Wie können wir mit diesen Reibungen konstruktiv umgehen? Wann kann statt Konflikten Akzeptanz geschaffen werden? Wann ist es wichtig, mit klarer Haltung einzugreifen? Und wann ist es wichtig, zu moderieren?
Mit genau diesen Fragen setzt sich diese Ausgabe auseinander. Es geht nicht darum, alle Reibungen zu beseitigen, sondern unseren Blick für sie zu schärfen. Einerseits soll das Heft also dazu aufrufen, mehr Akzeptanz zu schaffen und Reibungen auszuhalten, wo es angebracht ist. Andererseits soll es dazu aufrufen, aufeinander achtzugeben, Rücksicht zu nehmen und Haltung zu zeigen. Denn auch wenn sich Reibungen in demokratischen Gesellschaften nicht vermeiden lassen, sollte ein respektvolles Miteinander stets im Vordergrund stehen.
Als Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr ist es mir wichtig, die begrenzten öffentlichen Räume so zu gestalten, dass sie möglichst vielen Menschen und ihren Bedürfnissen gerecht werden. Das bedeutet, Regeln durchzusetzen, wo sie benötigt werden, aber genauso, Toleranz zu fördern, wo Unterschiede ausgehalten werden müssen. Rücksichtnahme kann nur dann funktionieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und wenn wir bereit sind, auch die Perspektive anderer zu sehen.
Diese Ausgabe lädt dazu ein, genauer hinzusehen, zuzuhören, sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen und die eigene Position zu reflektieren. Sie macht Zielkonflikte sichtbar, ohne dabei Lösungsansätze aus dem Blick zu verlieren. Sie gibt Einblicke in die Herausforderungen des Alltags und stellt gleichzeitig engagierte Initiativen und Vereine vor, die bereits auf konstruktive Weise mit diesen Reibungen umgehen. Dazu gehört beispielsweise der Verein „Aufbruch Neukölln e. V.“ oder die „Stadtteilmütter“, aber auch die tägliche Arbeit der Bezirksverwaltung selbst. Doch auch engagierte Privatunternehmer wie „diemarktplaner“ oder soziale Träger wie die Fixpunkt gGmbH leisten wichtige Arbeit für reibungslosere Aufenthalte im Zentrum. Vor allem aber versteht dieses Heft Reibungen nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance: als Anlass zum Dialog, Veränderung und ein solidarisches Miteinander. Denn der öffentliche Raum gehört uns allen und alle sollten sich darin wohl und respektiert fühlen. Schließlich ist genau das ein fester Bestandteil demokratischer Gesellschaften: trotz unterschiedlicher Lebensweisen friedliche Umgangsformen und ein sicheres Miteinander zu gewährleisten.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre und viele neue Impulse für Ihren Blick auf unseren gemeinsamen Stadtraum.
Ihr Jochen Biedermann
Stadtrat für Stadtentwicklung,
Umwelt und Verkehr