen Umbau der Straße werden viele bisherige physische Barrieren abgebaut. Die Baustelle bedeutet jedoch zunächst eine noch größere Einschränkung, auch wenn hier ein Mindestmaß an Barrierefreiheit gewährleistet sein muss. Eindrücklich zeigt dies auch der Film „Ein blinder Fleck“, der mit Schülerinnen und Schülern bei den Schulworkshops der [Aktion! Karl-Marx-Straße] 2019 produziert wurde (abrufbar auch unter kms-sonne.mmserver.org/zentrum/schulworkshops). „Bin ich schon alt?“, „Wann werde ich es sein?“, wird ganz am Anfang des Films gefragt – fast alle von uns werden einmal in die Lage kommen, nicht mehr so gut zu hören, zu sehen oder die Beine nicht mehr richtig heben zu können. Aber wir müssen gar nicht erst alt werden. Wenn wir einen Kinderwagen schieben oder einen schweren Koffer durch die Straßen ziehen, wir die deutsche Sprache nicht beherrschen, es laut ist, wir gestresst sind oder wir die Gegend nicht kennen, behindern viele Barrieren unseren Weg.

Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, stehen manchmal vor unüberwindbaren Hindernissen. Die Internetplattform www.wheelmap.org sammelt und zeigt in einem Stadtplan rollstuhlgerechte Orte nicht nur in Neukölln. © Andi Weiland, Sozialhelden e.V.

Wie aber wird durch den Umbau die Karl-Marx-Straße barrierefreier? Vor allem bekommt der Fuß- und Radverkehr durch den Umbau der Straße mehr Platz. Es gibt nach dem Umbau durchgehend eine Fahrradspur pro Richtung und breitere Seitenräume für den Fußverkehr. Sondernutzungen im Seitenraum, wie zum Beispiel Möbel der Gastronomie oder Werbetafeln, werden beschränkt, um die Gehwege so breit wie möglich zu lassen. Geh-, seh- und kognitiv eingeschränkte Personen erhalten neue bauliche Hilfen. Dazu gehören abgesenkte Bordsteine, kontrastreiche Straßenbeläge (Gehbahn, Unter- und Oberstreifen) und sogenannte Aufmerksamkeitsfelder an Stellen, an denen die Straße überquert werden kann. Dies hilft vor allem sehbehinderten Menschen. Es wurden zudem soweit wie möglich neue Bänke für nötige Verschnaufpausen aufgestellt. An der Bio Company wurde das Niveau des Gehwegs angeglichen und neue Aufzüge an der Kindl-Treppe und am U-Bahnhof Karl-Marx-Straße für all jene gebaut, für die das Treppensteigen schwierig ist.
Trotz all dieser Maßnahmen bleibt der Straßenquerschnitt der Karl-Marx-Straße aber begrenzt und wird immer wieder Nutzungskonflikte hervorbringen und Kompromisse nötig machen. Der vorhandene Platz reicht nicht aus für alle Interessen und alle Formen des Verkehrs. Deshalb müssen sich vor allem die schwächeren Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer auf eine breite Unterstützung der Politik, Verwaltung, aber auch private Projektentwicklungen sowie rücksichtsvolle Mitmenschen verlassen können.
Stephanie Otto, raumscript
Coworking – schöne neue Arbeitswelt?
Im BROADWAY #12 – 2020/21 wurde das Thema „Zusammen“ zum Leitgedanken gewählt. Die Corona-Pandemie fordert das Zusammen heraus, ganz besonders auch in Neukölln. Zusammenhalt ist nötiger denn je. Das Magazin betrachtet das „Zusammen“ aus unterschiedlichen Perspektiven, stellt gemeinsam gefundene Strategien vor, schaut auf gemeinschaftliche Projektentwicklungen im Zentrum Karl-Marx-Straße oder auf den Zusammenhalt über religiöse Grenzen hinweg.
Stand November 2020
Coworking – schöne neue Arbeitswelt?
In Gemeinschaft von anderen an seinem eigenen Projekt arbeiten. Das ist die Idee hinter dem Konzept „Coworking“. Mit dem Begriff wird eine neue Form der Bürostruktur beschrieben, in der Arbeitsplätze zeitlich flexibel angemietet werden können. Auch im Zentrum Karl-Marx-Straße wächst das Angebot an Flächen für das gemeinsame Arbeiten. Hier haben vor allem kommerzielle Anbieter das Modell für sich entdeckt.

