Anlass zum Dialog
Die 17. Ausgabe des BROADWAY Neukölln trägt den Titel „Reibungen“ und untersucht damit Konfliktfelder im Zentrum. Denn Begegnungen in vielfältigen und lebendigen Stadtgesellschaften verlaufen nicht immer reibungslos. Die dabei entstehenden Konflikte müssen jedoch nicht zwingend negativ sein, sondern können auch als Anlass zum Dialog dienen. Wie können wir Wege finden, konstruktiv mit ihnen umzugehen? Diese Ausgabe lädt dazu ein, genauer hinzusehen, zuzuhören, sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen und die eigene Position zu reflektieren. Sie gibt Einblicke in die Herausforderungen des Alltags und stellt gleichzeitig engagierte Initiativen und Vereine vor, die bereits auf konstruktive Weise mit diesen Reibungen umgehen.
Stand Juli 2026
Am Puls der Straße
Nicht jede Reibung muss zwangsläufig zu einem Konflikt führen. Sind Menschen bereit, einander zuzuhören und respektvoll zu behandeln, können Reibungen auch als Anlass zum Dialog dienen. Die hier vorgestellten Einrichtungen leisten genau das: Sie schlagen Brücken zwischen unterschiedlichen Lebensweisen, indem sie einander auf Augenhöhe begegnen, oder setzen sich für demokratische Werte ein. Damit begegnen sie Reibungen mit konkreten Lösungsansätzen.
Aufbruch Neukölln e. V.
Uthmannstraße 17
12043 Berlin
www.aufbruch-neukoelln.de
Auch weibliche Perspektiven fließen in die Selbsthilfegruppen für Väter ein (Foto: Verena Brüning)
Der Verein „Aufbruch Neukölln“ unterstützt Eltern und Jugendliche dabei, ein gewaltfreies, demokratisches und eigenverantwortliches Leben zu führen. Er bietet Menschen Beratung und Orientierung, um einen friedvolleren Lebensstil zu fördern – innerhalb der eigenen vier Wände sowie darüber hinaus. Der Verein ist vor allem für seine Selbsthilfegruppen türkischstämmiger Väter und seinen Gründer Kazım Erdoğan bekannt.
Als der Psychologe und Soziologe vor mehr als 50 Jahren nach Berlin kam, stellte er fest, dass sich vor allem Frauen für die Erziehung der Kinder verantwortlich fühlten. Dadurch wuchsen viele Kinder ohne Väter als Vorbilder auf. Zudem fühlten sich viele in der Türkei sozialisierte Männer durch Arbeitslosigkeit, neue Rollenverteilungen und zunehmende Scheidungsraten verunsichert. Da ihnen Angebote zur Unterstützung fehlten, griffen sie oft zu Gewalt, um mit diesen Unsicherheiten umzugehen. So wuchsen ihre Kinder in einer vaterlosen, perspektivlosen und aus ihrer Sicht feindlichen Gesellschaft auf. Dies äußerte sich schließlich auch in Kitas und Schulen, wo sie ein harmonisches Zusammenleben sowie einen erfolgreichen Schul- und Berufsweg verhinderten.
Genau hier setzt Kazım Erdoğan mit seiner aufsuchenden Arbeit an. Er ruft die Väter persönlich an, schenkt ihnen positive Anerkennung und lädt sie ein, vorbeizukommen. Hier wird den Männern ein geschützter Raum geboten, in dem sie sich öffnen können und gehört werden. Die Grundlage dafür ist, Vertrauen aufzubauen, indem man ihnen auf Augenhöhe und mit Empathie begegnet. Darüber hinaus bietet Erdoğan den Teilnehmenden konkrete Unterstützungshilfen, die ihnen dabei helfen, im Alltag Ruhe, Geduld und Gelassenheit zu bewahren.
Kazım Erdoğan ist international als Integrationsexperte bekannt (Foto: Verena Brüning)
Dass sein Ansatz funktioniert, lässt sich an der stetig wachsenden Anzahl von Selbsthilfegruppen ablesen – und das weit über Neukölln hinaus. In Berlin gibt es mittlerweile fünf Gruppen, im Westen Deutschlands zwei und sogar im österreichischen Bregenz eine. Zudem haben sich arabischsprachige und internationale Selbsthilfegruppen für Väter sowie eine Selbsthilfegruppe für Mütter gebildet. Doch auch auf individueller Ebene zeigt sich, dass Erdoğans Arbeit Früchte trägt. Menschen bedanken sich regelmäßig bei ihm für seine wertvolle Arbeit, bringen ihm Geschenke mit und erzählen ihm, welche nachhaltige Wirkung seine Arbeit auf sie hat.
Es gibt allerdings auch Herausforderungen, die einen friedlichen Umgang miteinander erschweren. Eine zunehmende Hürde ist beispielsweise, dass Menschen heute weniger miteinander ins Gespräch kommen. Dabei ist Kommunikation nicht nur für den Zusammenhalt von Familien, sondern auch für den von Gesellschaften ausschlaggebend. Was ihn über die aktuelle Kommunikationslosigkeit hinaus außerdem stört, ist das defizitorientierte Denken und Handeln. Meistens würden Menschen gleich vom Schlimmsten ausgehen. Erdoğan zufolge ist der erste Schritt zum Erfolg jedoch, an ihn zu glauben. Von dort aus könne man täglich „kleine Brötchen backen“. Zudem wünscht er sich, dass viel mehr positive Erfolgsgeschichten erzählt werden – gerade, wenn es um Neukölln geht. Wir erzählen hiermit zumindest eine davon: die von Kazım Erdoğan.
Carolina Crijns, raumscript
Stadtteilmütter Neukölln
Andreasbergerstraße 13
12347 Berlin
www.diakoniewerk-simeon.de
Frisch qualifizierte Stadtteilmütter vor dem Rathaus Neukölln (Foto: Diakoniewerk Simeon gGmbH)
Wenn Familien im Alltag an Grenzen stoßen, ihnen die Orientierung fehlt oder sprachliche und bürokratische Hürden zur Belastung werden, sind die Stadtteilmütter Neukölln eine wichtige Anlaufstelle. Sie begleiten Familien und Kinder auf ihrem Weg – niedrigschwellig, mehrsprachig und auf Augenhöhe. Was 2004 als Modellprojekt türkischsprachiger Frauen im Schillerkiez begann, ist inzwischen ein unverzichtbarer Bestandteil der sozialen Infrastruktur Neuköllns.
Bis heute haben mehr als 500 Frauen den halbjährigen Qualifizierungskurs zur Stadtteilmutter absolviert, rund 100 von ihnen sind derzeit aktiv. Was die Frauen eint: Sie alle haben eine Zuwanderungsgeschichte und kennen die Herausforderungen, mit denen Familien in einem neuen Umfeld konfrontiert sind. Für einige markierte die Tätigkeit zugleich den Einstieg ins Berufsleben. Damit sind die Stadtteilmütter auch Vorbilder – in ihren Familien ebenso wie für andere Frauen im Kiez.
Das Angebot der Stadtteilmütter umfasst in der Regel zehn Familienbesuche, bei denen Informationen zu den Themen Bildung, Gesundheit und Erziehung vermittelt werden. Die Arbeit der Stadtteilmütter geht jedoch weit über klassische Beratung hinaus: Sie bauen Vertrauen auf, begleiten Familien zu Einrichtungen, unterstützen bei Behördenfragen und informieren über bezirkliche Angebote. Dabei verstehen sie sich als Türöffnerinnen, Wegbegleiterinnen und Sprachrohr zwischen Familien und Institutionen.
„So gut wie die Stadtteilmütter kennt niemand Neukölln“, sagt Laura Serra Merckens, Koordinatorin für die Region „Neukölln Mitte“. Entsprechend breit ist das Netzwerk: Die Stadtteilmütter kooperieren mit Familienzentren, Kitas, Schulen und anderen Einrichtungen in den jeweiligen Kiezen. Rund um die Karl-Marx-Straße zählen dazu beispielsweise die Hermann-Boddin-Grundschule, das Medienkompetenzzentrum Neukölln und die Helene-Nathan-Bibliothek. Auch mit dem „Blueberry Inn” und dem Stadtteil-Gesundheits-Zentrum „Geko“ arbeiten sie eng zusammen. So stärken die Stadtteilmütter nicht nur Familien, sondern auch die Nachbarschaft und tragen so zu mehr Teilhabe und Zusammenhalt im Bezirk bei.
Christoph Lentwojt, raumscript
Galerie Olga Benario,
Die Biografische Bibliothek
Richardstraße 104
12043 Berlin
www.galerieolgabenario.de
www.biobib.info
Die Galerie Olga Benario lädt zum Hineinspazieren und Mitdiskutieren ein (Foto: Galerie Olga Benario)
Zwischen Ausstellungen, Lesungen und politischen Debatten hat sich die „Galerie Olga Benario“ als bedeutender Anker des kulturellen Lebens in Neukölln etabliert. Sie versteht sich nicht als klassische „Galerie“, sondern als offenes Forum für Austausch und Erinnerungskultur. Im Mittelpunkt stehen gesellschaftliche Fragen, historische Themen sowie lokale und internationale politische Entwicklungen. Dabei positioniert sie sich klar gegen Neofaschismus, Rassismus, Sexismus und Imperialismus.
