Im KARLSON #7 – 2020, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee informieren wir Sie wieder über die Entwicklungen und Projekte, die das Geschehen der städtebaulichen Sanierung aktuell prägen. Wir geben Ihnen in dieser Ausgabe unter anderem eine Übersicht über die noch ausstehenden Vorhaben im Sanierungsgebiet, stellen Ihnen die Planungen für die Weserstraße, den Wildenbruchplatz, den Karl-Marx-Platz und die Thomasstraße vor und befassen uns mit den Auswirkungen des Klimawandels und Klimaschutzes auf die Planungen vor Ort. Nachfolgend können Sie sich die einzelnen Artikel ansehen und auch herunterladen.

Stand Juni 2020

Die Weserstraße
wird zur Fahrradstraße

Mehr Platz für den Radverkehr

Das Netz fahrradfreundlicher Straßen in Neukölln wird in den nächsten beiden Jahren durch einen weiteren wichtigen Baustein ergänzt. Die Weserstraße wird bis voraussichtlich Ende 2022 auf ihrer ganzen Länge zur Fahrradstraße ausgebaut. Nachdem der Abschnitt zwischen Kottbusser Damm und Pannierstraße bereits 2017 als Fahrradstraße ausgewiesen worden ist, wird dies nun für den verbleibenden Abschnitt bis zur Ederstraße erfolgen.

Weserstraße (© Bergsee, blau)

Der neue Abschnitt umfasst insgesamt zwei Kilometer und stellt nach Fertigstellung ein wichtiges Verbindungsstück für den Fahrradverkehr zwischen der südlichen Sonnenallee und dem Kottbusser Damm beziehungsweise dem Hermannplatz dar.

Der Ausbau zur Fahrradstraße bedeutet, dass zwischen Pannier- und Thiemannstraße die mittlere Fahrbahn auf einer Breite von 5,50 Metern für den Fahrrad- und Anliegerverkehr asphaltiert wird (der bereits asphaltierte Abschnitt bis zur Ederstraße wird baulich nicht verändert). An den Fahrbahnrändern wird die Kopfsteinpflasterung instandgesetzt, bleibt also erhalten und ist weiterhin für den parkenden Verkehr vorgesehen. Die deutlich zu schmalen und durch Wurzelschäden stark beeinträchtigten Flächen der bisherigen Radwege rechts und links der Fahrbahn werden dem Gehwegbereich zugeordnet. Hier muss auf einigen engeren Abschnitten „halb“ geparkt werden. Außerdem können nun sämtliche Baumscheiben entlang des alten Radwegs vergrößert und somit bessere Bedingungen für die Straßenbäume geschaffen werden. Die Bordsteine werden nicht versetzt.

Die Weserstraße wird anschließend wie die Straße Weigandufer als Fahrradstraße beschildert und markiert. Die gestalterische Ausführung orientiert sich dabei an der neuen „Arbeitshilfe Fahrradstraße“, die aktuell von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz überarbeitet wird. Damit entsteht für den Radverkehr eine sichere und attraktive Alternativroute zur Sonnenallee.

Diagonalsperren mit Pollern an den Kreuzungen Weichsel- und Roseggerstraße

Eine Quersperre an der Kreuzung Elbestraße soll ebenfalls den Kfz-Durchgangsverkehr unterbinden

Zur Entlastung der Weserstraße vom Schleichverkehr sind weitere verkehrslenkende und -beruhigende Maßnahmen geplant. Dazu zählen zwei sogenannte „Diagonalsperren“ an den Kreuzungen Weichsel- bzw. Roseggerstraße, mit denen die Kraftfahrzeuge gezwungen werden abzubiegen, und eine Quersperre an der Kreuzung Elbestraße, die den Kfz-Durchgangsverkehr unterbinden wird. Diese Kreuzungen werden in alle Richtungen somit nur vom Fuß- und Radverkehr passiert werden können. Die für die Sperrung notwendigen Poller können aber herausgenommen bzw. umgeklappt werden, um so auch die Durchfahrt für Rettungsfahrzeuge zu gewährleisten. Die verkehrslenkenden Maßnahmen stützen sich auf eine Verkehrszählung im Jahr 2019, in der das Fahrzeug-Aufkommen in der Weserstraße auf unterschiedlichen Abschnitten erfasst wurde. Die Verkehrszählung zeigt, dass der Radverkehr bereits jetzt in den Straßenabschnitten zwischen Pannier- und Wildenbruchstraße die häufigste Verkehrsart darstellt. Auf den Straßenabschnitten zwischen Treptower Straße und Ederstraße ist aktuell hingegen der Pkw-Verkehr die häufigste Verkehrsart.

Neben der Verkehrszählung wurden für die Durchführung der verkehrslenkenden Maßnahmen auch weitere Aspekte berücksichtigt, beispielsweise die Erreichbarkeit von Supermärkten mit Lieferfahrzeugen sowie die Praxiserfahrung der örtlichen Polizei und der Straßenverkehrsbehörde.

Hauptanliegen des Projekts ist die Verbesserung des Radverkehrs. Für diese Maßnahme erhält der Bezirk erhebliche Finanzierungsmittel von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, die das Projekt als eine der größten Radverkehrsmaßnahmen aus dem „Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds“, kurz SIWANA fördert. Aufgrund dieser Zweckbindung ist es nicht möglich, zugleich die Gehwege zu erneuern.

Die Weserstraße wird aber durch den Bau sogenannter Gehwegvorstreckungen und das Absenken der Bordsteinkanten in den Kreuzungsbereichen künftig sicherer und komfortabler überquert werden können. Auf längeren Straßenabschnitten werden zusätzliche Überquerungsmöglichkeiten geschaffen, wo heute der kurze Weg über die Straße meist durch parkende Fahrzeuge versperrt ist. Die Gehwegvorstreckungen werden im Bereich der Fahrbahn durch Markierungen gekennzeichnet. So können auch Passanten leichter gesehen werden. Um zu verhindern, dass hier dennoch falsch geparkt wird, werden rechts und links jeweils Fahrradbügel aufgestellt.

Die Maßnahmen in den Gehwegebereichen werden im Zuge der Straßenbauarbeiten durchgeführt. Sie werden aus dem Städtebauförderprogramm „Lebendige Zentren und Quartiere“ (vormals „Aktive Zentren“) finanziert. Die Gesamtkosten für den Umbau des rund zwei Kilometer langen Abschnitts der Weserstraße werden sich auf ungefähr 3,75 Millionen Euro belaufen.

Die Bauarbeiten werden in den Jahren 2021 und 2022 umgesetzt. Sobald die genaue Planung der Bauphasen fertiggestellt ist, wird darüber auf der Internetseite www.kms-sonne.de berichtet. Im Rahmen des Sanierungsprozesses sind bis zum Jahr 2026 mit dem Ausbau der Elbe- und der Weichselstraße weitere Straßenumbaumaßnahmen vorgesehen. Die Vernetzung der Radinfrastruktur im Gebiet wird dabei durch die Verbindungen der Fahrradstraßen Weserstraße und Weigandufer weiter gestärkt.
David Fritz, Alexander Tölle