Projekt „Unicorn Village“: In der Richardstraße wurde ein historisches Hofensemble im ehemaligen Böhmischen Dorf in Coworking-Büros umgewandelt, © Martin Dziuba für Unicorn Workspaces
Aufgrund immer mehr vorwiegend junger Menschen, die einer freiberuflichen oder selbstständigen Tätigkeit nachgehen, ist die Nachfrage nach „Coworking-Flächen“ in Berlin deutlich gestiegen. Allein in den letzten zehn Jahren haben sich über 100 neue Standorte in der Stadt etabliert. Hier spiegelt sich eine weltweite Entwicklung wider. Während laut der jährlich erscheinenden Coworking-Statistik des Magazins „Deskmag“ im Jahr 2015 erst 8.900 Coworking-Spaces existierten, konnten im Jahr 2020 bereits 26.300 Standorte weltweit gezählt werden. In Deutschland hat sich die Zahl der Coworking-Spaces in den letzten zwei Jahren sogar vervierfacht. Dies bestätigt eine Markterhebung des Bundesverbandes Coworking Spaces Deutschland e. V. (BVCS) aus dem Mai 2020. Demnach gibt es derzeit 1.268 Coworking-Spaces und -flächen in Deutschland. Anfang 2018 waren es nur knapp über 300.
Allerdings ist bei dieser Entwicklung auch ein deutlicher Wandel auf Seiten der Anbieterstruktur erkennbar. Waren es in der Anfangszeit eher die kleinen Ladenlokale in Szenebezirken mit max. 20 Arbeitsplätzen, haben inzwischen die großen kommerziellen Anbieter den Markt für sich entdeckt. Sie eröffnen ihre Standorte in den großen Zentrenbereichen mit bis zu 5.000 m² Arbeitsfläche. Diese Entwicklung ist mittlerweile auch im Zentrum von Neukölln erkennbar und hinsichtlich der Auswirkungen auf die Nutzungsstruktur entlang der Karl-Marx-Straße kritisch zu beobachten. Auch in Neukölln eröffneten die ersten Coworking-Büros in Ladenlokalen in kleinen Seitenstraßen wie der Weserstraße, in der zum Beispiel die Coworking-Büros Weserland und Mitosis ihre Standorte gegründet haben. Mittlerweile stößt man bei Spaziergängen durch Nord-Neukölln immer häufiger auf den Hinweis „Coworking“. Direkt an der Karl-Marx-Straße haben mehrere Standorte eröffnet oder befinden sich in Planung. So haben an der Karl-Marx-Straße 97-99 („Alte Post“) im Januar 2020 mit Spaces und Regus bereits zwei international agierende Coworking-Anbieter eröffnet, in denen neben einzelnen Arbeitsplätzen an Schreibtischen auch jeweils eigene Arbeitsräume sowie Konferenz- und Tagungsräume von Unternehmen gemietet werden können. Auch an benachbarten Standorten wie der Karl-Marx-Straße 101 (ehem. Karstadt-Schnäppchencenter) sind Büronutzungen geplant, die sich am Modell „Coworking“ orientieren. Hinzu kommen Neueröffnungen in der unmittelbaren Umgebung des Zentrenbereichs, wie das Unicorn Village in der Richardstraße im ehemaligen Böhmischen Dorf, in dem die Coworking-Büros in Dorfhäusern um einen Innenhof gruppiert sind.

Wie beim Coworking-Space „Weserland“ in der Weserstraße dienen Ladenlokale immer häufiger als Bürostandort © Jacqueline Schulz
Nach Erkenntnissen von Dr. Janet Merkel von der TU Berlin liegen derzeit kaum empirische Untersuchungen zu den Auswirkungen von Coworking-Spaces auf das umgebende Quartier vor. Bezüglich der Ansiedlung von kleineren Coworking-Spaces in Nebenstraßen können bestimmte Impulse für die Quartiersentwicklung angenommen werden. So sorgen die Mieterinnen und Mieter von Arbeitsplätzen für mehr Laufpublikum und können somit Straßen beleben. Trotzdem – oder gerade deshalb – werden Coworking-Spaces auch eine Pionierrolle in Aufwertungsprozessen von Wohngebieten zugesprochen. Die Ansiedlung von großflächigen kommerziellen Coworking-Spaces im Zentrenbereich lässt hingegen vermuten, dass hier mitunter zentrenrelevante Nutzungen, wie Handels- oder Dienstleistungsangebote, zugunsten von profitableren Coworking-Nutzungen verdrängt werden könnten – vor allem, weil diese auch immer häufiger im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss angesiedelt werden sollen. Die Vermietung hochverdichteter Büroflächen erlaubt das Abrufen von Mietkonditionen, die die quartiersüblichen Mietkonditionen für Gewerbeflächen häufig übersteigen. In der Konsequenz kann es auf Gewerbeflächen in bestimmten Lagen zur Verdrängung bisher etablierter Gewerbenutzungen kommen. Dieser Entwicklung versucht der Bezirk über die Steuerungsmöglichkeiten im sanierungsrechtlichen Genehmigungsverfahren entgegenzuwirken. Die Sanierungsziele sehen vor, dass Flächen im Zentrenbereich prioritär Versorgungsangeboten im Bereich Handel, Dienstleistungen, Kultur und Gastronomie zur Verfügung gestellt werden sollen und Büronutzungen auf allen für die Versorgungsfunktion tauglichen Flächen nachrangig zu betrachten sind. Angesichts der steigenden Zahl an Coworking-Space-Projekten stellt sich also vermehrt die Frage, inwiefern diese für das Zentrum Neuköllns und dessen Nachbarschaft zuträglich sind.