Die Galerie wurde 1984 in Neukölln gegründet und trägt den Namen der antifaschistischen Widerstandskämpferin Olga Benario, die von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Seit 2001 befindet sie sich in der Richardstraße. Regelmäßig finden hier Ausstellungen, Lesungen und Veranstaltungen statt, die Raum für Begegnung und den Austausch über politische Themen eröffnen. Gezeigt werden zudem Fotografien, Dokumente und künstlerische Arbeiten, die historische Ereignisse mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten verbinden.
Getragen wird das Projekt von ehrenamtlichem Engagement und einem Netzwerk von Menschen, die sich für politische Bildung und kulturellen Austausch im Kiez einsetzen. Im Rahmen der Lesereihe „LAUT LESEN!“ der Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus setzt sich die Galerie gemeinsam mit anderen Einrichtungen im Bezirk für Offenheit und demokratische Kultur ein.
Direkt nebenan befindet sich die „Biografische Bibliothek“. Das Antiquariat verfügt über ein breites Angebot an biografischen Romanen, Tagebüchern, Memoiren, Briefen und vielem mehr – und lädt dazu ein, Geschichte über persönliche Erfahrungen neu zu entdecken.
Christoph Lentwojt, raumscript
Leben auf der Straße
Die 17. Ausgabe des BROADWAY Neukölln trägt den Titel „Reibungen“ und untersucht damit Konfliktfelder im Zentrum. Denn Begegnungen in vielfältigen und lebendigen Stadtgesellschaften verlaufen nicht immer reibungslos. Die dabei entstehenden Konflikte müssen jedoch nicht zwingend negativ sein, sondern können auch als Anlass zum Dialog dienen. Wie können wir Wege finden, konstruktiv mit ihnen umzugehen? Diese Ausgabe lädt dazu ein, genauer hinzusehen, zuzuhören, sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen und die eigene Position zu reflektieren. Sie gibt Einblicke in die Herausforderungen des Alltags und stellt gleichzeitig engagierte Initiativen und Vereine vor, die bereits auf konstruktive Weise mit diesen Reibungen umgehen.
Stand Juli 2026
Leben auf der Straße
Steigende Lebenshaltungskosten, schwindende Begegnungsräume und schrumpfende private Rückzugsorte setzen den öffentlichen Raum zunehmend unter Druck. Er muss damit nicht nur immer mehr Menschen gerecht werden, sondern auch immer mehr Aufgaben erfüllen – für manche sogar einen Lebensraum. Das kann zu erhöhten Nutzungskonflikten führen, insbesondere in ohnehin schon einwohnerstarken Gegenden wie dem Zentrum Karl-Marx-Straße.
Auch wenn hinter jeder obdachlosen Person eine sehr individuelle Lebensgeschichte steckt, sind die Gründe dafür überwiegend strukturell. Die Arbeit des Bezirks und sozialer Träger bewegt sich deshalb oftmals im Bereich der Symptombekämpfung. Dennoch leisten sie wichtige Arbeit, ohne die die Situation deutlich dramatischer wäre.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Amt für Soziales. Dieses ist gemäß dem Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetz (ASOG) dazu verpflichtet, Menschen in akuten Notlagen ordnungsrechtlich unterzubringen. Die sogenannten ASOG-Unterkünfte bieten eine temporäre Unterbringung, teilweise in Verbindung mit sozialarbeiterischer Begleitung.
Der öffentliche Raum als Lebensraum (Foto: Bergsee, blau)
Zwar ermöglichen diese ein eigenständiges Kommen und Gehen, doch nehmen nicht alle Betroffenen dieses Angebot an. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Meistens stehen nur Mehrbettzimmer zur Verfügung, die von manchen als Einschränkung der Privatsphäre oder als unsicher empfunden werden. Ein Besitz- und Konsumverbot von Substanzen kann wiederum für Menschen mit Abhängigkeit ein Ausschlusskriterium darstellen. Hinzu kommt, dass Unterbringungen grundsätzlich berlinweit erfolgen, wodurch die Betroffenen aus ihrem sozialen Umfeld gerissen werden können.
Um ein zusätzliches Angebot zu schaffen, hat der Bezirk vor zwei Jahren sogenannte „Safe Places“ eingerichtet. Hierbei handelt es sich um kleine Wohnboxen, die rund um die Uhr nutzbar sind und einen geschützten privaten Rückzugsort bieten. Obwohl diese Unterkünfte über kein fließendes Wasser verfügen, ist diese Lösung für manche dennoch attraktiver. Die beiden Obdachlosen, die sich beispielsweise vor einigen Jahren vor dem ehemaligen C&A-Gebäude im Zentrum einquartiert hatten, konnten mit diesem Angebot von der Straße geholt werden. Plätze in den ASOG-Einrichtungen hatten sie zuvor mehrmals abgelehnt. Doch leider ist auch das keine langfristige oder flächendeckende Lösung. In Zentrumsnähe, in der Hertzbergstraße, stehen bislang sechs Plätze zur Verfügung.
Die „Safe Places“ in der Hertzbergstraße (Foto: Bezirksamt Neukölln)
Wohnungslosigkeit ist bei obdachlosen Menschen allerdings selten das einzige Problem. Häufig kommen psychische Belastungen, körperliche Beschwerden oder Suchterkrankungen hinzu. Gerade aufgrund der sehr belastenden und gleichzeitig sehr individuellen Problemlagen spielt die aufsuchende Sozialarbeit, wie beispielsweise die der Fixpunkt gGmbH, eine oftmals überlebenswichtige Rolle. Der gemeinnützige Träger wird vom Bezirksamt finanziert und bietet vor allem niedrigschwellige Suchthilfe und Unterstützung bei der Alltagsstrukturierung an.
Eine Möglichkeit, um Menschen wieder an Strukturen heranzuführen, können niederschwellige Beschäftigungsangebote sein. Zu diesen zählt auch das „Peer Projekt“, bei dem Sozialarbeitende und Menschen mit Substanzerfahrung in Neukölln gemeinsam gebrauchte Spritzen einsammeln. Neben einer Tagesstruktur ermöglicht die Tätigkeit kleine legale Einkommen und verbessert gleichzeitig die Sicherheit im öffentlichen Raum. Das Bezirksamt Neukölln baut dieses Angebot ab 2026 erheblich aus. Eine Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen könnte zudem einen gesellschaftlichen Austausch ermöglichen, der zum Abbau von Vorurteilen beitragen kann. Denn bei vielen Menschen löst bereits die alleinige Anwesenheit von Obdachlosen ein Unwohlsein oder Sicherheitsbedenken aus. Dabei sind es gerade obdachlose Menschen, die am häufigsten Opfer von Überfällen und Übergriffen werden.
Die Wohnboxen bieten einen geschützten privaten Rückzugsort (Foto: My Way Soziale Dienste)
Neben dem meistgenannten Wunsch, von der Straße zu kommen, wünschen sich Obdachlose laut Sozialarbeiterin Jana Blomberg ein Mindestmaß an Respekt. Oftmals würde ihnen bereits ein Lächeln genügen, um das Gefühl zu haben, weiterhin Teil der Gesellschaft zu sein. Aus diesem Grund wünscht sich ihr Kollege Marco Hampel für die Zukunft auch Begegnungsräume, in denen Menschen mit und ohne Obdach miteinander ins Gespräch kommen könnten.
Klar ist jedoch auch, dass zur Bekämpfung von Obdachlosigkeit in erster Linie mehr strukturelle Maßnahmen benötigt werden. Bezirksstadtrat für Soziales, Hannes Rehfeldt, würde sich beispielsweise Tagesaufenthalte mit Duschmöglichkeiten sowie mehr geschützte Konsumräume wünschen. Das würde zudem auch die öffentlichen Toiletten entlasten. Gleichzeitig leiden natürlich auch Wohnungslose unter nicht nutzbaren Toiletten. Trotz des strukturellen Versorgungsmangels widerspricht Rehfeldt allerdings dem gesellschaftlichen Grundtenor, der Staat würde sich existenziell zurückziehen. Er beobachtet weiterhin eine große Bereitschaft von Menschen, die sich für bessere Lebensverhältnisse einsetzen – nicht nur ehrenamtlich, sondern auch auf Seiten der Ämter.
Carolina Crijns, raumscript
Wem gehört die Straße?
Die 17. Ausgabe des BROADWAY Neukölln trägt den Titel „Reibungen“ und untersucht damit Konfliktfelder im Zentrum. Denn Begegnungen in vielfältigen und lebendigen Stadtgesellschaften verlaufen nicht immer reibungslos. Die dabei entstehenden Konflikte müssen jedoch nicht zwingend negativ sein, sondern können auch als Anlass zum Dialog dienen. Wie können wir Wege finden, konstruktiv mit ihnen umzugehen? Diese Ausgabe lädt dazu ein, genauer hinzusehen, zuzuhören, sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen und die eigene Position zu reflektieren. Sie gibt Einblicke in die Herausforderungen des Alltags und stellt gleichzeitig engagierte Initiativen und Vereine vor, die bereits auf konstruktive Weise mit diesen Reibungen umgehen.
Stand Juli 2026
Wem gehört die Straße?
Steffen Burger arbeitet im Straßen- und Grünflächenamt Neukölln mit Schwerpunkt Radverkehr und lebt seit fast 20 Jahren im Norden des Bezirks. Als Fachplaner und Anwohner kennt er die Karl-Marx-Straße aus zwei Perspektiven – und erlebt die Konflikte im Straßenraum täglich. Im Gespräch beschreibt er, warum sie sich hier besonders zuspitzen, welche Rolle das private Auto dabei spielt – und was sich ändern müsste, damit die Straße für alle besser funktioniert.
