Wenn Familien im Alltag an Grenzen stoßen, ihnen die Orientierung fehlt oder sprachliche und bürokratische Hürden zur Belastung werden, sind die Stadtteilmütter Neukölln eine wichtige Anlaufstelle. Sie begleiten Familien und Kinder auf ihrem Weg – niedrigschwellig, mehrsprachig und auf Augenhöhe. Was 2004 als Modellprojekt türkischsprachiger Frauen im Schillerkiez begann, ist inzwischen ein unverzichtbarer Bestandteil der sozialen Infrastruktur Neuköllns.
Bis heute haben mehr als 500 Frauen den halbjährigen Qualifizierungskurs zur Stadtteilmutter absolviert, rund 100 von ihnen sind derzeit aktiv. Was die Frauen eint: Sie alle haben eine Zuwanderungsgeschichte und kennen die Herausforderungen, mit denen Familien in einem neuen Umfeld konfrontiert sind. Für einige markierte die Tätigkeit zugleich den Einstieg ins Berufsleben. Damit sind die Stadtteilmütter auch Vorbilder – in ihren Familien ebenso wie für andere Frauen im Kiez.
Das Angebot der Stadtteilmütter umfasst in der Regel zehn Familienbesuche, bei denen Informationen zu den Themen Bildung, Gesundheit und Erziehung vermittelt werden. Die Arbeit der Stadtteilmütter geht jedoch weit über klassische Beratung hinaus: Sie bauen Vertrauen auf, begleiten Familien zu Einrichtungen, unterstützen bei Behördenfragen und informieren über bezirkliche Angebote. Dabei verstehen sie sich als Türöffnerinnen, Wegbegleiterinnen und Sprachrohr zwischen Familien und Institutionen.
„So gut wie die Stadtteilmütter kennt niemand Neukölln“, sagt Laura Serra Merckens, Koordinatorin für die Region „Neukölln Mitte“. Entsprechend breit ist das Netzwerk: Die Stadtteilmütter kooperieren mit Familienzentren, Kitas, Schulen und anderen Einrichtungen in den jeweiligen Kiezen. Rund um die Karl-Marx-Straße zählen dazu beispielsweise die Hermann-Boddin-Grundschule, das Medienkompetenzzentrum Neukölln und die Helene-Nathan-Bibliothek. Auch mit dem „Blueberry Inn” und dem Stadtteil-Gesundheits-Zentrum „Geko“ arbeiten sie eng zusammen. So stärken die Stadtteilmütter nicht nur Familien, sondern auch die Nachbarschaft und tragen so zu mehr Teilhabe und Zusammenhalt im Bezirk bei.
Christoph Lentwojt, raumscript