Von Außen kaum wahrnehmbar: Die Innenräume der „Alten Post“ in der Karl-Marx-Straße werden nun als Coworking-Spaces genutzt, © SPACES Alte Post
Seit Beginn der Corona-Pandemie stehen die Coworking-Spaces nun vor einer ganz neuen Herausforderung. Aufgrund der notwendigen Kontaktbeschränkungen mussten viele Coworking-Anbieter zunächst einen starken Rückgang der Arbeitsplatzvermietungen verzeichnen. Nichtsdestotrotz bietet die Krise gerade langfristig betrachtet auch Chancen für den Sektor. Viele Unternehmen mussten ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während der Corona-Pandemie ins Homeoffice schicken und konnten so feststellen, dass vielen von ihnen auch zukünftig ein flexibler Arbeitsplatz entgegenkommt. Für das Zentrum Neuköllns wird „Coworking“ ein aktuelles Thema bleiben, dessen Auswirkungen auf die Zentrenentwicklung entlang der Karl-Marx-Straße, aber auch auf die umliegenden Wohnquartiere im Rahmen des Sanierungsprozesses fortlaufend beobachtet und analysiert werden.
David Fritz, BSG mbH
Trotzdem weitermachen
Im BROADWAY #12 – 2020/21 wurde das Thema „Zusammen“ zum Leitgedanken gewählt. Die Corona-Pandemie fordert das Zusammen heraus, ganz besonders auch in Neukölln. Zusammenhalt ist nötiger denn je. Das Magazin betrachtet das „Zusammen“ aus unterschiedlichen Perspektiven, stellt gemeinsam gefundene Strategien vor, schaut auf gemeinschaftliche Projektentwicklungen im Zentrum Karl-Marx-Straße oder auf den Zusammenhalt über religiöse Grenzen hinweg.
Stand November 2020
Trotzdem weitermachen
Die Corona-Pandemie und der Lockdown im Frühjahr 2020 hat die Gewerbetreibenden und Kulturschaffenden an der Karl- Marx-Straße wie vielerorts schwer getroffen. Sie werden auch im Sinne des Leitbilds der [Aktion! Karl-Marx-Straße] „Handeln, Begegnen, Erleben“ auf eine harte Probe gestellt. Im September haben wir einige von ihnen besucht. In unseren Gesprächen ging es besonders darum, wie sie mit den Herausforderungen der letzten Monate umgegangen sind, wo sie Unterstützung gefunden haben und wie sie in die Zukunft blicken. Für die Zukunft unseres sonst so lebendigen und vielfältigen Alltags in Neukölln spielen sie alle eine wichtige Rolle.

Neuköllner Oper
Die Theaterstücke „Die Fleisch“ und „Lost (1,5m)“, die im Spätsommer und Herbst 2020 in der Neuköllner Oper, Karl-Marx-Strasse 131/133, uraufgeführt wurden, beschäftigen sich mit Isolation und sozialer Distanzierung. So, wie sie mancher während der Corona-Pandemie – vielleicht aber auch schon zuvor – erlebt haben mag.
Vieles von jenem, was Theater in der Neuköllner Oper zu einem besonderen Erlebnis macht, ist unter den aktuellen Umständen nicht möglich: der enge Körperkontakt der Darstellenden, die geringe Distanz zwischen Bühne, Publikum und lauten Blasinstrumenten. All dies verkörpert das starke Bedürfnis nach emotionaler Nähe in einer zunehmend anonymisierten Gesellschaft. Den neuen Hygieneregelungen entsprechend mussten also Stücke umgeschrieben werden, um die Botschaft durch eine andere Art der Inszenierung zu vermitteln.
Andreas Altenhof, Mitglied im Direktorium, erklärt, dass das neue Hygienekonzept, das zusammen mit dem Heimathafen entwickelt wurde, mit den kleineren Theatern der Stadt geteilt wird. Für diese sind die Umstellungen besonders kräftezehrend, weil oftmals die Ressourcen dafür fehlen. An Kreativität für neue Konzepte mangelt es in der Neuköllner Oper dank enger Teamarbeit nicht. So kamen Clara Fendel und Änne Marthe-Kühn zusammen auf die Idee für das Projekt „Save the last Kiez”: Ausschnitte aus kommenden Stücken werden in Restaurants, Kneipen und Läden im Zentrum Karl-Marx-Straße aufgeführt und online gestellt. So gibt die Neuköllner Oper denjenigen eine Bühne, die einen großen Einfluss auf das bunte Leben hier haben.

Änderungsschneiderei Bildik
Frau Bildik war trotz der pandemiebedingten Schließung häufig in ihrem Schneiderladen in der Neckarstraße 3. Hier fand sie Ablenkung durch die tägliche Routine ihrer Arbeit. Die Zeit war von viel Unsicherheit geprägt, weil die Auflagen der Behörden für die Geschäfte häufig geändert wurden und nicht immer eindeutig waren. Frau Bildik bemühte sich, über das Radio und im Austausch mit den Geschäftsnachbarn stets auf dem neuesten Stand zu sein.
Die Arbeit mit Stoffen lässt sie ihre Sorgen zumindest zeitweise vergessen. Ihr Laden ist wie ein zweites Zuhause. Seitdem Frau Bildik vor mehr als 20 Jahren nach Berlin gezogen ist, kommt sie werktags ins Geschäft, um Hosen, Röcke und Kleider den Körpern junger und alter Menschen anzupassen. Hier im Laden trifft sie zu „normalen“ Zeiten Bekannte, neue Gesichter und Familie bei einem Tee am kleinen Tisch auf dem Gehweg. Das Geschäft ist für sie Lebensunterhalt und soziales Leben zugleich.
Mit großer Sorge beobachtet sie, dass der menschliche Kontakt unter den Corona-Auflagen leidet. Vielleicht helfe es den Menschen aber auch, zu den wesentlichen Dingen des Lebens zurückzufinden und Familie und Freunde mehr wertzuschätzen. Zum Schluss zeigt Frau Bildik stolz ihre neuesten Maskenmodelle aus ausgefallenen Stoffen, wie zum Beispiel aus Spitze oder hübschen Gardinen. Auch für das Fitness-Zentrum gegenüber hat sie für alle Mitarbeitenden Masken genäht – diese allerdings ganz schlicht in schwarz.

