Dies ist ein Artikel ist aus dem KARLSON #8 – 2021, der Zeitung für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße/Sonnenallee.

Stand Juli 2021

Kunstbrücke am Wildenbruch

Ein neuer experimenteller Kulturort im Gebiet

Die historische Toilettenanlage an der Wildenbruchbrücke ist ein skurriler Ort mit einem außergewöhnlichen Charme. Deshalb wird die Anlage, die ihre ursprüngliche Funktion nicht mehr erfüllen kann und daher bereits seit längerem dem Verfall preisgegeben ist, derzeit vom Fachbereich Kultur des Bezirksamtes Neukölln zu einem in Berlin einmaligen, experimentellen Kulturort, der „Kunstbrücke am Wildenbruch“, umgebaut.

Der alte Anleger Wildenbruchbrücke mit der ehemaligen Toilettenanlage rechts im Bild, die nun zum Kunstort wird, © cvk*

Die Kunstbrücke wird vier kleine Ausstellungsräume umfassen, die noch an die ursprüngliche Nutzung erinnern. Zum Außengelände gehört die alte Anlegestelle am Neuköllner Schifffahrtskanal mit einer großen Kunstwand, die von der gegenüberliegenden Uferseite aus ein Blickfang ist. An diesem – durch seine Lage und Geschichte – außergewöhnlichen „Örtchen“ werden junge Berliner Künstlerinnen und Kuratoren unterschiedlichste Projekte von Ausstellungen über verschiedene Events bis zu Aktionen im öffentlichen Raum entwickeln.

Ungewöhnliche Kunst- und Kulturräume, für die Berlin lange berühmt war, verschwinden immer mehr aus dem Stadtbild. Events an solchen Orten sind nach wie vor bei Jung und Alt sehr beliebt; Künstlerinnen und Künstler sehnen sich nach Räumen, die eine Auseinandersetzung mit ihnen provozieren. Die historische Toilettenanlage an der Wildenbruchbrücke ist wie geschaffen, darauf eine Antwort zu geben. Dieser einmalig „schräge“ Ort kann Kunstschaffende und Besuchende durch seine spezifische Ausstrahlung ganz anders inspirieren als die im Kunstbetrieb sonst üblichen schlichten weißen Räume, die sogenannten White Cubes.

Hier entstehen Flächen für kulturelle Events (links), die Räume von innen, Oberlichter bieten beste Bedingungen für Ausstellungen(rechts), © cvk*

Wie gut sich der Ort als Raum für Kunst eignet, hat sich bereits bei kurzzeitigen temporären Zwischennutzungen im Rahmen der Festivals 48 Stunden Neukölln gezeigt. Diese wurden wegen der Baufälligkeit des Gebäudes nicht fortgeführt. Heute jedoch ergibt sich im Zuge der Sanierungsmaßnahmen im Kiez die Möglichkeit, die Kunstbrücke als Kultur­ort langfristig zu sichern.

Durch die beiden Eingänge und die Anordnung der Wände in der Form eines Fugenkreuzes besteht die Möglichkeit eines Rundgangs durch vier in etwa gleich große Räume. In den Innenräumen ist die variierende Lichtsituation bei Tage besonders reizvoll: In den beiden vorderen Räumen flutet Licht durch zwei großzügige Fenster, die den Blick auf den Kanal und das gegenüberliegende Ufer freigeben. Die beiden hinteren Räume erfahren durch die Oberlichter eine für Kunst besonders geeignete, einmalige Beleuchtung von oben.

Die Aufenthaltsqualität des Weigandufers vom Lohmühlen- bis zum Wildenbruchplatz hat durch die jüngsten Sanierungsmaßnahmen zugenommen. Die Menschen flanieren gerne auf der begrünten Uferpromenade, treiben Sport und genießen die Natur auf den Bänken im Wildenbruchpark. Durch die Kunstbrücke wird dieses Freizeitangebot um ein kulturelles Angebot ergänzt: Der kommunale Kunst­ort wird ohne Eintrittsgelder für alle zugänglich sein. Seine großzügigen Außenanlagen bilden eine hervorragende Bühne für unterschiedlichste kulturelle Events. So hat die Kunstbrücke das Potenzial, sowohl zum beliebten Treffpunkt im Kiez zu werden, als auch darüber hinaus als besondere Location Aufmerksamkeit zu erregen.

Auf Grund ihrer räumlichen Besonderheit und den Fokus auf junge, experimentelle Kunst wird die Kunstbrücke am Wildenbruch die beiden etablierten Galerien im Körnerpark und im Saalbau auf ideale Weise ergänzen und den Kiez kulturell beleben. Die Eröffnung der Kunstbrücke ist nach ersten Instandsetzungen für September 2021 geplant.
Dorothee Bienert, Leiterin der kommunalen Galerien Neukölln