Dies ist ein Artikel ist aus dem KARLSON #12 – 2025, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee.
Stand Dezember 2025
Das Schlüsselprojekt im Sanierungsgebiet ist fertiggestellt
Im Jahr 2016 stellte ein Artikel im KARLSON die Frage „Wie sieht die Zukunft der Karl-Marx-Straße in zehn Jahren aus?“. Nun, etwa zehn Jahre später, sind die Bauarbeiten des zentralen Projekts im Sanierungsgebiet abgeschlossen und die neue Straße wurde feierlich eröffnet. Wir blicken auf eine verkehrstechnisch herausfordernde Aufgabe zurück und wagen erneut einen Blick in die Zukunft.
Am 26. September 2025 war es so weit: das Bezirksamt lud alle Interessierten, Anwohnenden, Gewerbetreibenden sowie am Umbau Beteiligten zur festlichen Eröffnung der Straße ein, um die neu gewonnene Aufenthaltsqualität im Zentrum zu feiern. Zu diesem Anlass hatten Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, den Rathausturm zu besteigen und vom 12. Stock aus einen Blick auf die „neue” Karl-Marx-Straße zu werfen. Danach eröffneten Stephan Machulik (Staatssekretär für Wohnen und Mieterschutz in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen), Martin Hikel (Bezirksbürgermeister von Neukölln) und Jochen Biedermann (Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr) gemeinsam die neu gestaltete Straße.
Neugestalteter Kreuzungsbereich Karl-Marx-Straße/Werbellinstraße
Nach den offiziellen Eröffnungsreden auf dem Rathausvorplatz wurde auf dem Alfred-Scholz-Platz bei Live-Musik bis in den Abend weitergefeiert. Hier fand die Eröffnung der Outdoor-Ausstellung statt, die spannende Ein- und Rückblicke in die Baumaßnahme bot. Zu sehen war sie ab dem Veranstaltungstag und bis in den November hinein. Zudem hatten Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, mit den Planenden in den direkten Austausch zu treten und Fragen zum Umbau zu stellen. Die Bürgerstiftung Neukölln unterstützte hierbei mit ihrem Projekt „Leicht gemacht”.
Neue Sitzmöglichkeiten am Alfred-Scholz-Platz
Der Umbau: eine Mammutaufgabe
Doch was genau ist im vergangenen Jahrzehnt in der Karl-Marx-Straße geschehen? Rund zwei Kilometer Straßenraum wurden in mehreren Bauabschnitten und bei fortlaufendem Verkehr aufwendig erneuert. Ermöglicht wurde der Umbau durch Städtebaufördermittel aus den Programmen „Stadtumbau“ und „Lebendige Zentren und Quartiere“. Zeitgleich mit der Straßenoberfläche wurden die Tunneldecke der U-Bahn-Linie U7 sowie zahlreiche Leitungen saniert. Im Prinzip wurde der gesamte Untergrund der Karl-Marx-Straße bearbeitet. Vieles, was auf der Baustelle geschah, blieb also später unsichtbar. Da es für die Erneuerung der vielen verschiedenen Leitungen – beispielsweise für Strom, Fernwärme, Wasser und Ampelanlagen – unterschiedliche Zuständigkeiten gab, mussten die einzelnen Schritte intensiv mit den zahlreichen Projektbeteiligten abgestimmt werden. Die BVG, die Stromnetz Berlin GmbH, die BEW Berliner Energie und Wärme GmbH und die Berliner Wasserbetriebe sind nur einige davon. Was die Lage der verschiedenen Leitungen im Erdreich betrifft, waren jederzeit Überraschungen möglich. Zwar wurden vor Einrichtung der Baustellenbereiche alle 70 Meter Proben vorgenommen, für die Abschnitte dazwischen konnte jedoch keine definitive Aussage getroffen werden. So wurde bei den Arbeiten zwischen Uthmann- und Briesestraße eine mehrere hundert Meter lange, stillgelegte Trinkwasserleitung aus der Vorkriegszeit gefunden. Sie musste entfernt werden, weil sie zu nah an der neuen Abdichtung für den U-Bahntunnel lag.
Eine weitere Herausforderung stellte die Tragfähigkeit des unter der Karl-Marx-Straße liegenden U-Bahntunnels dar. Da dieser die großen Standardlaster zur Asphaltverarbeitung nicht tragen konnte, mussten kleinere Lastwagen verwendet werden. Diese sind schwer verfügbar und ihr Inhalt reicht nur für circa 10 Meter Fahrbahn. Außerdem standen den Baufirmen im dicht bebauten Umfeld nur wenige Abstellmöglichkeiten für Baumaterialien beziehungsweise Flächen für die Entsorgung zur Verfügung. Daher wurde ein Grundstück am Mittelweg angemietet, um die erforderlichen Materialien anzuliefern und das zu entsorgende Material abtransportieren zu können. Durch den aufwendigen Umbau wurde jedoch sichergestellt, dass die Karl-Marx-Straße für die kommenden Jahrzehnte zukunftsfähig bleibt.
Gut markierte Fahrradwege sorgen für mehr Sicherheit
Neue Aufenthaltsqualitäten
Mehr Platz gibt es nun für Zufußgehende und Radfahrende, aber auch für Außenterrassen von Cafés und Restaurants. Außerdem wurde die Straße mit neuen, hochwertigen Bänken, Straßenleuchten und Fahrradbügeln ausgestattet. Mit dem Umbau der Karl-Marx-Straße hat sich die Aufenthaltsqualität im Zentrum und dessen Erreichbarkeit für alle Verkehrsteilnehmenden somit deutlich verbessert.