Das KAPiTAL
Durch das schmale Fenster sieht man vom Karl-Marx-Platz 18 in einen abgedunkelten Raum. Was von außen wie eine gemütliche Kiezkneipe aussieht, ist im Inneren noch viel mehr. Hier steht nicht der Genuss alkoholischer Feierabenddrinks im Mittelpunkt, sondern vielmehr die Kunst. Genauer gesagt geht es Ismael Duá, Betreiber des KAPiTAL, und seiner Kollegin Lisan Lantin um den Austausch über Kunst zwischen Kunstschaffenden und Gästen mit den unterschiedlichsten Hintergründen.
Die Kneipe soll ein Ort sein, in dem Kunst nicht unnahbar scheint, sondern in dem vielmehr soziale Brücken geschlagen werden. Abendlich werden Künstlerinnen und Künstler eingeladen, um mit anderen über ihre Arbeit zu sprechen. Ziel sei es dabei, aus der künstlerisch akademischen Blase auszutreten und andere Perspektiven bewusst wahrzunehmen.
Die coronabedingte „Dürrephase“, wie sie Ismael Duá beschreibt, ist für die Kultur- und Kunstszene eigentlich keine Besonderheit. Die Branche lebe immer von der Hand in den Mund. Dass Kunst in Krisen nicht als system-relevant anerkannt wird, bedauert er zutiefst. Denn Kunst hilft uns, Krisen besser zu verarbeiten oder uns in andere Welten zu flüchten. Das KAPiTAL hat die erzwungene Ruhephase auch zur Renovierung seiner Räume genutzt. Das Fenster soll bald zur Straße hin geöffnet werden und die Kunst durch ein To-Go Angebot „nahbarer machen“, sie „näher an die Öffentlichkeit rücken“. So ist das offene Fenster neues Format und Metapher zugleich – und eine Aufforderung, Kunst system-relevanter einzubringen.

Blumen Jette
Der Blumenladen „Blumen Jette“ liegt in der Karl-Marx-Straße 178. Dieses Jahr feiert Frau Horn, Geschäftsinhaberin, ihr 25. Jubiläum. Sie betreibt eines der wenigen übrig gebliebenen, langjährig inhabergeführten Geschäfte in der Karl-Marx-Straße. Ihr Jubiläums-Jahr hatte sich Frau Horn allerdings ein wenig anders vorgestellt. Durch die Covid19-Pandemie musste auch Frau Horn ihr Geschäft während des Lockdowns schließen.
Mit der Wiedereröffnung Ende April erlebte sie dann, was Zusammenhalt für ihre Kundschaft bedeutet. Insbesondere ihre Stammkunden besuchten sie in dieser Zeit viel und kurbelten mit den Käufen von Blumensträußen ihr Geschäft wieder an. „Aber natürlich ist das Geld auch in vielen Haushalten knapp…“, erzählt Frau Horn, „…nicht jeder hat in diesen Zeiten Geld übrig für ein paar schöne Blumen“. Vor allem die fehlenden Einnahmen durch Veranstaltungen wie Hochzeiten, Jubiläen oder runde Geburtstage, hinterlassen Sorgen bei Frau Horn.
Aber sie will nicht aufgeben und ist sehr dankbar für die lieben Botschaften und den Zusammenhalt ihrer Kundinnen und Kunden: „Das so viele Stammkunden zu mir kamen und mich bestärkt haben, hat mich wirklich sehr gerührt!“.

Neuköllner_innen
Zur Zeit noch ein wenig verdeckt von Lagerflächen der Baustelle der Karl-Marx-Straße, befindet sich in der Weichselstraße 66 das kleine Café NEUKÖLLNER_INNEN. Das Café betreiben Mutter und Sohn in familiärer Zusammenarbeit. Der Ausbruch der Covid19-Pandemie hat die beiden hart getroffen und das zu einer Zeit, in der sie gerade ein neues Konzept für ihr kleines Geschäft erprobten. Nicht nur Kaffeespezialitäten, Sandwiches oder belgische Waffeln werden hier geboten, viel mehr liegt der Fokus auf amerikanischen Cornflakes, Chips und Softdrinks. „Viele Gäste trauten sich nicht mehr ins Geschäft, da sie Angst hatten, den Abstand nicht einhalten zu können oder die Kaffeebecher anzufassen“. Mit der springenden Idee des Sohnes kam die Wende: er legte ein Instagram-Profil für das Geschäft an und stellte Bilder der verschiedensten, sonst hauptsächlich in Amerika erhältlichen Cornflakes und Softdrinks ein. Mittlerweile hat der Instagram-Account mehr als 4.500 Abonnenten und die Jugendlichen kommen täglich ins Geschäft, um sich eine Schüssel Cornflakes zu sichern. Beide bestätigen: „Der Online-Auftritt hat uns am meisten durch die Zeit geholfen und es tat gut, sich mit den Nachbargeschäften auszutauschen. Aber viele hier schaffen es auch nicht.“ Sie sind zuversichtlich: „Uns werden die Cornflakes nicht ausgehen und wir bleiben hier!“.