Herr Burger, was für Konflikte erleben Sie rund um die Karl-Marx-Straße und was für eine Rolle spielt Falschparken dabei?
Ich bin die Karl-Marx-Straße eigentlich noch nie mit dem Fahrrad entlanggefahren, ohne dass ein PKW oder ein Lieferwagen auf dem Radstreifen stand. Auch nachts noch nie. Das ist das häufigste Ärgernis. Dadurch weichen Radfahrende auf die Fahrbahn aus, was neue Konflikte erzeugt. Wichtig zu erwähnen ist: Es gibt eigentlich ausreichend Ladezonen. Dort stehen jedoch häufig keine Lieferfahrzeuge, sondern private Pkw.
Nicht nur Halteverbote, sondern auch Absperrungen werden oftmals ignoriert (Foto: Frieder Salm)
Und warum ist die Situation gerade hier so angespannt?
Obwohl wir auf der Karl-Marx-Straße direkt die U7 haben und es einen neuen Radfahrstreifen gibt, steigen bislang zu wenige auf andere Verkehrsmittel um. Deswegen entsteht immer noch sehr viel Stau durch private Autos. Das liegt vielleicht daran, dass einerseits viele Menschen von weiter außerhalb kommen und die Alternativen dort eben schlechter sind. Andererseits nutzen viele die Karl-Marx-Straße nur als Durchgangsroute. Schließlich ist die Bevölkerungsdichte hier in Nord-Neukölln enorm hoch und viele Menschen kommen auf wenig Straßenraum zusammen.
Also haben wir auf der Karl-Marx-Straße ein Platzproblem?
Das Erste, was man sehen muss, ist, dass ein Auto eine sehr bequeme Art ist, um viele verschiedene Sachen zu erledigen. Das Problem ist allerdings: Je mehr Menschen das machen, desto schlechter funktioniert das System. Vor einem klassischen Mehrfamilienhaus können zwei, vielleicht drei Autos parken und schon ist die Straße voll. Das heißt, eigentlich sollten nur die wenigen mit dem Auto fahren, die wirklich darauf angewiesen sind. Sobald das mehr tun, muss man anfangen, über verschiedene Maßnahmen zu steuern. Einerseits kann man alternative Verkehrsangebote ausbauen, andererseits aber auch das Autofahren an sich unattraktiver machen, zum Beispiel durch weniger Parkplätze.
Blockierte Ladezonen zwingen Lieferfahrzeuge häufig dazu, auf Fahrradstreifen zu halten (Foto: Susanne Tessa Müller)
Eine dieser Maßnahmen ist die Parkraumbewirtschaftung. Diese gibt es seit Anfang Dezember im Rollbergkiez, die Karl-Marx-Straße ist zwischen Flughafenstraße und Karl-Marx-Platz auch Teil davon. Zeigen sich Verbesserungen?
Mit der Einführung ist sofort aufgefallen, dass plötzlich ganz viele Parkplätze frei waren. Die Falschparkenden waren größtenteils weg. Das hat sich aber im Laufe der Zeit relativ schnell wieder zum jetzt eigentlich vorherigen Zustand geändert. Das kann ich mir auch nur mit dem zu geringen Kontrolldruck erklären. Viele merken, wenn sie hier den ganzen Tag stehen, haben sie trotzdem vielleicht keinen Strafzettel. Und wenn doch, kostet es zu wenig. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann wäre das wahrscheinlich eine Anpassung der Bußgelder auf europäisches Niveau. Und mehr Ressourcen für das Ordnungsamt.
Beförderungskapazität verschiedener Verkehrsmittel: pro Kopf nimmt das Auto am meisten Platz im Straßenverkehr ein (Quelle: TUMI, Passenger capacity of different transport modes, 2021)
Wem gehört der Straßenraum – und welche Konflikte müssen wir aushalten?
Die Straße gehört allen, die sie nutzen möchten und müssen. Entscheidend ist aber, dass man die gegenseitige Rücksicht als oberstes Gebot nimmt. Wenn man etwa bei einem Umzug kurz ungünstig halten muss, sollte das so rücksichtsvoll wie möglich passieren. Es gibt Menschen, die versuchen, möglichst wenig zu stören – und andere, denen es egal ist. Letzteres muss man nicht einfach hinnehmen. Wer sich trotz Regelverstoß rücksichtsvoll verhält, entschärft Konflikte – und das kann man dann auch eher akzeptieren. Letztlich ist es auch wichtig, an die zu denken, die wir oft nicht sehen: Menschen mit eingeschränkter Mobilität und die, die sich nicht mehr raustrauen, weil sie schlichtweg Angst haben, angefahren zu werden. Wenn sie sich sicher im Straßenraum bewegen können, profitieren letztlich alle.
Tobias Thiemann, BSG
Kleiner Müll, große Reibungsflächen
Die 17. Ausgabe des BROADWAY Neukölln trägt den Titel „Reibungen“ und untersucht damit Konfliktfelder im Zentrum. Denn Begegnungen in vielfältigen und lebendigen Stadtgesellschaften verlaufen nicht immer reibungslos. Die dabei entstehenden Konflikte müssen jedoch nicht zwingend negativ sein, sondern können auch als Anlass zum Dialog dienen. Wie können wir Wege finden, konstruktiv mit ihnen umzugehen? Diese Ausgabe lädt dazu ein, genauer hinzusehen, zuzuhören, sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen und die eigene Position zu reflektieren. Sie gibt Einblicke in die Herausforderungen des Alltags und stellt gleichzeitig engagierte Initiativen und Vereine vor, die bereits auf konstruktive Weise mit diesen Reibungen umgehen.
Stand Juli 2026
Kleiner Müll, große Reibungsflächen
Nord-Neukölln ist eigentlich ein Ort der Begegnung: Menschen kaufen ein, treffen sich, gehen aus oder essen gemeinsam. Doch wo viele Menschen unterwegs sind, entsteht auch viel Müll. Im Zentrum Karl-Marx-Straße prägt besonders sogenannter „Kleinstmüll“ das Straßenbild: Verpackungen, Essensreste, Zigaretten oder Einwegbecher landen oft nicht im Mülleimer, sondern auf dem Boden oder in Fahrradkörben. Hinzu kommen Sperrmüll, Baustellenreste oder überfüllte Mülleimer.
Die Berliner Stadtreinigung (BSR) bestätigt selbst, dass die Karl-Marx-Straße einen „sehr hohen Verschmutzungsgrad“ aufweist. Gleichzeitig gehört sie mit der Reinigungsklasse 1a zur höchsten Reinigungskategorie Berlins. Diese Kategorie gilt vor allem für stark genutzte Einkaufsstraßen, touristische Orte und besonders belebte Zentren. Laut BSR wird hier in der Regel zehnmal pro Woche gereinigt – teilweise bis 22 Uhr und auch am Wochenende. Gleichzeitig fallen hier auch die höchsten Reinigungsgebühren an. Neben Kehrmaschinen sind regelmäßig auch Handreinigerinnen und Handreiniger unterwegs, außerdem werden die Papierkörbe mehrfach täglich geleert.
Im Zentrum Karl-Marx-Straße ist vor allem Kleinmüll ein Problem, bisweilen auch gleich in größeren Mengen (Foto: IMAGO – Citymanagement)
Trotzdem bleibt bei vielen Menschen das Gefühl: Es reicht nicht. Genau darüber wurde zuletzt auch im Tourismusbeirat Neukölln diskutiert. Kritisiert wurden unter anderem verschmutzte Bushaltestellen, fehlende Reinigung zwischen Fahrradständern oder mangelnde Kontrollen. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Was „gereinigt“ bedeutet, wird oft unterschiedlich verstanden. Ein aktueller Tagesspiegel-Artikel vom März 2026 beschreibt, dass bei der BSR nicht immer eine komplette Grundreinigung gemeint ist. Reinigung kann laut BSR auch bedeuten, nur Mülleimer zu leeren, Müll aufzusammeln oder einzelne Bereiche zu kontrollieren. Für viele Anwohnende entsteht dadurch eine Lücke zwischen offizieller Reinigungsklasse und dem tatsächlichen Eindruck auf der Straße.
Der Bezirk Neukölln versucht jedoch inzwischen, stärker gegen Müll vorzugehen. Laut einem weiteren Tagesspiegel-Bericht vom April 2026 wurden allein im vergangenen Jahr Bußgelder in Höhe von über 92.000 Euro gegen illegale Müllablagerungen verhängt. Gleichzeitig soll die sogenannte „Soko Müll“ personell erweitert werden.
Motiv aus der Plakatkampagne von „Null Müll Neukölln“
Ein Grund für die schwierige Situation ist auch die besondere Nutzung des Zentrums. Wo viele Menschen auf engem Raum leben, essen, feiern und einkaufen, entstehen andere Mengen an Müll als in ruhigeren Wohngebieten. Vor allem Verpackungsmüll von Imbissen und To-go-Angeboten spielt dabei eine große Rolle. Gleichzeitig stehen viele kleine Gewerbebetriebe unter wirtschaftlichem Druck. Nicht alle haben Platz oder Ressourcen für eigene Mülllösungen oder Mehrwegsysteme. Auch das Mehrweggesetz wird laut Bezirk häufig nicht ausreichend umgesetzt.