Durch die Reduzierung der Fahrbahnen auf eine Spur pro Richtung und den Wegfall von vielen Stellplätzen im Straßenraum war es möglich, beidseitig Radstreifen anzulegen und die Gehwege zu verbreitern. Wo möglich, wurden Bäume gepflanzt. Die Nachher-Aufnahme unten rechts auf der nächsten Seite veranschaulicht die Qualitätsverbesserung im Straßenraum. Die Karl-Marx-Straße ist nun klarer gegliedert und besser einsehbar. Darüber hinaus wurden an vielen Stellen Mittelinseln geschaffen, um die Straße leichter überqueren zu können. Der Künstler Detlef Mallwitz hat speziell für die Karl-Marx-Straße Poller in Form von „Wolken“ entworfen, die auf einer der Mittelinseln installiert wurden. Neben neuen Fahrradbügeln wurde auch die Straßenbeleuchtung modernisiert – ebenfalls auf dem Nachher-Foto unten rechts gut zu erkennen sind die Gehwegkandelaber des Modells „Trocadero“, die neben der Fahrbahn auch den Gehweg hell erleuchten. Außerdem wurden die beidseitig angelegten Radfahrstreifen an manchen Stellen mit einer durchgezogenen Linie markiert, die Kraftfahrzeuge nicht überfahren dürfen. Dies sorgt für mehr Sicherheit. Zudem ermöglicht der neu gebaute Aufzug der U-Bahnstation Karl-Marx-Straße nun eine barrierefreie Erreichbarkeit des Bahnsteigs.
Temporäre Outdoor-Ausstellung auf dem Alfred-Scholz-Platz
Schlüsselimmobilien
Parallel zum Umbau der Karl-Marx-Straße wurden durch private Investoren einige Gebäude mit besonderem Entwicklungspotenzial für das Neuköllner Zentrum umgebaut und wiedergenutzt. Dazu zählen beispielsweise die Alte Post und das KALLE Neukölln. Ihre Größe, Lage oder Nutzung macht sie zu prägenden Orten, die das Umfeld maßgeblich mitgestalten können. Beide Gebäude zeigen exemplarisch, wie sich ein Zentrum entwickeln kann, wenn Geschäfte, Kultur, Gastronomie, Bildung und Büros miteinander verknüpft werden. Die (öffentlich geförderte) Aufwertung der Karl-Marx-Straße und die privaten Investitionen profitieren voneinander – zugunsten eines zukunftsfähigen Zentrums.
Alfred-Scholz-Platz
Bereits 2014 wurde der Alfred-Scholz-Platz als Herzstück der Karl-Marx-Straße eröffnet. Anstelle eines befahrenen Kreuzungspunkts wurde ein neuer Stadtplatz im Zentrum geschaffen, der zum Verweilen und Austausch einlädt. Besonders von Mai bis September wird dieser mit Märkten, Informationsveranstaltungen, Kunstaktionen und Musik-Events bespielt. Was zuvor kaum als Platz wahrnehmbar war, wurde mit dem Umbau zum Mittelpunkt der Karl-Marx-Straße. Die Umgestaltung hat einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung eines attraktiven Zentrums geleistet, denn der Platz soll auch in Zukunft ein Begegnungsort für alle Menschen sein.
Blick in die Zukunft
Während der Bauzeit hatte das im Zentrum tätige Citymanagement die vom Umbau betroffenen Gewerbetreibenden begleitet und über die einzelnen Bauphasen informiert. Nach dem Abschluss der Bauarbeiten wird nun ein neues Standortmarketing initiiert, das mit Unterstützung von Gewerbetreibenden, Kulturschaffenden sowie weiteren Akteurinnen und Akteuren aus dem Zentrum entwickelt wird. Dieses soll das Zentrum Karl-Marx-Straße über Neuköllns Grenzen hinaus als zukunftsfähigen Standort sichern und bekannter machen. Die Ansiedlung vieler neuer Geschäfte und einige große Investitionen in den vergangenen Jahren sind bereits gute Indikatoren für die gestiegene Attraktivität des Standorts.
Mit Blick in die Zukunft soll die Lebendigkeit des Zentrums weiter gestärkt werden. Das bedeutet, dass die Karl-Marx-Straße ein Erlebnisraum mit großer Nutzungsvielfalt sein soll. Dazu gehört eine abwechslungsreiche Mischung aus Einzelhandelsgeschäften, Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung, Kultureinrichtungen, Gastronomiebetrieben, Gesundheitseinrichtungen und weiteren Dienstleistungen. Entscheidend ist aber auch, dass sich die Menschen gerne in der Straße und auf den anliegenden Plätzen aufhalten. Mit dem Umbau wurde ein zielgerichteter Wandel eingeläutet. Wir dürfen gespannt sein, wie wir nach weiteren zehn Jahren auf diese Entwicklungen zurückblicken werden.
Carolina Crijns
Vor und nach dem Umbau
Mit der Neugestaltung der Karl-Marx-Straße hat sich das Erscheinungsbild des Zentrums grundlegend verändert. Auf unserer Website finden sich zahlreiche Vorher-Nachher-Fotos, die die Aufwertung der Straße dokumentieren.