Job Point Berlin
Im JOB POINT Berlin in der Neuköllner „Passage“ können sich Arbeitssuchende vor Ort über aktuelle Stellenausschreibungen informieren, Bewerbungen schreiben, ausdrucken sowie kostenlose Beratungen nutzen. „Viele unserer Kundinnen und Kunden sind auf unsere Technik und andere Hilfestellungen angewiesen“, erklärt Projektleiterin Denise Wegner. Die Schließung des JOB POINT Berlin hat es deshalb vielen Jobsuchenden schwer gemacht. Doch das Team, zu dem auch Kundenberater Serkan Aran gehört, hat schnell reagiert und viele Leistungen nicht nur digital, sondern auch einen kontaktlosen „Notdienst“ angeboten. Seit Ende Mai ist der Betrieb wieder angelaufen. Etwas hat sich seitdem geändert: Es gibt nun mehr und vor allem jüngere Arbeitssuchende. „Vor allem Schülerinnen und Schüler erkundigen sich verstärkt nach kurzfristigen Ausbildungsangeboten.“ Denise Wegner und Ihr Team versuchen, ihr Angebot stets auszubauen und anzupassen. Auch im Kiez engagieren sie sich. So war dieses Jahr wieder ein „Passagenfest“ geplant – ein Straßenfest der hier ansässigen Gewerbetreibenden und Kulturschaffenden. Die Pandemie machte einen Strich durch die Rechnung. Doch Denise Wegner bleibt dran, denn sie schätzt hier in Neukölln die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure sowie die lebendige Nachbarschaft sehr.

Neukölln Arcaden
Das „neue Normal“ beinhaltet Abstand und Mund-Nasen-Schutz. Es ist längst Alltag auch in den Neukölln Arcaden. Alles davor fühlt sich sehr weit weg an. Geschlossen waren die Neukölln Arcaden dabei nie, da auch zu Beginn der Pandemie die Angebote der Grundversorgung unverändert geöffnet waren. Im weiteren Verlauf gab es neue Verordnungen, die restlichen Shops öffneten wieder, das Schutz- und Hygienekonzept wurde immer weiter optimiert und der Austausch mit den Gästen, Miet- und Geschäftspartnern sowie den Behörden intensiviert. Diese enge Zusammenarbeit geht weiter. Denn so ein Shoppingcenter ist eine eigene kleine Welt. Hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Tag für Tag im Haus, damit alle Abläufe reibungslos funktionieren.
In Krisenzeiten, heißt es, trennt sich die Spreu vom Weizen. Der Kiez rund um die Neukölln Arcaden wäre nach diesem Sprichwort reiner Weizen! Selbst als die Sorgen besonders groß waren, war man für all jene da, denen es noch schlechter geht. Gemeinsam mit anderen Berliner Shoppingcentern des Betreiberunternehmens der Neukölln Arcaden wurde eine Lebensmittelspenden-Aktion für die Berliner Tafel e. V. ins Leben gerufen, deren Ausgabestellen wegen Corona geschlossen bleiben mussten. Der Inhalt dieser Tüten kam unter anderem von den Kundinnen und Kunden der Neukölln Arcaden. Auch Geldspenden wurden gesammelt. Es wurden Masken mit der Bitte um eine Spende für alle ausgegeben, die ihre eigene vergessen hatten. So kamen rund 5.000 Euro allein in den Neukölln Arcaden zusammen. Das macht stolz und gibt ein klein wenig Sicherheit: Was auch kommen mag, Neukölln hält zusammen und bleibt hilfsbereit!
Zusammen
Im BROADWAY #12 – 2020/21 wurde das Thema „Zusammen“ zum Leitgedanken gewählt. Die Corona-Pandemie fordert das Zusammen heraus, ganz besonders auch in Neukölln. Zusammenhalt ist nötiger denn je. Das Magazin betrachtet das „Zusammen“ aus unterschiedlichen Perspektiven, stellt gemeinsam gefundene Strategien vor, schaut auf gemeinschaftliche Projektentwicklungen im Zentrum Karl-Marx-Straße oder auf den Zusammenhalt über religiöse Grenzen hinweg.
Stand November 2020
Zusammen
So unterschiedlich die Menschen hier in Neukölln sind, so kreativ ist auch ihr Miteinander auf der Suche nach Lösungen. Dies zeigen auch die ersten Erfahrungen beim Umgang mit der Corona-Pandemie. Zusammen! – das Thema der vorliegenden 12. Ausgabe des BROADWAY möchte deshalb auch Mut machen, die kommende Zeit trotz Abstandhaltens und Kontaktbeschränkungen gemeinsam zu gestalten.
Liebe Leserinnen und Leser,
wir erleben durch die Corona-Pandemie derzeit eine beispiellose weltweite Krise, die an keinem von uns spurlos vorübergeht. Die massiven Einschränkungen für Handel, Kultur und Dienstleistungen treffen auch das Bezirkszentrum Karl-Marx-Straße hart – mit ungewissem Ausgang.