Müll ist deshalb längst nicht nur ein Reinigungsproblem. Es geht auch um Verhalten im öffentlichen Raum. In Gesprächen mit der BSR berichten selbst engagierte Anwohnende davon, dass Menschen aggressiv reagieren, wenn sie auf weggeworfenen Müll angesprochen werden. Gleichzeitig wächst bei vielen Menschen das Gefühl, dass sich etwas verändern muss – nicht nur durch mehr Reinigung, sondern auch durch mehr Verantwortung und ein anderes Bewusstsein für den gemeinsamen Stadtraum.
Die Soko Müll soll illegalen Müllablagerungen auf den Grund gehen (Foto: Bezirksamt Neukölln)
Bereits seit vielen Jahren versucht Neukölln deshalb mit verschiedenen Kampagnen gegenzusteuern. Vielen ist noch die Aktion „Schön wie wir“ bekannt, mit der der Bezirk für mehr Stadtsauberkeit und gemeinschaftliches Engagement geworben hat. Inzwischen wird dieser Ansatz mit der neuen Kampagne „Null Müll Neukölln“ weiterentwickelt. Dort geht es stärker um Müllvermeidung und nachhaltigen Konsum: Mehrweg statt Einweg, Reparieren statt Wegwerfen oder Tauschen statt Neukaufen. Auch die Kieztage der BSR, bei denen Sperrmüll kostenlos abgegeben werden kann, werden von vielen Nachbarschaften positiv aufgenommen. Gleichzeitig engagieren sich immer mehr Menschen bei Kiezputz- oder lokalen Clean-up-Aktionen.
Klar ist aber auch: Das Problem lässt sich nicht allein mit mehr Reinigung lösen. Neukölln wächst, der öffentliche Raum ist stark genutzt und wird immer anonymer. Es braucht bessere Entsorgungsmöglichkeiten, mehr Aufklärung, funktionierende Mehrwegsysteme und langfristige Strategien. Es braucht aber auch Menschen, die ihren Kiez als gemeinsamen Raum verstehen. Denn bereits ein BROADWAY-Artikel aus der Ausgabe 11 hat darauf hingewiesen: „Je unpersönlicher die Nachbarschaft und je höher die Fluktuation bei Bewohnenden und Gewerbetreibenden, desto weniger fühlen sie sich zuständig, selbst tätig zu werden.“
Tina Steinke, Citymanagement
Der Toilettengang – eine öffentliche Angelegenheit
Die 17. Ausgabe des BROADWAY Neukölln trägt den Titel „Reibungen“ und untersucht damit Konfliktfelder im Zentrum. Denn Begegnungen in vielfältigen und lebendigen Stadtgesellschaften verlaufen nicht immer reibungslos. Die dabei entstehenden Konflikte müssen jedoch nicht zwingend negativ sein, sondern können auch als Anlass zum Dialog dienen. Wie können wir Wege finden, konstruktiv mit ihnen umzugehen? Diese Ausgabe lädt dazu ein, genauer hinzusehen, zuzuhören, sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen und die eigene Position zu reflektieren. Sie gibt Einblicke in die Herausforderungen des Alltags und stellt gleichzeitig engagierte Initiativen und Vereine vor, die bereits auf konstruktive Weise mit diesen Reibungen umgehen.
Stand Juli 2026
Der Toilettengang – eine öffentliche Angelegenheit
Öffentliche Toiletten sind wahrscheinlich nicht das Erste, was einem in den Sinn kommt, wenn man an das gesellschaftliche Zusammenleben denkt. Dabei sind sie in einer lebenswerten Stadt unerlässlich, da sie die Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglichen. Doch gerade weil der Zustand beziehungsweise das Fehlen dieser Orte in Berlin oft zu Frust und zu Reibungen führt, werden sie von vielen Menschen zumeist gemieden oder gar nicht erst in Erwägung gezogen. Am Beispiel „öffentliche Toilette“ wird deutlich, dass Reibung auch durch das Fehlen von Angeboten verursacht werden kann.
Wie sich dieses Thema im und um das Zentrum Karl-Marx-Straße verhält, lässt sich besonders gut aus Sicht der Marktplanenden veranschaulichen. Da Märkte mehrere Stunden lang im öffentlichen Raum stattfinden, sind die Marktteilnehmenden auf eine funktionsfähige und nutzbare Toilette angewiesen. Dazu zählen nicht nur die Besucherinnen und Besucher, sondern insbesondere auch die Händlerinnen und Händler, die im Laufe des Marktbetriebs zwangsläufig eine Toilette benötigen. Nikolaus Fink ist mit seiner Firma „diemarktplaner“ daher regelmäßig mit Herausforderungen im Bereich der sanitären Versorgung konfrontiert und kann entsprechend zahlreiche „Toilettengeschichten“ erzählen. Diese Erfahrungen haben ihn dazu veranlasst, schon vor Jahren ein eigenes Toilettenkonzept zu entwickeln. Dieses lautet wie folgt: Überall dort, wo eine öffentliche Toilette der Betreiberfirma „Wall“, die sogenannte „Berliner Toilette“, vor Ort vorhanden ist, wird versucht, diese sinnvoll zu nutzen. Das trifft in Zentrumsnähe beispielsweise auf den Markt am Hermannplatz zu. Leider sind diese Einrichtungen jedoch oft defekt, stark verunreinigt oder über längere Zeiträume belegt. In der Regel sind es die Marktbetreibenden selbst, die die Toiletten vor dem Marktgeschehen in einen zumutbaren Zustand bringen beziehungsweise die Firma Wall darum bitten.
Die Berliner Toilette am Alfred-Scholz-Platz (Foto: Bergsee, blau)
An Orten ohne öffentliche Toiletten wurden früher mobile Toilettenkabinen tagesaktuell bereitgestellt. Aufgrund struktureller Veränderungen beim Anbieter war es jedoch nicht mehr möglich, diese täglich, sondern nur noch wöchentlich zu reinigen. Da die Toilettenkabinen somit dauerhaft unbeaufsichtigt im öffentlichen Raum hätten verbleiben müssen, musste von dieser Option schließlich abgesehen werden. Auch der Einsatz von Vorhängeschlössern erwies sich in der Vergangenheit aufgrund von Vandalismus als nicht wirksam. Herr Fink gibt allerdings zu bedenken, dass sowohl die Berliner Toiletten als auch die mobilen Toilettenkabinen von Frauen ohnehin kaum genutzt werden. Sie weichen eher auf Cafés oder andere Möglichkeiten aus.
Auf der Suche nach Alternativen investierte Herr Fink schließlich in einen eigenen WC-Anhänger mit Frischwasseranschluss und Abwasserleitung. Doch diese logistisch aufwendige Lösung funktioniert nur dort, wo Wasseranschluss und Kanalisation unmittelbar nebeneinander liegen. Von den insgesamt 12 Märkten, die sein Unternehmen betreibt, ist das nur am Maybachufer und am Südstern der Fall. Im Übrigen ist das auch einer der Gründe, weshalb sich Berliner Toiletten nicht überall aufstellen ließen.
Zumutbare Toiletten würden die Aufenthaltsdauer bei Märkten verlängern (Foto: Benjamin Pritzkuleit)
Als letzte, aber innovative Möglichkeit nennen diemarktplaner die Kooperation mit anliegenden Gastronomiebetrieben. Ein Lösungsansatz ist beispielsweise, Verträge mit Café-Inhabenden abzuschließen, die gegen eine finanzielle Aufwandsentschädigung den Marktteilnehmenden Zugang zu ihren Toiletten gewähren. Diese Möglichkeit hängt jedoch stark von der Bereitschaft der einzelnen Inhaberinnen und Inhaber ab.
Für diemarktplaner ist dieses Thema also nicht nur eine anhaltende Herausforderung, sondern auch eine Aufgabe, für die sie keine Aufwandsentschädigung erhalten. Doch wie wirkt sich diese Problematik eigentlich auf das Verhalten von Menschen im Alltag aus? Das haben wir neben Herrn Fink auch die Mitglieder der Seniorenvertretung Neukölln gefragt. Ältere Menschen zählen schließlich zu den Personengruppen, die vermehrt auf Toiletten angewiesen sind. Was Nikolaus Fink auf seinen Märkten beobachtet, berichten die Seniorinnen und Senioren aus eigener Erfahrung: Das Fehlen angemessener Toiletten führt dazu, dass sich der Bewegungsradius und die Aufenthaltsdauer im öffentlichen Raum reduzieren. Im Fall von Herrn Fink ließ sich das sogar bereits konkret an den Umsatzzahlen ablesen, nachdem das Schließen von anliegenden Cafés oder Eigentümerwechsel dazu führten, dass deren Toiletten nicht mehr genutzt werden konnten. Aus den Gesprächen geht klar hervor: Wo es keine Toiletten (mehr) gibt, halten sich Menschen nicht lange auf, sondern gehen, sobald sie ihre Einkäufe erledigt haben.
