Herr Fink kritisiert dennoch, dass eine ursprünglich öffentliche Aufgabe zunehmend schlechter erfüllt, wenn nicht sogar ausgelagert wird. Nicht nur an Gastronomiebetriebe, die für die erhöhte Serviceleistung aufkommen müssen, sondern auch auf die Menschen vor Ort. Denn meistens sind sie diejenigen, die die Betreiberfirma auf defekte Toiletten hinweisen, da Wall immer nur sehr kurz vor Ort präsent sei. Aus seiner Sicht bräuchte es mehr Personal zur Betreuung oder eine Art Spezialtruppe, die kurzfristig für defekte Toiletten eingesetzt werden kann. Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch die Seniorenvertretung Neukölln. Deren Mitglieder haben die Erfahrung gemacht: Öffentliche Toiletten funktionieren nur dann, wenn sie mit einer Betreuung einhergehen.
Damit kommen wir zu den möglichen Lösungsansätzen. Ein überzeugender Ansatz bestünde darin, die bereits vorhandene Infrastruktur stärker mitzudenken: ähnlich wie Herr Fink es bereits mit Gastronomiebetrieben macht, könnten diese ihre Toiletten auch gegen eine Aufwandsentschädigung aus öffentlicher Hand zugänglich machen. In einigen Städten ist dieses Konzept bereits als „Nette Toilette“ bekannt. Dort werden die Kooperationspartner mittels Sticker an ihren Eingängen sowie in der „Nette Toilette“-App gekennzeichnet. Denkbar wäre zudem eine Ausweitung auf Einrichtungen wie Schwimmbäder, Hotels und Museen. Auch Hannes Rehfeldt, Bezirksstadtrat für Soziales, sieht das Berliner Toilettenkonzept in seiner aktuellen Form kritisch. Ein einheitlicher Ansatz für die gesamte Stadt greife laut ihm zu kurz, stattdessen brauche es differenziert Lösungen für die Außen- und Innenbezirke. Zudem weist er darauf hin, dass Konzepte wie „Nette Toilette“ deutlich günstiger seien als die kostenintensive Aufstellung der Berliner Toiletten. Zudem wären bei ersterem aufgrund der inkludierten Betreuung Vandalismusschäden und Fehlnutzungen seltener.