Ein neuer Alltag: Maskenpflicht auf der Karl-Marx-Straße
Für diese Ausgabe des BROADWAY hat das Redaktionsteam viele Gespräche mit Menschen im Zentrum Karl-Marx-Straße geführt. In den Porträts gleich zu Beginn formulieren die Händler*innen, Kulturschaffenden und Dienstleistenden ihre Sorgen. Überall findet sich aber auch Zuversicht, dass sich durch gegenseitige Unterstützung und die gemeinsame Arbeit an neuen Lösungen die schlimmsten Folgen abwenden lassen.
Das Eine-Welt-Zentrum auf dem ehemaligen Kindl-Gelände ist das beste Beispiel für Solidarität und die gemeinsame Arbeit an Problemen – über Grenzen hinweg. Der Neubau greift diese Ansprüche der Nutzer*innen auch architektonisch auf. Ein Zentrum der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland liegt jetzt in Neukölln.
Ebenfalls auf dem Kindl-Gelände entstehen die innovativen und gemeinwohlorientierten Bauprojekte der TRNSFRM Genossenschaft. Anders ist hier von der Organisationsstruktur über den Bauablauf und den verwendeten Materialien bis hin zur späteren Nutzung so gut wie alles – dass es trotzdem funktioniert kann man am Baufortschritt des Projekt ALLTAG neben der Kindl-Treppe ablesen.
Coworking-Spaces selbst sind im Bezirk nichts Neues mehr, aber das Angebot hat sich stark verändert – hin zu großflächiger Nutzung von Schlüsselimmobilien im Zentrenbereich, die viele Probleme mit sich bringt. Im Artikel „Schöne, neue Arbeitswelt?“ gehen wir dieser Entwicklung in Neukölln auf den Grund und beleuchten die Konsequenzen für das Zentrum Karl-Marx-Straße und die Entwicklung der umliegenden Kieze.
Den meisten Menschen fällt wahrscheinlich gar nicht auf, welche Hindernisse der öffentliche Raum für viele Menschen darstellt und was auf der anderen Seite auch alles getan wird, um den öffentlichen Raum inklusiv zu gestalten. Der Artikel „Umbau inklusive“ möchte dafür ein Bewusstsein schaffen.
Schon Kinder verstehen, was die Großstadt zur Großstadt macht – und was sie lebenswerter machen könnte. Das KinderKünsteZentrum betrachtet mit Kita-Kindern das gemeinsame Leben in der Stadt auf künstlerische Weise, von der sich vielleicht auch die „professionelle“ Planung etwas abschauen kann.
Und nicht zuletzt zeigt das Interview mit den beiden Neuköllner Geistlichen, wie der freundschaftliche interreligiöse Dialog die Menschen in diesem vielstimmigen Bezirk zusammenbringt, auch wenn das nicht immer ohne Konflikt geht.
Viel Freude beim Lesen!
Ihr Jochen Biedermann, Stadtrat für Stadtentwicklung, Soziales und Bürgerdienste
Broadway Nº 12
Im BROADWAY #12 – 2020/21 wurde das Thema „Zusammen“ zum Leitgedanken gewählt. Die Corona-Pandemie fordert das Zusammen heraus, ganz besonders auch in Neukölln. Zusammenhalt ist nötiger denn je. Das Magazin betrachtet das „Zusammen“ aus unterschiedlichen Perspektiven, stellt gemeinsam gefundene Strategien vor, schaut auf gemeinschaftliche Projektentwicklungen im Zentrum Karl-Marx-Straße oder auf den Zusammenhalt über religiöse Grenzen hinweg.
Stand November 2020
Zusammen
So unterschiedlich die Menschen hier in Neukölln sind, so kreativ ist auch ihr Miteinander auf der Suche nach Lösungen. Dies zeigen auch die ersten Erfahrungen beim Umgang mit der Corona-Pandemie. Zusammen! – das Thema der vorliegenden 12. Ausgabe des BROADWAY möchte deshalb auch Mut machen, die kommende Zeit trotz Abstandhaltens und Kontaktbeschränkungen gemeinsam zu gestalten.
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Coworking – schöne neue Arbeitswelt?
In Gemeinschaft von anderen an seinem eigenen Projekt arbeiten. Das ist die Idee hinter dem Konzept „Coworking“. Weiterlesen…

Trotzdem weitermachen
Die Corona-Pandemie und der Lockdown im Frühjahr 2020 hat die Gewerbetreibenden und Kulturschaffenden an der Karl- Marx-Straße wie vielerorts schwer getroffen. Sie werden auch im Sinne des Leitbilds der [Aktion! Karl-Marx-Straße] „Handeln, Begegnen, Erleben“ auf eine harte Probe gestellt. Weiterlesen…

Umbau inklusive – auf dem Weg zu einer barrierearmen Karl-Marx-Straße
Täglich bleiben Millionen Menschen von Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen. Sie können eine Straße nicht nutzen, ein Geschäft nicht erreichen, an einem U-Bahnhof nicht aussteigen, müssen Umwege gehen, viel Zeit einplanen. Weiterlesen…

Zusammen! Mit Kita-Kindern Stadt erleben und gestalten
„Berlin ist ganz schön groß! So viele Häuser und Straßen und S-Bahnen – und Ameisenmenschen. Und ganz da hinten, da bei den zwei Hochhäusern – da ist unsere Kita! Berlin ist so groß, dass man gar nicht sieht, wo das Ende ist.“ Weiterlesen…

Berlin Global Village: Zusammen eine große Wirkung haben
Auf dem ehemaligen Kindl-Gelände entsteht zurzeit der Neubau für einen einzigartigen Zusammenschluss von rund 40 entwicklungspolitischen und migrantischen Nichtregierungsorganisatione. Weiterlesen…
Von der Kunst, aus Vielfalt ein Mosaik zu schaffen
Die Zusammenarbeit zwischen den Religionen in Neukölln war das Thema im Gespräch mit Pfarrer Dr. Reinhard Kees und Imam Mohamed Taha Sabri. Schon lange arbeiten die beiden Geistlichen in einem guten Austausch zusammen, der viele Menschen in Neukölln zusammenbringt. Weiterlesen…

Zusammen für das Zentrum Karl-Marx-Straße
Der gemeinsame Austausch der vielen Akteure im Zentrum Karl-Marx-Straße wird durch besondere Veranstaltungsformate der [Aktion! Karl-Marx-Straße] angeregt und unterstützt. Weiterlesen…