Wo Menschen zusammenkommen, braucht es öffentliche Toiletten (Foto: Bergsee, blau)
Zudem erzählen die Seniorinnen und Senioren, dass sie bewusst auf vorheriges Trinken verzichten, wenn sie das Haus für eine längere Zeit verlassen müssen. Bei längeren Routen müssen sie ihre Toilettenbesuche sogar im Voraus planen. Dies ist umso mehr der Fall, wenn sie mit Enkelkindern unterwegs sind. Wo genau sich benutzbare Toiletten befinden, wissen sie nur aus eigener Erfahrung, also aufgrund ihres Alltagswissens. Meistens sind das halböffentliche Toiletten, wie zum Beispiel im Rathaus, in den Neukölln Arcaden, in der Helene-Nathan-Bibliothek oder in Supermärkten wie dem REWE in der Rollbergstraße. Notfalls nutzen sie auch gastronomische Einrichtungen. Aus diesem Grund hat die Seniorenvertretung vor zwei Jahren auch einen eigenen Toilettenführer erstellt.
Eine besondere Schwierigkeit bei der Lösung des Problems liegt in der Zuständigkeit: Verantwortlich ist nämlich nicht der Bezirk, sondern das Land Berlin. Die Berliner Toilette ist das Ergebnis des im Jahr 2019 beschlossenen landesweiten Toilettenvertrags zwischen dem Toilettenbetreiber Wall und dem Senat. Auf Bezirksebene besteht daher nur begrenzter Handlungsspielraum. Das Bezirksamt kann lediglich immer wieder an die höhere Verwaltungsstufe verweisen. Für eine der Berliner Toiletten ist es Herrn Fink jedoch gelungen, direkt mit Wall eine Lösung auszuhandeln. Die Anlage am Markt in Britz-Süd wird nun nachmittags von Wall nach der letzten Servicekontrolle manuell verschlossen. Seitdem wird diese Anlage nicht mehr zu Übernachtungs- oder Drogenkonsumzwecken genutzt und bleibt sauber.
Apps aus dem Google Play Store „Berliner Toilette“ und „Die nette Toilette“
Letzteres ist im Übrigen auch laut der zuständigen Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) die größte Herausforderung: „Vandalismus und Fehlnutzungen von einzelnen Anlagen stellen aktuell eine der größten Herausforderungen dar“, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber dem BROADWAY. Auch Hossein Eggebrecht, Inhaber der „Rixbox“ am Alfred-Scholz-Platz, beklagt sich, dass die angrenzende öffentliche Toilette aus diesem Grund kaum nutzbar ist. Sie würde hauptsächlich zum Drogenkonsum und Aussitzen des Rausches zweckentfremdet werden. Zudem wüssten die Fehlnutzenden, wie sich die Türen der Berliner Toiletten manipulieren ließen, sodass sie sich nicht nach 40 Minuten automatisch öffneten. In diesen Fällen ließen sie sich dann nur noch von innen aufbrechen, was wiederum zu einem Defekt führe. Aufgrund anhaltender Probleme bei der Aufrechterhaltung der Betriebsbereitschaft der öffentlichen Toiletten hält auch er eine Kooperation mit ansässigen Gastronomiebetrieben zur Mitbenutzung ihrer Toiletten für die Kundinnen und Kunden der Rixbox für einen guten Weg.
Trotz der berechtigten Kritik hat es in den letzten Jahren allerdings auch einige Verbesserungen bei den Berliner Toiletten gegeben. So gibt es nun auch Modelle mit Pissoirs auf der Rückseite, die das öffentliche Urinieren zumindest teilweise unterbinden. Aus Gleichberechtigungsgründen ist bei diesen Modellen auch die verschließbare Toilette an der Vorderseite kostenlos zugänglich. Im Zentrum Karl-Marx-Straße trifft dies auf die Toilette am Alfred-Scholz-Platz zu.
Der Toilettenführer der Seniorenvertretung Neukölln
Herr Fink kritisiert dennoch, dass eine ursprünglich öffentliche Aufgabe zunehmend schlechter erfüllt, wenn nicht sogar ausgelagert wird. Nicht nur an Gastronomiebetriebe, die für die erhöhte Serviceleistung aufkommen müssen, sondern auch auf die Menschen vor Ort. Denn meistens sind sie diejenigen, die die Betreiberfirma auf defekte Toiletten hinweisen, da Wall immer nur sehr kurz vor Ort präsent sei. Aus seiner Sicht bräuchte es mehr Personal zur Betreuung oder eine Art Spezialtruppe, die kurzfristig für defekte Toiletten eingesetzt werden kann. Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch die Seniorenvertretung Neukölln. Deren Mitglieder haben die Erfahrung gemacht: Öffentliche Toiletten funktionieren nur dann, wenn sie mit einer Betreuung einhergehen.
Damit kommen wir zu den möglichen Lösungsansätzen. Ein überzeugender Ansatz bestünde darin, die bereits vorhandene Infrastruktur stärker mitzudenken: ähnlich wie Herr Fink es bereits mit Gastronomiebetrieben macht, könnten diese ihre Toiletten auch gegen eine Aufwandsentschädigung aus öffentlicher Hand zugänglich machen. In einigen Städten ist dieses Konzept bereits als „Nette Toilette“ bekannt. Dort werden die Kooperationspartner mittels Sticker an ihren Eingängen sowie in der „Nette Toilette“-App gekennzeichnet. Denkbar wäre zudem eine Ausweitung auf Einrichtungen wie Schwimmbäder, Hotels und Museen. Auch Hannes Rehfeldt, Bezirksstadtrat für Soziales, sieht das Berliner Toilettenkonzept in seiner aktuellen Form kritisch. Ein einheitlicher Ansatz für die gesamte Stadt greife laut ihm zu kurz, stattdessen brauche es differenziert Lösungen für die Außen- und Innenbezirke. Zudem weist er darauf hin, dass Konzepte wie „Nette Toilette“ deutlich günstiger seien als die kostenintensive Aufstellung der Berliner Toiletten. Zudem wären bei ersterem aufgrund der inkludierten Betreuung Vandalismusschäden und Fehlnutzungen seltener.
Öffentliche und halböffentliche Toiletten im Zentrum Karl-Marx-Straße
Die Gespräche verdeutlichen also: Es reicht nicht aus, Toiletten lediglich bereitzustellen, ihre langfristige Nutzbarkeit muss von Anfang an mitgedacht werden. Laut der zuständigen Senatsverwaltung werden derzeit zumindest erste Überlegungen für eine berlinweite Umsetzung eines solchen Kooperationsmodells durchgeführt. Die Komplexität des Themas veranschaulicht, dass das Fehlen von angemessenen öffentlichen Toiletten zwar eine kollektive Herausforderung darstellt, jedoch zu einem individuellen Problem gemacht wird. Damit ist die Frage nach der Toilette auch eine Frage danach, wie wir unsere Stadt organisieren wollen und für wen. Denn eine Stadt, in der sich Menschen aufhalten, begegnen und verweilen können, braucht mehr als Plätze und Wege. Sie braucht auch Orte für die alltäglichsten Bedürfnisse.
Carolina Crijns, raumscript
Triggerpunkte
Die 17. Ausgabe des BROADWAY Neukölln trägt den Titel „Reibungen“ und untersucht damit Konfliktfelder im Zentrum. Denn Begegnungen in vielfältigen und lebendigen Stadtgesellschaften verlaufen nicht immer reibungslos. Die dabei entstehenden Konflikte müssen jedoch nicht zwingend negativ sein, sondern können auch als Anlass zum Dialog dienen. Wie können wir Wege finden, konstruktiv mit ihnen umzugehen? Diese Ausgabe lädt dazu ein, genauer hinzusehen, zuzuhören, sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen und die eigene Position zu reflektieren. Sie gibt Einblicke in die Herausforderungen des Alltags und stellt gleichzeitig engagierte Initiativen und Vereine vor, die bereits auf konstruktive Weise mit diesen Reibungen umgehen.
Stand Juli 2026
Triggerpunkte
Nicht nur der öffentliche Raum, auch der öffentliche Diskurs scheint konfliktreicher geworden zu sein. Zahlreiche Themen erregen schnell die Gemüter und lassen die Meinungen weit auseinandergehen. Reibungen scheinen immer häufiger, lauter und schneller aufzutreten. Was hat sich im gesellschaftlichen Zusammenleben verändert?
Oftmals werden die „Polarisierung“ oder die „Spaltung“ der Gesellschaft als Gründe für die hitzigen Debatten unserer Zeit genannt. Die Gesellschaft sei demnach in zwei unversöhnliche Lager zerstritten. Doch das stimmt so nicht ganz, wie die Soziologen Steffen Mau, Linus Westheuser und Thomas Lux in ihrer Studie „Triggerpunkte“ darlegen. Sie zeigen auf, dass nicht die Gesellschaft als Ganzes gespalten ist, sondern sich vielmehr die Ränder radikalisieren. Demnach gibt es nach wie vor eine große Mitte, die sich in vielen Themen sehr einig ist. Allerdings sind die radikalisierten Ränder viel lauter und werden daher auch viel stärker wahrgenommen als die große „stille Mitte“. Zudem bekommen extreme Positionen in der Regel mehr Aufmerksamkeit.
Hinzu kommt, dass es gewisse Themen gibt, sogenannte Triggerpunkte, über die nicht sachlich, sondern sehr emotional gestritten wird. Die Soziologen begründen dies damit, dass es zwischen Menschen einen impliziten „Gesellschaftsvertrag“ gibt, der festlegt, was als „normal“ oder „angemessen“ gilt. Gerät dieser ins Wanken, reagieren Menschen sehr stark. Das Berühren von Grundwerten wie Freiheit, Gleichheit oder Sicherheit wird demnach schnell als „Verhaltenszumutung“ wahrgenommen. Konflikte werden zusätzlich angefeuert, wenn darüber hinaus auch Gefühle von Kontrollverlust ausgelöst werden.
Zudem wird der Eindruck einer Spaltung von gewissen „Polarisierungsunternehmenden“ bewusst vorangetrieben. Sie versuchen, die Mitte der Gesellschaft für sich zu gewinnen, indem sie in erster Linie emotionalisierte Debatten, sogenannte „Affektpolitik“, führen. Damit soll der reale Rechtsruck jedoch nicht verharmlost werden. Vielmehr soll damit verdeutlicht werden, dass dieser von außen angefeuert wird und nicht aus einer Spaltung der Gesellschaft resultiert. Außerdem lassen sich in der Politik leichter Stimmen durch Meinungsverschiedenheiten als durch Gemeinsamkeiten generieren. Diese werden also bewusst provoziert und gefördert.
Doch wie kann man dagegen vorgehen? Einerseits wird geraten, sich nicht an der Oberfläche der Konflikte abzuarbeiten, sondern ihre tieferen Ebenen zu ergründen. Zudem sollten Konflikte nicht moralisch bewertet werden. Anstatt nach Schuldigen zu suchen und zu beurteilen, wer sich „falsch“ verhält, sollte man anstreben, die Ursachen der Konflikte und die dahinterstehenden Interessen zu verstehen.
Darüber hinaus sollte man lernen, Verallgemeinerungen und ein Schwarz-Weiß-Denken zu vermeiden. Stattdessen gilt es, scheinbare Widersprüche und Differenzen auszuhalten. Zudem muss ein Konflikt nicht zwingend desintegrativ sein. Im Gegenteil: er kann den Zusammenhalt auch stärken. Mit Konflikten konstruktiv umzugehen, scheint also eine wesentliche Aufgabe unserer Zeit zu sein, die jedoch erst erlernt werden muss. Ausschlaggebend ist es laut den Soziologen aber, Kontakte nicht wegen einzelner Meinungsunterschiede abzubrechen. Denn das wäre für den gesellschaftlichen Zusammenhalt wirklich problematisch – nicht aber die Reibung selbst.
Carolina Crijns, raumscript
Reibungen erwünscht
Die 17. Ausgabe des BROADWAY Neukölln trägt den Titel „Reibungen“ und untersucht damit Konfliktfelder im Zentrum. Denn Begegnungen in vielfältigen und lebendigen Stadtgesellschaften verlaufen nicht immer reibungslos. Die dabei entstehenden Konflikte müssen jedoch nicht zwingend negativ sein, sondern können auch als Anlass zum Dialog dienen. Wie können wir Wege finden, konstruktiv mit ihnen umzugehen? Diese Ausgabe lädt dazu ein, genauer hinzusehen, zuzuhören, sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen und die eigene Position zu reflektieren. Sie gibt Einblicke in die Herausforderungen des Alltags und stellt gleichzeitig engagierte Initiativen und Vereine vor, die bereits auf konstruktive Weise mit diesen Reibungen umgehen.
Stand Juli 2026
Reibungen erwünscht
Demonstrationen sind oft laut, unangenehm und sorgen nicht immer für reibungslose Begegnungen. Dabei geht es den Demonstrierenden zwar in erster Linie darum, auf Missstände aufmerksam zu machen, den Status quo zu kritisieren und mehr Sichtbarkeit zu schaffen. Doch indem sie mehr Rechte und Veränderungen einfordern, Lärm verursachen, für Diskussionen sorgen und Straßen blockieren, erzeugen sie auch Reibungen. Gerade das macht sie zu einem wichtigen Bestandteil funktionierender Demokratien.
Reibungen entstehen dabei jedoch selten als Selbstzweck. Sie sind vielmehr eine Folge davon, dass unterschiedliche Interessen und Perspektiven aufeinandertreffen. Gerade diese Sichtbarkeit kann Diskussionen anstoßen und dazu beitragen, gesellschaftliche Fragen öffentlich zu verhandeln. Demonstrationen eröffnen somit Räume, in denen unterschiedliche Positionen wahrnehmbar werden und demokratische Aushandlungsprozesse stattfinden können. Dabei müssen demokratische Werte wie Toleranz, Akzeptanz von Meinungsfreiheit und Rücksichtnahme auf Mitmenschen jedoch stets im Vordergrund stehen.
Menschen demonstrieren am Rathaus Neukölln im Rahmen des Umzuges „Karneval für die Zukunft“ für ein Umdenken beim Thema Klimawandel (Foto: IMAGO – Funke Foto Services)
Gleichzeitig bewegen sich Demonstrationen im Spannungsfeld zwischen dem Recht auf Protest und den Rechten Dritter. Das bedeutet, dass das Recht auf Meinungsfreiheit zwar besteht, dieses aber Grenzen hat, sobald Positionen geteilt werden, die hetzerisch oder diskriminierend sind. Eine der größten Herausforderungen bei politischen Versammlungen besteht oft darin, unangenehme, aber legitime Positionen auszuhalten und unrechtmäßige hingegen zu unterbinden. Doch diese Grenzen werden ständig neu ausgehandelt und zählen heutzutage zu den umstrittensten gesellschaftlichen Kontroversen.
Ein weiterer umstrittener Aspekt ist, wie weit „ziviler Ungehorsam“ gehen darf. Dabei handelt es sich um eine Protestform, die im Gegensatz zu legalen Demonstrationen bewusst Regeln oder Gesetze bricht, ohne Gewalt anzuwenden. Beispiele dafür sind Sitzblockaden, die Besetzung von Orten oder das Festkleben auf Straßen, wie es zuletzt bei Protesten von Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten zu beobachten war. Doch nicht alle Menschen halten diese Form des Protests für legitim. Die einen sehen darin ein wichtiges Mittel, um auf dringende Probleme aufmerksam zu machen, wenn andere Wege nicht zum gewünschten Erfolg führen. Andere kritisieren, dass solche Aktionen den Alltag vieler Menschen beeinträchtigen und eher für Ablehnung sorgen. Die Frage, wann Protest noch gerechtfertigt ist und wann er zu weit geht, wird daher immer wieder öffentlich diskutiert.
Eine Fahrraddemo eignet sich die Karl-Marx-Straße an (Foto: Christoph Schwantuschke)
Im Kontext legaler Demonstrationen geht es jedoch darum, Reibungen als Ausdruck einer vielfältigen Gesellschaft und einer gesunden Demokratie zu verstehen. Es kann nicht das Ziel sein, Reibungen grundsätzlich vermeiden zu wollen – egal, ob durch Verbote oder durch Konsensfindung. Gerade in vielfältigen Gesellschaften wird es stets unterschiedliche Sichtweisen geben und unmöglich sein, alle Meinungen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Im Gegenteil: In den letzten Jahren ist konsensgetriebene Politik sogar vermehrt in die Kritik geraten. Sie habe Gesellschaften entpolitisiert und dazu geführt, dass diese verlernt hätten, sich zu streiten. Demnach bleibt es wichtig, unterschiedliche Positionen zu verteidigen und auszuhandeln.
Auch im lebendigen Zentrum Karl-Marx-Straße kommt es immer wieder zu Reibungen durch politische Proteste, Aktionen und Versammlungen. So ziehen beispielsweise mehrmals im Jahr größere Gruppen von Radfahrenden durch den Zentrumsbereich und machen damit Fragen der Mobilität und Verkehrssicherheit zum Gegenstand öffentlicher Debatten. Im Zentrumsbereich werden Fahrraddemonstrationen zumeist vom „Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln“ organisiert, oft auch in Kooperation mit Initiativen wie der „Kidical Mass Neukölln“ oder Vereinen wie „Respect Cyclists e. V.“. Dabei werden unter anderem mehr sichere Radwege, eine stadtweite Temporeduzierung auf 30 km/h sowie die „Vision Zero“, eine Zukunftsvision ohne Todesunfälle und Schwerverletzte im Straßenverkehr, gefordert. Allerdings sorgen nicht nur die Forderungen selbst, sondern auch die Art der Demonstrationen bereits für Reibungen. Denn rechtlich gesehen dürfen Fahrradgruppen ab 16 Personen bei Rot weiterfahren, solange sie eine geschlossene Gruppe bilden. Autofahrende, die durch die Radfahrenden im Verkehr aufgehalten werden, reagieren dabei nicht immer verständnisvoll. Insbesondere an Kreuzungspunkten sind daher Personen mit Ordnungsfunktion und Polizeischutz notwendig. Zudem finden Fahrraddemos wie die der Respect Cyclists bevorzugt während des Berufsverkehrs statt, da sie zu dieser Zeit die größte Aufmerksamkeit erhalten.
Das Kollektiv „Asamblea Migrante Berlin“ fordert ein Ende der Gewalt gegen Frauen (Foto: Asamblea Migrante Berlin)
Generell bietet das das Zentrum aufgrund seiner Lage, der hohen Zahl an Passantinnen und Passanten sowie der guten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr günstige Voraussetzungen, um politische Anliegen sichtbar zu machen. Insbesondere die Karl-Marx-Straße und der Vorplatz vor dem Neuköllner Rathaus zählen zu den wichtigsten öffentlichen Orten für Demonstrationen und politische Versammlungen im Bezirk. Wer hier demonstriert, erreicht eine große Menge Menschen, die mit den Anliegen der Demonstrierenden in Berührung geraten.