Gemeinsam und gemeinwohlorientiert – Projektentwicklung mal anders
Auf dem Kindl-Gelände sind derzeit viele Baustellen gleichzeitig im Gange: neben der Erweiterung des „Berlin Global Village“ sind dies auch die Projekte ALLTAG und CRCLR der TRNSFRM Genossenschaft eG. Weiterlesen…
Grußwort
Dies ist ein Artikel ist aus dem KARLSON #7 – 2020, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee.
Stand Juni 2020
Grußwort
Die Corona-Pandemie hat das öffentliche Leben im Frühjahr 2020 auch im Sanierungsgebiet weitgehend zum Stillstand gebracht. Aus meinem Büro blicke ich direkt auf die Karl-Marx-Straße. So leer habe ich sie tagsüber noch nie gesehen. Doch trotz des weitgehenden Stillstands des öffentlichen Lebens sind die Arbeiten und Planungen im Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße / Sonnenallee auch in dieser Zeit glücklicherweise weitergegangen.
Wir freuen uns deshalb umso mehr, Sie in dieser mittlerweile siebten Ausgabe der Sanierungszeitung KARLSON auf eine Tour durch das Sanierungsgebiet mitnehmen zu können. Konkrete Planungszusagen sind derzeit sicherlich gewagt. Dennoch möchten wir Ihnen gleich zur Einführung in die neue Ausgabe der Zeitung einen Überblick geben, welche Maßnahmen bis zum Abschluss der Sanierung noch umgesetzt werden sollen.
Im Interview zur aktuellen Situation der Baustelle Karl-Marx-Straße erfahren Sie, was im Hintergrund immer wieder zu Herausforderungen für den Bauablauf werden kann. Die mittlerweile fertig umgebaute Donaustraße bietet besonders Fahrradfahrenden eine Alternativroute zu Sonnenallee und Karl-Marx-Straße. Nun naht der Umbau der Weserstraße auf ganzer Länge zur Fahrradstraße. Im vergangenen August gab es eine gut besuchte Veranstaltung dazu. Erfahren Sie nun, wie es mit den Planungen weitergegangen ist und wann die Umsetzung beginnen soll. Ein weiteres Vorhaben ist auch dank der vielen Anregungen aus der Bevölkerung ein gutes Stück vorangekommen: Der Wildenbruchplatz ist eine wichtige, allerdings auch etwas in die Jahre gekommene Grünfläche im Gebiet, die im nordwestlichen Bereich und in den Eingangsbereichen nun umgestaltet werden soll. Die Hinweise der Anwohner*innen haben uns ein viel besseres Gefühl dafür gegeben, was geändert werden muss und was so bleiben soll.
Dem Karl-Marx-Platz hat sich das Redaktionsteam gleich aus mehreren Perspektiven genähert. Der historische Abriss zeichnet die Entwicklung des Platzes nach und zeigt auch, wie gesellschaftliche und politische Umstände einen Ort prägen können. Das Ideal der autogerechten Stadt hat auch hier seine Spuren hinterlassen und ich bin immer wieder schockiert davon, wie verschwenderisch man in der Vergangenheit mit den Plätzen Berlins umgegangen ist. Die Planungen für eine neue Umgestaltung des Platzes sind derzeit – auch als Reaktion auf die Hinweise in der Bürgerveranstaltung vom Oktober 2019 – noch in vollem Gange. Sobald Ergebnisse vorliegen, werden diese wieder der Bevölkerung vorgestellt. Die Thomasstraße schließt sich an den Karl-Marx-Platz an. Als wichtige Wegeverbindung in Richtung Westen soll sie in den kommenden Jahren ebenfalls umgebaut werden.
Ganz wichtig war dem Redaktionsteam darüber hinaus ein grundsätzlicher Blick darauf, wie die Themen Klimaschutz und Klimawandel in der Planung und den konkreten Projekten der Stadterneuerung verankert werden können. Das Thema ist so wichtig und komplex, dass in diesem KARLSON nur eine Annäherung gelingen kann. Es ist an der Zeit, den Blick zu schärfen und jedes Vorhaben auf seine Klimafolgen zu prüfen: Die Stadt im Klimawandel kann nur durch gemeinsame Anstrengungen aller lebenswert bleiben.
Jochen Biedermann
Stadtrat für Stadtentwicklung, Soziales und Bürgerdienste
Jochen Biedermann (© Susanne Tessa Müller)
Unterstützung der Bürgerbeteiligung
Dies ist ein Artikel ist aus dem KARLSON #7 – 2020, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee.
Stand Juni 2020
Unterstützung der Bürgerbeteiligung
Nicht nur im Sanierungsgebiet
Das Bezirksamt Neukölln hat eine Koordinierungsstelle für Bürgerbeteiligung und Engagement eingerichtet, die derzeit noch im Aufbau ist. Die Internetseite der Koordinierungsstelle wird künftig eine Übersicht bieten, wie alle in Neukölln lebenden Menschen und Interessierte aktiv werden und den Bezirk mitgestalten können. Die von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen initiierten „Leitlinien für Bürgerbeteiligung“ wurden vom Berliner Senat im September 2019 beschlossen. Das Bezirksamt will mit der Einrichtung der Koordinierungsstelle nun die Umsetzung der Leitlinien für Bürgerbeteiligung im Bezirk sichern.
www.leitlinien-beteiligung.berlin.de