Damit wird zugleich die Bedeutung öffentlicher Räume im Zentrum verdeutlicht: So ist die Karl-Marx-Straße nicht nur eine Verkehrs- und Einkaufsstraße, sondern zugleich auch ein Ort öffentlicher Auseinandersetzung, an dem gesellschaftliche Fragen verhandelt und politische Anliegen sichtbar gemacht werden können. Demonstrationen zeigen somit, dass Demokratie nicht allein in Parlamenten stattfindet, sondern auch dort, wo Menschen ihre Anliegen sichtbar machen und miteinander in Austausch treten.
Dabei sind es längst nicht nur verkehrspolitische Themen, die im Zentrum Karl-Marx-Straße öffentlich verhandelt werden. Immer wieder finden hier auch Kundgebungen zu sozialen, ökologischen oder internationalen Themen statt. Auch bundesweit und international bekannte Aktionstage werden regelmäßig zum Anlass genommen, um auf politische Forderungen aufmerksam zu machen. So ziehen beispielweise auch am Internationalen Frauentag am 8. März oder am Tag der Arbeit am 1. Mai jedes Jahr zahlreiche Menschen durch das Zentrum Karl-Marx-Straße.
Darüber hinaus haben Demonstrationen aber auch für die Demonstrierenden selbst eine besondere Funktion. Sie ermöglichen es Menschen, sich miteinander zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Anliegen zu formulieren. Wer an einer Demonstration teilnimmt, erlebt häufig, dass persönliche Sichtweisen und Erlebnisse Teil eines größeren gesellschaftlichen Zusammenhangs sind. Aus individuellen Erfahrungen können so kollektive Forderungen entstehen. Demonstrationen schaffen somit nicht nur Sichtbarkeit nach außen, sondern auch ein Gefühl von Teilhabe und Zusammenhalt nach innen.
Doch ganz gleich zu welchem Thema: Demonstrationen und ihre Forderungen sind so vielfältig wie die Gesellschaft selbst. Sie machen diese erlebbar und erinnern daran, dass öffentlicher Raum nicht nur genutzt, sondern auch gestaltet wird. Mögen sie manchmal laut und unangenehm sein, so haben wir doch viele der heutigen Errungenschaften den Protesten der Vergangenheit zu verdanken. In diesem Sinne erfordern sie oft auch viel Mut. Damit eröffnen sie aber nicht nur einen Diskussions-, sondern auch einen Möglichkeitsraum. Das verleiht Reibungen schließlich eine weitere positive Dimension: dass sie nicht nur als Anlass zum Dialog dienen können, sondern auch als Anlass zur Veränderung.
Carolina Crijns, raumscript
Störung im Stadtraum?
Die 17. Ausgabe des BROADWAY Neukölln trägt den Titel „Reibungen“ und untersucht damit Konfliktfelder im Zentrum. Denn Begegnungen in vielfältigen und lebendigen Stadtgesellschaften verlaufen nicht immer reibungslos. Die dabei entstehenden Konflikte müssen jedoch nicht zwingend negativ sein, sondern können auch als Anlass zum Dialog dienen. Wie können wir Wege finden, konstruktiv mit ihnen umzugehen? Diese Ausgabe lädt dazu ein, genauer hinzusehen, zuzuhören, sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen und die eigene Position zu reflektieren. Sie gibt Einblicke in die Herausforderungen des Alltags und stellt gleichzeitig engagierte Initiativen und Vereine vor, die bereits auf konstruktive Weise mit diesen Reibungen umgehen.
Stand Juli 2026
Störung im Stadtraum?
Nord-Neukölln, insbesondere der pulsierende Bereich um die Karl-Marx-Straße, ist durch eine visuelle Intensität geprägt, die der akustischen Geräuschkulisse des Zentrums in nichts nachsteht. Dazu zählen auch Bemalungen an Fassaden, die eine Vielsprachigkeit von Botschaften bilden, die als Ausdruck der diversen Stadtkultur Neuköllns verstanden werden kann.
Der Stadtraum fungiert damit als Ort, an dem Reibungen nicht als bloße Störung, sondern – zumindest aus soziokultureller Perspektive – auch als Kommunikationsmittel begriffen werden können. Es ist ein Raum, in dem unterschiedliche Lebensrealitäten aufeinandertreffen und sich permanent visuell miteinander auseinandersetzen.
Prägen das Stadtbild im Zentrum: mit Graffiti bemalte Fassaden (Foto: Museum Neukölln)
Das Spannungsfeld: Kunst, Aneignung und Regelbruch
Die Präsenz von Graffiti im öffentlichen Raum erzeugt ein Spannungsfeld zwischen der kreativen, ästhetischen, aktivistischen oder politischen Aneignung und unterliegt zugleich dem Vorwurf des Vandalismus. Wer darf den Stadtraum nach welchen Regeln gestalten? Hier prallen nicht nur Weltanschauungen, sondern auch gegensätzliche Vorstellungen von Ordnung und Eigentum aufeinander.
Zwar kann Graffiti auch als Sachbeschädigung gesehen und strafrechtlich verfolgt werden, doch offenbart ein kulturwissenschaftlicher Blick eine historische Tiefe, die weit über bloße Sachbeschädigung hinausgeht. Die Spuren menschlicher Kommunikation an Wänden reichen von den Höhlenmalereien in Lascaux, die vor rund 20.000 Jahren entstanden sind, bis zu politischen Wahlempfehlungen im antiken Pompeji, das im Jahr 79 n. Chr. unterging. Street Art ist somit die zeitgenössische Fortschreibung eines archaischen Bedürfnisses nach Markierung und Deutung im öffentlichen Raum.
Das Einhorn kommuniziert im Stadtraum mit seiner Umgebung (Foto: Museum Neukölln)
Street Art und Graffiti im Zentrum Karl-Marx-Straße
Wie unterschiedlich Graffiti bewertet wird, zeigt sich besonders anschaulich an der Kindl-Treppe. Ursprünglich war hier die Vorstellung, dass eine aufwändige grafische Gestaltung, ergänzt durch von Kindern bemalte Elemente, vor weiteren Bemalungen durch Fremde schützen würde. Doch diese Erwartung erfüllte sich nicht. Die Flächen wurden nach und nach von Tags und Schriftzügen überdeckt. Für die einen ist die Kindl-Treppe dadurch ein Sinnbild für mangelnde Instandhaltung und Sachbeschädigung geworden. Andere wiederum finden, dass die Treppe dadurch authentischer wirkt, gerade an einem Ort, an dem Kunst- und Kreativangebote stattfinden. Interessant ist dabei aber auch eine Perspektive aus der Szene selbst: Legale Wandgestaltungen gelten vielen „Writern“ (Schreiberinnen und Schreibern) als weniger respektabel und werden daher bewusst übermalt. Am Beispiel der Kindl-Treppe zeigt sich also, was den Stadtraum insgesamt prägt: Unterschiedliche Ausdrucksformen überlagern sich, konkurrieren miteinander und entwickeln sich stets weiter. Die Form des „Crossens“, also des Übermalens, kann dabei eine bewusste Form der Interaktion darstellen. Ob man sich an die ungeschriebenen Gesetze, „Wer malt wo? Wer ‚crossed‘ wen?“, hält oder nicht, ist somit also eine bewusste Entscheidung, die nicht selten mit Reviermarkierungen und szeneinternem Ruhm, auch „Fame“ genannt, einhergeht. Zudem geht aus der Szene hervor, dass legale Wände allein illegale Graffitis nicht unterbinden. Dazu braucht es laut der „Graffiti Lobby Berlin“ einen aktiven Dialog zwischen Sprayenden und Eigentümerinnen und Eigentümern. Die Reibung müsste also als Anlass zum Dialog genommen werden.
Die Kühlschranktür von Roy Draws als Exponat im Museum (Foto: Museum Neukölln)
Zu Gast im Museum
Mit der Ausstellung „ZEICHEN. SPRACHEN. STADTRAUM.“, die von Oktober 2025 bis Mai 2026 im Museum Neukölln zu sehen war, widmete sich das Museum dem Thema als Kontext-Vermittler. Es verfolgte dabei bewusst einen ethnografischen Ansatz, der „Codes“ entschlüsselt, ohne dabei moralisch zu werten. Die Ausstellung bot einen Blick hinter die Kulissen der Anonymität, ohne die Schöpferinnen und Schöpfer zu entblößen.
Auch legale Wandgestaltungen wie die Kindl-Treppe werden „gecrossed“ (Foto: Bergsee, blau)
Die Lesbarkeit der Stadt
Graffiti und Street Art sind weit mehr als Dekoration oder reiner Vandalismus. Sie sind Spiegel unserer urbanen Gegenwart. Die Erkenntnis bleibt: Vielfalt braucht Toleranz, Toleranz braucht Wissen, Wissen braucht Kontext. Erst durch die Enträtselung der visuellen Codes wird der Stadtraum lesbar und die Sprache der Straße als integraler Bestandteil der Neuköllner Identität erkennbar. Die Enträtselung des Stadtraums ist somit der erste notwendige Schritt, um die Stadt nicht nur zu bewohnen, sondern sie in ihrer gesamten symbolischen Komplexität zu begreifen.
Dr. Matthias Henkel, Museum Neukölln
Reibungen
Die 17. Ausgabe des BROADWAY Neukölln trägt den Titel „Reibungen“ und untersucht damit Konfliktfelder im Zentrum. Denn Begegnungen in vielfältigen und lebendigen Stadtgesellschaften verlaufen nicht immer reibungslos. Die dabei entstehenden Konflikte müssen jedoch nicht zwingend negativ sein, sondern können auch als Anlass zum Dialog dienen. Wie können wir Wege finden, konstruktiv mit ihnen umzugehen? Diese Ausgabe lädt dazu ein, genauer hinzusehen, zuzuhören, sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen und die eigene Position zu reflektieren. Sie gibt Einblicke in die Herausforderungen des Alltags und stellt gleichzeitig engagierte Initiativen und Vereine vor, die bereits auf konstruktive Weise mit diesen Reibungen umgehen.
Stand Juli 2026
Reibungen
Überall dort, wo eine vielfältige Stadtgesellschaft zusammenkommt, kommt es manchmal auch zu Reibungen. Diese müssen jedoch nicht zwingend negativ sein, sondern können auch als Anlass zum Dialog dienen. Wie können wir also Wege finden, konstruktiv mit ihnen umzugehen?
Liebe Leser*innen,
das Zentrum Karl-Marx-Straße ist ein Ort der Vielfalt und der Kontraste. Hier kommen täglich Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen, Erfahrungen und Erwartungen zusammen. Doch diese Vielzahl unterschiedlicher Vorstellungen bringt auch Konflikte mit sich. So kann allein durch die Äußerung unterschiedlicher Weltanschauungen Reibung entstehen. Manchmal halten sich Menschen aber auch nicht an Regeln oder verhalten sich so, dass die Lebensqualität anderer eingeschränkt wird. Andere Male werden Reibungen auch bewusst erzeugt, um Druck aufzubauen.
Sie sorgen bewusst für Reibungen: Fahrraddemos während des Berufsverkehrs (Foto: Christoph Schwantuschke)
Wie können wir mit diesen Reibungen konstruktiv umgehen? Wann kann statt Konflikten Akzeptanz geschaffen werden? Wann ist es wichtig, mit klarer Haltung einzugreifen? Und wann ist es wichtig, zu moderieren?
Mit genau diesen Fragen setzt sich diese Ausgabe auseinander. Es geht nicht darum, alle Reibungen zu beseitigen, sondern unseren Blick für sie zu schärfen. Einerseits soll das Heft also dazu aufrufen, mehr Akzeptanz zu schaffen und Reibungen auszuhalten, wo es angebracht ist. Andererseits soll es dazu aufrufen, aufeinander achtzugeben, Rücksicht zu nehmen und Haltung zu zeigen. Denn auch wenn sich Reibungen in demokratischen Gesellschaften nicht vermeiden lassen, sollte ein respektvolles Miteinander stets im Vordergrund stehen.
Als Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr ist es mir wichtig, die begrenzten öffentlichen Räume so zu gestalten, dass sie möglichst vielen Menschen und ihren Bedürfnissen gerecht werden. Das bedeutet, Regeln durchzusetzen, wo sie benötigt werden, aber genauso, Toleranz zu fördern, wo Unterschiede ausgehalten werden müssen. Rücksichtnahme kann nur dann funktionieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und wenn wir bereit sind, auch die Perspektive anderer zu sehen.
Diese Ausgabe lädt dazu ein, genauer hinzusehen, zuzuhören, sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen und die eigene Position zu reflektieren. Sie macht Zielkonflikte sichtbar, ohne dabei Lösungsansätze aus dem Blick zu verlieren. Sie gibt Einblicke in die Herausforderungen des Alltags und stellt gleichzeitig engagierte Initiativen und Vereine vor, die bereits auf konstruktive Weise mit diesen Reibungen umgehen. Dazu gehört beispielsweise der Verein „Aufbruch Neukölln e. V.“ oder die „Stadtteilmütter“, aber auch die tägliche Arbeit der Bezirksverwaltung selbst. Doch auch engagierte Privatunternehmer wie „diemarktplaner“ oder soziale Träger wie die Fixpunkt gGmbH leisten wichtige Arbeit für reibungslosere Aufenthalte im Zentrum. Vor allem aber versteht dieses Heft Reibungen nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance: als Anlass zum Dialog, Veränderung und ein solidarisches Miteinander. Denn der öffentliche Raum gehört uns allen und alle sollten sich darin wohl und respektiert fühlen. Schließlich ist genau das ein fester Bestandteil demokratischer Gesellschaften: trotz unterschiedlicher Lebensweisen friedliche Umgangsformen und ein sicheres Miteinander zu gewährleisten.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre und viele neue Impulse für Ihren Blick auf unseren gemeinsamen Stadtraum.
Ihr Jochen Biedermann
Stadtrat für Stadtentwicklung,
Umwelt und Verkehr
Broadway Nº 17
Die 17. Ausgabe des BROADWAY Neukölln trägt den Titel „Reibungen“ und untersucht damit Konfliktfelder im Zentrum. Denn Begegnungen in vielfältigen und lebendigen Stadtgesellschaften verlaufen nicht immer reibungslos. Die dabei entstehenden Konflikte müssen jedoch nicht zwingend negativ sein, sondern können auch als Anlass zum Dialog dienen. Wie können wir Wege finden, konstruktiv mit ihnen umzugehen? Diese Ausgabe lädt dazu ein, genauer hinzusehen, zuzuhören, sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen und die eigene Position zu reflektieren. Sie gibt Einblicke in die Herausforderungen des Alltags und stellt gleichzeitig engagierte Initiativen und Vereine vor, die bereits auf konstruktive Weise mit diesen Reibungen umgehen.
Stand Juli 2026
Reibungen
Überall dort, wo eine vielfältige Stadtgesellschaft zusammenkommt, kommt es manchmal auch zu Reibungen. Diese müssen jedoch nicht zwingend negativ sein, sondern können auch als Anlass zum Dialog dienen. Weiterlesen…

Störung im Stadtraum?
Nord-Neukölln, insbesondere der pulsierende Bereich um die Karl-Marx-Straße, ist durch eine visuelle Intensität geprägt, die der akustischen Geräuschkulisse des Zentrums in nichts nachsteht. Weiterlesen…

Reibungen erwünscht
Demonstrationen sind oft laut, unangenehm und sorgen nicht immer für reibungslose Begegnungen. Dabei geht es den Demonstrierenden zwar in erster Linie darum, auf Missstände aufmerksam zu machen, den Status quo zu kritisieren und mehr Sichtbarkeit zu schaffen. Weiterlesen…

Triggerpunkte
Nicht nur der öffentliche Raum, auch der öffentliche Diskurs scheint konfliktreicher geworden zu sein. Zahlreiche Themen erregen schnell die Gemüter und lassen die Meinungen weit auseinandergehen. Weiterlesen…

Der Toilettengang – eine öffentliche Angelegenheit
Öffentliche Toiletten sind wahrscheinlich nicht das Erste, was einem in den Sinn kommt, wenn man an das gesellschaftliche Zusammenleben denkt. Weiterlesen…

Kleiner Müll, große Reibungsflächen
Nord-Neukölln ist eigentlich ein Ort der Begegnung: Menschen kaufen ein, treffen sich, gehen aus oder essen gemeinsam. Doch wo viele Menschen unterwegs sind, entsteht auch viel Müll. Weiterlesen…
Wem gehört die Straße?
Steffen Burger arbeitet im Straßen- und Grünflächenamt Neukölln mit Schwerpunkt Radverkehr und lebt seit fast 20 Jahren im Norden des Bezirks. Als Fachplaner und Anwohner kennt er die Karl-Marx-Straße aus zwei Perspektiven – und erlebt die Konflikte im Straßenraum täglich. Weiterlesen…

Anlass zum Dialog
Nicht jede Reibung muss zwangsläufig zu einem Konflikt führen. Sind Menschen bereit, einander zuzuhören und respektvoll zu behandeln, können Reibungen auch als Anlass zum Dialog dienen. Weiterlesen…

Leben auf der Straße
Steigende Lebenshaltungskosten, schwindende Begegnungsräume und schrumpfende private Rückzugsorte setzen den öffentlichen Raum zunehmend unter Druck. Weiterlesen…
Ansprechpartner
Bezirksamt Neukölln
Stadtentwicklungsamt
Fachbereich Stadtplanung
Karl-Marx-Straße 83, 12040 Berlin
Tel.: 030 – 90 239 2153
stadtplanung(at)bezirksamt-neukoelln.de
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen IV C 32
Anke Heutling
Württembergische Straße 6-7, 10707 Berlin
Tel.: 030 – 90 173 4914
anke.heutling(at)senstadt.berlin.de
BSG Brandenburgische
Stadterneuerungsgesellschaft mbH
Sanierungsbeauftragte des Landes Berlin
Karl-Marx-Straße 117 , 12043 Berlin
Tel.: 030 – 685 987 71
kms(at)bsgmbh.com
Lenkungsgruppe
der [Aktion! Karl-Marx-Straße]
lenkungsgruppe(at)aktion-kms.de
Citymanagement
der [Aktion! Karl-Marx-Straße]
Richardstraße 5, 12043 Berlin
Tel.: 030 – 22 197 293
cm(at)aktion-kms.de
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