Neues gibt es auch zum Thema Beteiligung im Sanierungsgebiet. Da das Beteiligungsgremium Sonnenallee durch den Rücktritt des überwiegenden Teils der gewählten Mitglieder nicht mehr beschluss- und arbeitsfähig ist, soll der regelmäßige Austausch zum Geschehen im Sanierungsgebietsteil Sonnenallee jetzt in verändertem Format weiter gewährleistet werden. Nähere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite des Sanierungsgebiets:
Kinder- und Familienzentrum Karl-Marx-Straße 52
Dies ist ein Artikel ist aus dem KARLSON #7 – 2020, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee.
Stand Juni 2020
Kinder- und Familienzentrum Karl-Marx-Straße 52
Wieder auf der Tagesordnung
Schon seit vielen Jahren wird die Baulücke in der Karl-Marx-Straße 52 von einem Pächter als Parkplatz genutzt. Städtebaulich ist dieser Zustand unbefriedigend. So wurde bereits 2011 von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen sowie vom Bezirk festgelegt, hier in zentraler Lage ein Kinder- und Familienzentrum zu errichten. Dieses soll unterschiedliche Angebote für Kinder und Eltern unter einem Dach vereinen. Dieses Sanierungsziel wurde inzwischen mit einem Bebauungsplan rechtlich gesichert. Demnach soll die Baulücke mit einem bis zu sechsgeschossigen Gebäude geschlossen werden, das ausschließlich für Gemeinbedarfszwecke, also Einrichtungen für Kinder- und Familien, genutzt werden darf. Das Grundstück gehörte aber privaten Eigentümern, die zunächst andere Pläne hatten. Erst im Sommer 2019 ist es endlich gelungen, das Grundstück für das Land Berlin mit Städtebauförderungsmitteln zu erwerben.
Auf der Fläche des Parkplatzes soll ein Kinder- und Familienzentrum entstehen (© Bergsee, blau)
Dies war der Startschuss für die Wiederaufnahme der Planungen. Nachdem fast neun Jahre seit den ersten Planungen vergangen sind, musste das Jugendamt die Bedarfe noch einmal aktualisieren und prüfen. Familienzentrum und Familiencafé sowie eine Kita bleiben die zentralen Nutzungen im Gebäude. Zusätzlich soll eine Familienberatungsstelle und der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst Nord-Neukölln einziehen. Auch die Aktualisierung der 2011 erstellten Machbarkeitsstudie wird demnächst beauftragt. Damit der Bezirk Finanzierungsmittel aus der Städtebauförderung beantragen kann, müssen die voraussichtlichen Gesamtkosten und Nutzflächen des Neubaus neu ermittelt werden. Außerdem muss der Bezirk noch einen Träger und Betreiber für das Gebäude und die Einrichtungen finden. Die weiteren Planungen und der Zeitplan sollen gemeinsam mit dem künftigen Träger ausgearbeitet werden. Es wird also noch ein paar Jahre dauern, bis es mit dem Bauen losgehen kann.
Mehrzweckgebäude Elbe-Schule
Dies ist ein Artikel ist aus dem KARLSON #7 – 2020, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee.
Stand Juni 2020
Mehrzweckgebäude Elbe-Schule
Die Fertigstellung rückt näher
Anstelle des im letzten Jahr abgebrochenen eingeschossigen Hortgebäudes entsteht gerade ein zweigeschossiger Neubau. Dort finden zusätzliche Gruppenräume und vor allem eine große Aula für die Grundschule Platz. Die Aula ist zugleich ein großer Mehrzweck-Saal, in dem Veranstaltungen und Theater- oder Musikaufführungen stattfinden sollen. Im Schulalltag wird der Saal vor allem als Schulmensa genutzt werden.
Nach anfänglichen Verzögerungen durch personelle Engpässe bei den Ingenieurbüros und Schwierigkeiten mit Baufirmen macht der Neubau jetzt große Fortschritte. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, kann er Ende des Jahres von der Schule in Betrieb genommen werden. Die Räume werden dann auch dringend als Ausweichquartier gebraucht, damit der Ausbau des Dachgeschosses bzw. die Aufstockung auf dem Gebäudeflügel an der Elbestraße beginnen kann. Auch die Sanierung der Bestandsgebäude steht ab 2021 auf dem Programm.
Mehrzweckgebäude der Elbeschule soll 2020 fertiggestellt werden (© Bergsee, blau)
Ansprechpartner
Bezirksamt Neukölln
Stadtentwicklungsamt
Fachbereich Stadtplanung
Karl-Marx-Straße 83, 12040 Berlin
Tel.: 030 – 90 239 2153
stadtplanung(at)bezirksamt-neukoelln.de
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen IV C 32
Anke Heutling
Württembergische Straße 6-7, 10707 Berlin
Tel.: 030 – 90 173 4914
anke.heutling(at)senstadt.berlin.de
BSG Brandenburgische
Stadterneuerungsgesellschaft mbH
Sanierungsbeauftragte des Landes Berlin
Karl-Marx-Straße 117 , 12043 Berlin
Tel.: 030 – 685 987 71
kms(at)bsgmbh.com
Lenkungsgruppe
der [Aktion! Karl-Marx-Straße]
lenkungsgruppe(at)aktion-kms.de
Citymanagement
der [Aktion! Karl-Marx-Straße]
Richardstraße 5, 12043 Berlin
Tel.: 030 – 22 197 293
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